Es beginnt in der Schule. Plötzlich, unerwartet. Der Schmerz schlägt wie ein Blitz in den Bauch. Schlägt ein, schlägt aus, schlägt zu, erschlägt…dann die Kette der Aufmerksamkeit, Lehrerin, Mutter, Arzt, Vater…
„Mein Vater kam und sagte, dass ich krank sei und hierbleiben müsste. Dann schoben sie mich auf der Liege in ein Zimmer, in dem noch viele andere Kinder waren…“. Der Weg geht weiter im Schmerz, der Ungewissheit, Momenten der Ruhe, Hoffnung…kein Entkommen….
Der Schmerz, das Leiden ergreift Körper und Geist, da und dort. Drei Frauen, die durch Dunkelheiten des Ungewissen wandern müssen, nach Halt suchen und in Existenz, Welt und Umwelt ihren Weg gehen in Krankheit, Verzweiflung und Hoffnung…
Gabriele Vasak, eine der vielseitigsten wie spannendsten Schriftstellerinnen im deutschsprachigen Raum, spannt in ihrem neuen Roman einen ganz großen existentiellen wie gesellschaftskritischen und metaphysischen Bogen des Leidens, der Krankheit und des damit verbundenen Weges in allen Herausforderungen, Rat- und Hoffnungslosigkeiten und Horizonten- wie Perspektivensuche.
Die in Wien lebende Autorin und langjährige Medizinjournalistin beeindruckt in diesem sehr eindringlichen wie mitreißenden Roman in selbstbewusster Formsprache, die mit sehr anschaulicher, bildmächtiger Schilderung der Leidenserfahrung verbunden, ein storyboard bietet, das drei Frauenwege in je individuellen Kontexten öffnet und ganz außergewöhnlich verdichtet. Das erzählerische Konzept filmschnittartiger collagengleicher Situativität, die wunderbar gesetzt in Reflexionen übergeht und zwischen Leid, Sinn und Wille ganz fein wie dramatisch oszilliert, ist eine der ganz großen Stärken dieses Romans, der schon im Titel „Ich bin die ich bin“ (Gottesoffenbarung in jüdisch-, christlicher Tradition) auf das Erschüttern, Zusammenfallen von Halt und Orientierung im Zustand des Leidens und den Kampf ins Leben zurück im Ausgesetztsein der täglichen individuellen Erschütterung und Selbstbehauptung.
„Ein erschütternder Existenz- und Gesellschaftsroman, der in selbstbewusster Erzählvirtuosität wie Dramatik einzigartig ist!“
ICH BIN DIE ICH BIN (Roman) 2022. Gabriele Vasak, Wien. Bestellbar unter info@gabriele-vasak.at
Ingeborg Bachmann, Rom, auf der Terrasse ihrer Wohnung in der Bocca di Leone, um 1971
Im Interview _ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D
Liebe Sabine, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Natürlich ihre Gedichte, zuallererst und immer wieder zu ganz anderen Zeiten. Schule, Literaturkurs, Schauspielschule, Universität. Immer mal wieder ploppten auch ihre Lebensgefährten/Freunde im Zusammenhang mit ihr auf: Paul Celan, Max Frisch, Hans Werner Henze, und überhaupt viele Geschichten um sie herum.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Da steckt für mich Philosophie, ein tiefes Nachdenken über die Welt, manchmal über sich, über Religion, die Gesellschaft und Macht, Krieg, Verbrechen und Schuld drin. Eine Menge also.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
GEDICHTE: Hinter der Wand, Paris, Die gestundete Zeit, Früher Mittag, Im Gewitter der Rosen, Anrufung des Großen Bären, Nebelland, Harlem, Reklame, Exil, Böhmen liegt am Meer, Keine Delikatessen
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
„Und die Krankheit, die Folter darin und die Krankheit der Welt und die Krankheit dieser Person, ist die Krankheit unserer Zeit für mich“, sagt Ingeborg Bachmann über ihren Roman Malina. Wenn man bedenkt, dass ihr Schreiben sich intensiv mit der Zeit der Nationalsozialisten in ihrer Heimat beschäftigte, ist mit der Krankheit der (patriarchalen) Welt sicher auch der Militarismus gemeint, die Macht, die sich in Kriegen, Zerstörung auch in der Mann-Frau (Mensch-Mensch)-Beziehung zeigt. Es droht aus heutiger Sicht, eine Rückwärtsbewegung.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Hier kann ich nur für mich persönlich sprechen, die ohne das Schreiben das größere Martyrium sieht. Eine Art von Regulation und Erhebung in andere Gefilde (um einmal dieses poetische Wort zu gebrauchen) bedeutet mir das Schreiben. Doch keinesfalls ist mein Schreiben so intensiv in Dauer und Umfang wie das ihre. Ihre Wahrnehmung steht für sich.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Singst du gern, Ingeborg? Die Melodie in deinen Vorträgen, in deinen Gedichten und deiner Sprache, das Schreiben von Libretti, das ist eigenwillige Musik. So würde mich deine Singstimme interessieren.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich freue mich auf den privaten Druck von: STADTPOETINNEN VICE VERSA SCHWABACH WIEN. 2022 und 2023,entstanden zusammen mit der Wiener Poetin Brigitta Hoepler. Wir besuchten uns gegenseitig, lasen jeweils die Stadt der anderen auf poetische Weise und machten gemeinsame Schreibübungen im öffentlichen Raum. Wir taten das absichtslos und offen. Es wirkt noch lange nach. Für 2026 werde ich an dem Kunstwandler-Projekt teilnehmen, das später im Jahr (Kulturlokal Fürth) präsentiert wird. Hierfür werden Künstler aus verschiedenen Sparten in Teams gelost, die dann kreativ aufeinander reagieren: https://www.projekt-kunstwandler.de/
Herzlichen Dank für das Interview!
Sabine Burkhardt, Schriftstellerin
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _ Romanschauplatz Wien 11/24 _ Walter Pobaschnig _ folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Wort & Bild
Malina _ Akrostichon
Text _ Sabine Burkhardt, Schriftstellerin _ Schwabach/D
Performance_ Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien.
MALINA
Männer
Aber
Lieben
Immer
Nicht
Alles
Sabine Burkhardt,4.1.2026
Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _ Romanschauplatz Wien 11/24 _ Walter Pobaschnig
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone, Rom um 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_
Im Interview _ Susanne Rasser, Schriftstellerin, Fotografin
Liebe Susanne, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Bachmann’s Texte habe ich verschlungen. Die lyrischen Arbeiten genauso wie die Romane. Räume haben sich dadurch erschlossen. Welten galt es zu entdecken. Welten, mit einer sehr eigenständigen, fraulichen, selbst-bewussten Sichtweise / Stimme. Mich hat ja auch die Stimme der Bachmann berührt. Und ihr Privatleben fand ich ebenso interessant. Vielleicht auch, weil ich den Geburtstag mit ihr teile.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Diese Eigenständigkeit. Der klare Blick. Diese Grundhaltung des Bei-sich-Seins. In ihren Gedichten fand Bachmann zu einem „Klang“, den ich so nie wieder „hörte“. Eindringlich. Bestimmt. Musikalisch. Und in den Bildern sehr einfach. Im Sinne von edel.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Nach dieser Sintflut möchte ich die Taube, und nichts als die Taube, noch einmal gerettet sehn.
Ich ginge ja unter in diesem Meer! flög’ sie nicht aus, brächte sie nicht in letzter Stunde das Blatt.
(Anm: „Nach dieser Sintflut“ Ingeborg Bachmann, 1957)
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Das Angehen gegen das Patriachat ist mir in Bachmann’s Werken nicht so sehr ins Auge gesprungen. Vielleicht, weil ich danach nicht Ausschau gehalten habe.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Dass manche Künstler und die Literaten um ihre Kunst und Literatur immer so ein Theater machen müssen.
Ob das Schreiben ein Martyrium ist? Also, für mich nicht. Schreiben hat für mich etwas mit Befreiung, mit dem Aufzeigen und manchmal auch mit dem Aufbegehren zu tun. Und mit dem Einstehen für sich und andere.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Danke.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ein neues Theaterstück. Und ein etwas älteres Theaterstück noch einmal neu bearbeiten.
Herzlichen Dank für das Interview!
Herzlichen Dank!
Susanne Rasser, Schriftstellerin, Fotografin
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Text _ Eva Reichl, Schriftstellerin _ Ried/Riedmark/OÖ
Performance_ Lola Lindenbaum, Künstlerin_ Wien.
Ingeborg
Ich spreche, also verletze ich
Nichts ist unschuldig, nicht einmal Liebe
Gewalt trägt bei uns zivile Kleidung
Erst im Schweigen erkennt man den Schaden
Beziehungen sind Schlachtfelder ohne Waffen
Ordnung heißt oft: Unterwerfung
Räume werden klein, wo das Schweigen regiert
Gehen bleibt der einzige Ausweg
Eva Reichl, 4.1.2026
Lola Lindenbaum, Künstlerin _ performing _ Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _ Walter Pobaschnig 8/19, folgende
Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen ihrer Texte. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin. Mit Wien bleibt die später in Rom lebende Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.
Im Interview _ Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ
Liebe Ines, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mit unbezwingbarer Neugierde habe ich mich nach der Matura der sogenannten literarischen Moderne zugewandt, nachdem unser Literaturunterricht erst in der 8. Klasse Gymnasium mit neuem Professor über die Klassik hinausging. Über Bachmann, Bernhard, Aichinger, Celan ….. konnten wir in der verbleibenden Zeit viel zu wenig erfahren. Bachmanns Roman „MALINA“ wurde sozusagen damals zu meinem Lebensroman. Mein hochgeschätzter Philosophie- und Psychologieprofessor hatte über mich festgestellt, ich würde fühlen wie ein weibliches Wesen, das ich ja auch sei, aber sehr oft denken wie ein Mann….
Im Roman MALINA fühlte ich mich erst einmal unter diesem Aspekt wahrgenommen. Die Identitätsfrage, die Position und innere Zerrissenheit der Ich-Erzählerin, ihr Ringen mit der Gewalt der Geschlechterverhältnisse in einer patriarchalischen Gesellschaft bewegten mich zutiefst. Eins kam zum anderen, in Bachmanns Lyrik, ihre Erzählungen, Hörspiele, Essays, in den Bachmannschen Kosmos tauchte ich ein ….. Und ich blieb.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Bachmanns präzise und penible Auseinandersetzung mit Sprache, die jedes Wort bis in seinen tiefsten Grund auszuleuchten schien, hat mich von Anfang an gefesselt, zumal mir Wittgenstein ebenfalls seit jeher nahe ist. Literaturkritiker Werner Weber, der die Laudatio zur Verleihung des BüchnerPreises an Ingeborg Bachmann 1964 hielt, nahm, wie ich viel, viel später las und mich erinnere, Bezug auf Wittgensteins wohl bekanntesten Satz aus dem Tractatus „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ und folgerte, dass Bachmanns Sprache aus der unmittelbaren Nähe zum Schweigen auflebe. Die Existenz eines Wortes in ihrer Dichtung und Literatur hatte, meiner Meinung nach, nur dann ihre Berechtigung, wenn es die höchste Deckungskraft mit der Aussage eines Textes erreicht hatte. Begleitend zur Erzählung „Ein Wildermuth“ im Band „Das dreißigste Jahr, 1961, greift Ingeborg Bachmann inhaltlich den Begriff „Gaunersprache“ auf und damit die große Schwierigkeit der Wahrheitsfindung im Gebrauch von Sprache. In der Erzählung „Alles“ kommt Bachmann über die Feststellung „Alles ist Denken“ zum Schluss „Alles ist Sprache“.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
MALINA ist nach wie vor jener Roman, der mich vom ersten Lesen an begleitet. Der Textzyklus „Todesarten“ ebenso wie ihre Lyrik, die beiden Gedichtbände „Die gestundete Zeit“, „Anrufung des Großen Bären“ („Ihr Worte“, „Reklame“) und die Gedichte aus dem Nachlass. Und nicht zu vergessen die „Frankfurter Vorlesungen“ und Essays, Reden, Kleinere Schriften „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, beide im Piper Verlag erschienen. …. To be continued ….
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Bachmanns Literatur, ihre gesellschaftlichen Analysen und Beobachtungen haben nichts an Aktualität verloren, ich habe – ganz im Gegenteil – den Eindruck dass sich Vieles daraus mehr als bedenklich zuspitzt. Es empfiehlt sich dringend, ihre Texte im Kontext gegenwärtiger Ereignisse aufmerksam und äußerst wachsam zu lesen! Und daraus die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Insofern möchte ich die Frage, ob Literatur die Gesellschaft verändern kann, bejahen! Mit Bedacht. Nicht radikal …
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in einer Vorlesung. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Verallgemeinern kann man, so glaube ich, die Motivation zum künstlerischen Tun und zu seinem Entstehungsprozess nicht. Sehr oft ist es eine Leidenserfahrung, die nach der Bewältigung durch Schreiben oder andere künstlerische Ausdrucksweisen lechzt.
Mich bewegt beispielsweise ein Wort, das mich plötzlich anspringt, ein Satz, ein Text, ein Bild, Klang, ein Lichteinfall zum Schreiben, eine besondere Beobachtung, Begegnung mit Menschen, Tieren, mit der Natur, mit meinem Umfeld. Die Frage WARUM … . Die Frage „WAS IST WIRKLICHKEIT“ … Diese Fragen ziehen sich auf vielfache Weise durch mein Leben und Schreiben und lassen sich letztendlich nicht beantworten. Experimente und Erkenntnisse der Quantenphysik, die ich begeistert und laienhaft in mich aufsauge, empfinde ich dafür als ungemein spannend und hilfreich! Persönliches, das mich beschäftigt, belastet, auch beglückt, findet Eingang in mein Schreiben. Leben und Schreiben, Sprache und Sein, ineinander verquickt.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Gesagt hätte ich Ingeborg Bachmann gern, dass ihr Werk für mich lebensbegleitend ist. Meine Frage an sie beträfe ihr innerstes Lebensgefühl, ausgedrückt, reflektiert im Gespräch ….
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich bin eine sehr langsame Schreiberin, daher hätte mein Vater niemals befürchten müssen (was er aber leider tat), dass ich vom Schreiben leben wollte. Auch gibt es stets mehrere Vorhaben gleichzeitig.
Derzeit ist ein Lyrikband mit dem Arbeitstitel „Innenprotokolle“ in Arbeit.Ein Band mit Kurzprosa „Bilderrisse“ wurde begonnen.Beides muss warten.Denn ich habe nach etlichen Versuchen wiederum ernsthaft, mit entschiedenerem Nachdruck diesmal und innerer Dringlichkeit meinen Dialog mit dem dritten Band der Prager Trilogie „CITTÀ DOLENTE“ – „THETA“ – der Prager Schriftstellerin, Literaturtheoretikerin und Wissenschafterin DANIELA HODROVÁ wieder aufgenommen. (Amann Verlag 1998, deutsche Übersetzung: 1. Band: Das Wolschaner Reich: 2. Band „Im Reich der Lüfte; 3. Band THETA) Die Autorin ist leider 2024 im Alter von 78 Jahren gestorben und wird schmerzlichst vermisst. Näheres, vor allem auch ein früherer Text von mir für eine Publikation zu diesem Roman, ist auf meiner Profilseite zu finden bzw. nachzulesen. (u.a. vom 28. Dezember 2025). Die literarische Form des Dialogs ist mir noch nicht ganz klar. Es geht um das Wiederlesen, um eine sorgfältige Analyse und einen ersten Entwurf.
Ingala Fortagne _ acting Malina _ Romanschauplatz Wien 4_23 _ Walter Pobaschnig _ folgende
MALINA
Mord ohne Messer, ausgeführt mit Worten
Angst, die sich tarnt als Liebe
Leben im falschen Satz
Ich zerfalle, während ich spreche
Niemand hört den Schrei im System
Auslöschung als Ordnung der Welt
Eva Reichl, 4.1.2026
Ingala Fortagne _ acting Malina _ Romanschauplatz Wien 4_23 _ Walter Pobaschnig
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Im Interview _ Eva Reichl _ Schriftstellerin _ Ried/Riedmark
Liebe Eva, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ingeborg Bachmann hat zwar keine Krimis geschrieben, dennoch hat sie sich intensiv mit Themen, die auch in einem Krimi zentral sind, beschäftigt. Dazu gehören „Gewalt in Beziehungen“, „Machtmissbrauch“, „Schuld und Täterschaft“ sowie „Strukturelle Gewalt“ (vor allem von Männern gegen Frauen) und das „Verbrechen im Alltag nicht als Ausnahme, sondern als System“. Das sind alles Elemente, die in meinen Krimis eine besondere Bedeutung haben, da bekannterweise die Täter meist aus dem direkten Umfeld der Opfer stammen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Diese Frage kann ich nur im Zusammenhang mit meinem Schaffen – dem Krimischreiben – beantworten. Indirekt hat Ingeborg Bachmann starken Einfluss auf psychologische und feministische Krimis, da diese sich durch die oben bereits erwähnten Themen auszeichnen und meines Erachtens in der realen Welt die häufigsten Verbrechen sind. Das Böse ist nicht der „Fremde“, sondern der Vertraute – dieser Grundgedanke widerspiegelt sich auch in so manchen ihrer Werke.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Gerade im Erzählband „Das dreißigste Jahr“ und im Roman „Malina“ wird Gewalt nicht kriminalistisch aufgeklärt, sondern seziert – psychisch, sprachlich, gesellschaftlich.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ich sehe Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik heute erschreckend aktuell – vielleicht sogar klarer lesbar als zu ihrer Zeit. Sie beschreibt keine „Einzeltäter“, sondern ein System, in dem Gewalt normalisiert ist. Ihre Kritik ist unbequem zeitlos. Und wenn wir denken, dass wir die patriarchischen Strukturen hier bei uns überwunden hätten, schauen wir nicht genau genug hin.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Nein, das würde ich nicht sagen. Es kommt darauf an, was und wie man schreibt. Wie man recherchiert und wie weit man die Menschen, die einem in dem Schreibprozess begegnen und die einen auch manchmal ein Stück begleiten, an sich ran lässt. Ohne diese Menschen würde keines meiner Bücher existieren. Würde farblos sein. Nicht lesenswert. Weil das Leben, das zwischen zwei Buchdeckel steckt, von ihnen eingehaucht wird. Es sind die Erfahrungen und meine Erlebnisse mit anderen, die zu Geschichten werden. Das ist für mich nicht seltsam und auch nicht absonderlich. Es ist für mich einfach nur schön.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Mich würde interessieren, was sie zur „jetzigen Gesellschaft“ sagen würde. Wie sie die Entwicklung, aber vor allem, wie sie den Wendepunkt, den wir aus meiner Sicht längst passiert haben, beschreiben würde. In ihrer tiefgründigen Art.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich bleibe dem Krimi treu! Im März 2026 erscheint der 2. Teil meiner Krimiserie mit Chefinspektorin Lotta Meinich und ihrem Vater Gustav „Zwei Leichen zum Prosecco“ und im Oktober 2026 der 9. Band mit Chefinspektor Oskar Stern „Mühlviertler Feuer“.
Herzlichen Dank für das Interview!
Eva Reichl _ Schriftstellerin
Aktueller Krimi von Eva Reichl: Mühlviertler Todesstoß. Kriminalroman. Gmeiner Verlag.
Im Interview _ Wolfgang Hermann, Schriftsteller _ Wien
Lieber Wolfgang, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe Ingeborg Bachmanns Bücher früh gelesen, ihre Gedichte haben mich lange begleitet, auch ihre Erzählungen wie „Undine geht“, „Drei Wege zum See“, und natürlich „Malina“. Ich las den Roman in meinem ersten Wiener Winter, und die damals schwarze Stadt mit den uralten Leuten verband sich mit diesem so traurigen, dunklen Buch zu einem dunklen Etwas, in dem ich lebte. In Bachmanns „Besichtigung einer alten Stadt“ las ich den Satz: „Wien, eine Stadt, aus der kein Gleis hinausführt“. Das traf damals mein Lebensgefühl.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Daß man als Leser ihrer Werke sich in einem geschlossenen Kosmos wiederfindet, einer Welt, die man schlafwandlerisch durchwandert, von der man weiß, daß es keinen Ausgang aus ihr gibt.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Einem Gedicht wie „Enigma“ kann man sich nicht entziehen. „Nichts mehr wird kommen/ Frühling wird nicht mehr werden…“, das ist wie ein Sog, dagegen gibt es kein Argument. So zwingend fand ich fast alles von ihr, auch den schönen kleinen Text „Was ich in Rom sah und hörte“, und natürlich Erzählungen wie „Drei Wege zum See“.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ingeborg Bachmann hat vor allem in den Nachkriegsjahren das gönnerhafte Gebaren von Lokalzampanos wie Hans Weigel erfahren, sie hat, denke ich, viele negativen Erfahrungen mit Männern gemacht. Ihr Satz „Wissen Sie nicht, daß die Männer krank sind?“ aus einem Interview ist mir lange nachgegangen. Das war ihre Welterfahrung, ihre eigene Wahrheit, die in allen ihren Texten durchschimmert. Ich war stets betroffen und berührt, wenn ich sie las, ein Urteil maße ich mir nicht an.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Sind wirklich alle Männer krank?
(Anm: „die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971)
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Im Herbst erscheint „Herr Faustini und die Verdunkelung der Sinne“. Im Frühling 2027 dann der Gedichtband „Die schwarzen Städte“.
Herzlichen Dank für das Interview!
Wolfgang Hermann, Schriftsteller _ Wien _ Foto: Romanschauplatz „Malina“ _ Wien
Aktueller Roman von Wolfgang Hermann: „Herr Faustini und die Glatze der Welt“ Milena Verlag.
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Foto: Wolfgang Hermann: Walter Pobaschnig 10/25 _ Romanschauplatz Malina/Wien.