„Gerade, weil er ein wenig aus der Zeit gefallen ist, besitzt er Charme“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Franzobel, Schriftsteller _ Wien 6.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview: Franzobel, Schriftsteller _ Wien.

Bachmannpreisträger 1995

Lieber Stefan, Du hast 1995 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

In meinem Heimatort gibt es einen Friseur, der Bachmann heißt. Nachdem ich den Preis gewonnen habe, sagte ein Nachbar zu meinen Eltern: „Ich wusste gar nicht, dass Ihr Sohn Friseur lernt.“

In Klagenfurt selbst war ich furchtbar nervös. Ich hatte bis dahin vielleicht zwanzig öffentliche Lesungen, plötzlich vor laufender Kamera zu sitzen, war schon sehr aufregend. Deshalb musste ich bei der Lesung auch Bier trinken, was vor mir wohl noch nie jemand gemacht hat. 

Franzobel, Prater/Wien,
Walter Pobaschnig, folgende

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Man kann Kritikern beim Kritisieren zusehen. Die Jury-Diskussionen sind oft spannender als die Texte. Wie über Literatur gesprochen und gedacht wird, erlebt man sonst nirgendwo im Fernsehen. Das ist alles sehr emotional und nervenaufreibend, gleichzeitig, und das ist ein interessanter Kontrast, herrscht in Klagenfurt eine sommerlich entspannte Betriebsausflugsstimmung.  

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Ich war wegen der Lesung extrem aufgeregt, die Meinung der Kritiker war mir relativ egal. Das mag jetzt hochtrabend klingen, war aber tatsächlich so, weil es mir nur um den Vortrag gegangen ist. Was gesagt worden ist, weiß ich nicht mehr, nur, dass ich drei Zigaretten geraucht habe, was damals noch erlaubt war. Dass eine Jurorin dann sogar eine Zugabe hören wollte, die ich tatsächlich auch gelesen habe, war vermutlich einmalig. 

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Das ist schwer zu beantworten. Es sind plötzlich viele Türen aufgegangen – Theater, Suhrkamp-Verlag, Einladungen, etc. Mein Schreiben ist vermutlich marktgängiger geworden, weil bis zum Preis war ich nur in der kleinen Nische der experimentellen Literatur, danach plötzlich im Literaturmarkt. Vielleicht hätte es mich ohne diesen Preis so nicht gegeben, vielleicht aber auch anders und besser.

Nach dem Preis bin ich mit damals 200.000,- Schilling nach Hause gefahren und habe gedacht, super, jetzt ist mein Auskommen für die nächsten zwei Jahre gesichert. In meiner Wiener Wohnung bin ich dann drei Wochen lang vom Telefon nicht weggekommen, weil es ununterbrochen geläutet hat. Der Briefkasten war täglich voll. Schulkollegen, alte Freunde, entfernte Verwandte, alle haben sich gemeldet. Sogar auf der Straße wurde ich erkannt. Damals dachte ich, es wäre schön, wenn ich auch in fünf Jahren noch von der Literatur leben könnte. Mittlerweile sind es 31 geworden.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Meinetwegen kann er so bleiben, wie er ist. Gerade, weil er ein wenig aus der Zeit gefallen ist, besitzt er Charme. Jede Änderung Richtung trendiger Medientauglichkeit wäre fatal.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in  Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dem Bachmannpreis wünsche ich weitere 50 Jahre, den Teilnehmern und der Jury Humor und gute Gedanken.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Franzobel, Schriftsteller

Franzobel – aktueller Roman:

Hundert Wörter für Schnee. Roman. Franzobel. Zsolnay Verlag. | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Fotos: Franzobel _ Prater/Wien _ Walter Pobaschnig 5/22

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio_ Eis/Lendkanal _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 5.6.2026

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„Canto dell’ infinito II“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Marlen Schachinger, Schriftstellerin _ Wien 6.6.2026

Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
_
Walter Pobaschnig 5/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien _ erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946

MALINA UNDINE GEHT INGEBORG _ Akrosticha

Text & Performance _ Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende
Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende

Auf dem Grund ist Dunkelheit genug[1]

Canto dell’ infinito II[2]


Memoria | Ossario

austro-ungarico

Lichtblick | Cimitero degli

Inglesi

Nuovo

alternative

Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende
Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende


Unschwarz

Naturruhestätte

Dove

||: Infinitum :||[fine?]

Neuwirth

Espera | Bestattung

Grabkult | Cimitero

Evangelico agli Allori | Bestattung

Himmel | Himmelblau

Trauerhilfe

Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende
Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende

||: Infinitum :|| [fine!]

Necropoli

Grafenstein

Edelmann

Baba | Bestattung

Orchidee

Redlich | Cimitero

Germanico della Seconda Guerra Mondiale [da capo al fine]

Marlen Schachinger, 8.5.26


[1] «Auf dem Grund ist Dunkelheit genug und Unsagbares, und Schreiben ist neben andrem ein stetes Zurückdrängen von Dunkelheit.« Ingeborg Bachmann: Senza casa

[2] Mit Verweis auf Giacomo Leopardis »Canto dell’ infinito«, ein Gedicht, in dem besungen wird, dass Unendlichkeit einzig mittels unserer Vorstellungskraft entsteht.

Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende
Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
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Walter Pobaschnig 5/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien _ erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946

MALINA UNDINE GEHT INGEBORG _ Akrosticha

Text & Performance _ Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom

Performance am Originalschauplatz _ erster Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien.

Ingeborg Bachmann kam hier im Herbst 1946 bei Verwandten an und zog dann nach wenigen Wochen in den dritten Wiener Gemeindebezirk, wo sie bis 1953 blieb. Wien war für die in Rom verstorbene Schriftstellerin ein ganz wesentlicher Entwicklungs-, Erfahrungs-, und Sehnsuchtsort, der sich in zahlreichen literarischen Bezügen und deren Topographien abbildet – „wenn ich schreibe, bin ich in Wien“.

Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien

Aktueller Roman von Marlen Schachinger: „Landschaften in Schalen“ Marlen Schachinger-Pusiol, Roman, Edition Arthof 2025.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien _ performing _
erster Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien_1946
_
Walter Pobaschnig 5/26.

Walter Pobaschnig, 7.5.26

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„Dass ich Ingeborg Bachmann nicht lesen kann“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien 6.6.2026

Ingeborg Bachmann _ Marlen Schachinger-Pusiol

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Marlen, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Als junge Frau besuchte ich ein Seminar zur Musikalität in Bachmanns literarischen Arbeiten an der Universität Wien … für mich eine sehr besondere Erfahrung, die mich seither begleitet und die sich in nachfolgenden Beobachtungen zur Tonalität eines Sprachkunstwerks erweiterte: Nichts ist unwichtig, kein Wort, kein gesetzter Beistrich..

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Dass ich Ingeborg Bachmann nicht lesen kann! Ich beginne eine Erzählung, einen Roman und nach einigen umgewandten Seiten, da setzen in mir Sätze ein, wachsen als Echo auf die Töne, die sie anschlägt. Ihr Klangraum ruft einen weiteren hervor.

Für mich persönlich hat Bachmann-Lesen daher stets mit Schreiben zu tun. Kaum ein anderer Literat, eine andere Literatin setzt dies bei mir so unmittelbar in Gang wie sie. Außer vielleicht Thomas Bernhard. Insbesondere Bachmanns Romane haben diese Wirkung.

Das Besondere in Bachmanns Prosa zu erfassen, das ist dabei gar nicht so leicht. Den Mut zu schreiben, was sie sagen will, nicht auszuweichen, sich mit jedem Satz an das Zentrum heranzutasten, den haben und hatten andere auch. Hingegen ihr Einsatz der Wiederholung als Stilmittel, er differiert meines Erachtens, er ist ganz eigen, als eine sich nicht nur aufbauende, sondern regelrecht aufschaukelnde Erzählstimme, die zwar den Inhalt nicht oder kaum vorantreibt, das Erzählen selbst aber einzigartig rhythmisiert. So entsteht in den Romanen eine hastende Sprache, die das Erzählen fluten lässt, ruhelose Wellen. Den Erzählungen – vor allem den frühen – fehlt dies noch, auch die Dringlichkeit, die sich darin und dadurch aufbaut.

Darüberhinaus schätze ich Bachmanns Humor – ja, den gibt es! Ein trockener, oftmals schwarzer (»Ende der Sätze über Geduld und Ungeduld. Eine sehr kleine Satzgruppe.«, Malina).

Manchmal gefällt er sich im Kleid der schneidenden Zunge, pointiert, was ich besonders schätze (»[…] beschäftigen darf er sich mit […] der Rechtfertigung der Spielregel, die sich Denken nennt.«, Alles). 

Und wie sich das auswirkt, was das Besondere meines Schreibens ist, nun, das kann man lesend gerne im eigenen Ohr erleben.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

»Der Faschismus ist das erste in der Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau.« Dieser Satz Ingeborg Bachmanns hat meines Erachtens noch immer Gültigkeit. Oder vielleicht sogar gegenwärtig wieder mehr als noch vor 25 Jahren. Es liegt eben ein weiter Weg vor uns, und ich würde hinzufügen, dass es nicht ausschließlich um Mann/Frau geht, das war schon immer zu eng gedacht, selbst vor einhundert Jahren. Es geht vielmehr um die Zerstörung, die in jedem Sich-Ermächtigen über einen anderen Menschen oder über ein anderes Lebewesen verübt wird. Und dazu zähle ich durchaus auch Tiere und Pflanzen.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Unheilbar krank sind wir alle, denn die Krankheit des einen – das Sich-Erheben über andere, z. B. –, es bringt die Krankheit der anderen mit sich.

Lieben nach Bachmann gestaltet sich ebenso hoffend und wirr, unbeständig und besorgt wie zu ihrer Zeit. Wir laufen bloß hoffentlich nicht gleich und machen dem im Lehnstuhl der Sich-Ermächtigt Kaffee, wenn er danach schreit – wie in Malina. Ergreifen mittlerweile stattdessen das Wort, schreiten auch zur Tat, die ein Einstehen für uns selbst bedeutet, statt in einem Riss in der Wand zu verschwinden. Und dies ›Wir‹ ist bitte-schön nicht ausschließlich weiblich zu lesen. Das Denken in solchen Kategorien sollten wir ein für alle Mal mit dem Patriarchat abschaffen. Und den Kapitalismus, der damit Hand in Hand geht, der dürfte gleich mit, auf die Sondermülldeponie. Was kein Wort einem anderen bekannten -ismus redet. Wir brauchen neue Systeme, solche die ein menschliches Menschsein gestatten. Mit den altbekannten fuhren wir schließlich nicht besonders gut.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Nein, ich persönlich empfinde das Schreiben, die Kunst keineswegs so. Im Gegenteil. Ich würde vielmehr sagen, der Schrecken, das Grauen, das Unerträgliche begegnet uns in der Welt, in den Menschen um uns. Schreiben ist für mich eine Form, mit diesem Unerträglichen zu leben. Ist mir Rettungsanker in all dem Wahnsinn, der uns umgibt, in dem Elend, das wir einander zufügen.

Es ist aber auch – und das sollten wir nie aus dem Blick verlieren – eine Form, was um uns ist, zu beleuchten, was hell und gut ist, die Schönheit der Natur, ihre Überlebenskraft zum Beispiel, den Humor, zu dem wir Menschen fähig sind, die Musik in der Sprache, ihr Bildreichtum …

Doch in einem stimme ich Ingeborg Bachmann durchaus zu: Schreibend zu leben, das ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren … einsam. Nur ›asozial‹, dieses Wort, das sollten wir ob seiner Historie diesbezüglich nicht mehr gebrauchen. Und ja, ich glaube, dass Menschen, die des Schreibens nicht bedürfen, um zu leben, glücklichere Wesen in ihrem anderen Weltempfinden sind. Ob wir Schreibenden deswegen gleich verflucht sind, na, das wage ich zu bezweifeln. Wer will schon innerlich dumpf dahinvegetieren, wenn er oder sie die Weite des Erlebens haben kann?

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Nichts. Aber ich hätte um etwas mehr Zeit gebeten, auch damit ich »Requiem für Fanny Goldmann« nicht als Entwurf eines Romans, sondern in seiner Vollkommenheit kennenlernen dürfte.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite seit längerem an »Und behüte mich vor deinen Erinnerungen. Oder: Poetisier euch, verdammt!«, ein Roman, den ich nur kapitelweise schreiben kann, und manchmal frage ich mich, wie viele andere Arbeiten ich noch dazwischen fertigstellen werde, bis auch diese endlich – in meinen Augen – ihr letztes Wort gefunden hat.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Gerne, ich beginne mit:

»Die Personen: Ivan: geboren 1935 in ‚Ungarn, Pécs (vormals Fünfkirchen) […]«,

und ich ende frühzeitig mit:

»[…] Bist du fertig?

Ich nicke, denn ich bin fertig.

Warum sitzt du dann hier herum, anstatt uns endlich einen Kaffee zu machen?«

… denn heute, so hoffe ich, könnte sich ein anderes Ende erzählen!

Herzlichen Dank für das Interview!

Marlen Schachinger-Pusiol, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Marlen Schachinger-Pusiol:

„Demokratie, so fehleranfällig dieses System per se sein mag, ist dennoch die denkbar fairste und fähigste Herrschaftsform, wenigstens in der Theorie. Wie rasch aber persönliches Machtstreben umfassende Korruption mit sich bringt und wohin diese führen kann, wackelt die 4. Säule im Staat, davon handelt dieser Roman.“ (Pressetext/Verlag)

Hardcover, in Leinen gebunden mit Schutzumschlag, Fadenheftung, Lesebändchen, Prägedruck am Leinencover

ca. 372 Seiten

ISBN 978-3-9505256-5-6
ISNI 0000 0001 0990 5728

32,00 € Marlen Schachinger-Pusiol: Landschaften in Schalen – Shop | Edition Arthof

Website/Autorin: Marlen Schachinger – marlenschachingers Webseite!

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Marlen Schachinger _ Station bei Bachmann _ erster Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien (1946) _ Walter Pobaschnig 5/26

Walter Pobaschnig, 7.5.26

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„Wie im Rausch“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Dana Grigorcea, Schriftstellerin _ Zürich 5.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Dana Grigorcea (links) _ 3sat Preis _ Tage der deutschsprachigen Literatur 2015

im Interview: Dana Grigorcea, Schriftstellerin _ Zürich

Bachmannpreisnominierte 2015

Gewinnerin des 3sat Preises

Liebe Dana, Du hast 2015 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Der Raum, kleiner als ich ihn mir vorgestellt hatte, eine Mini-Arena, rappelvoll, und alle blättern gleichzeitig um.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Bereitschaft aller Anwesenden, sich auf neue Textsorten einzulassen, und die geselligen Literaturrunden auf Terrassen, Treppen, in Cafés und am Wörthersee.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Wie im Rausch. Es war intensiv, aber auch viel zu schnell vorbei. Zum Glück sind mir die Freundschaften geblieben.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Es braucht nicht-thematische und unbedingt auch stilistisch experimentellere Texte, Überraschendes, und eine anhaltende Begeisterung für die Literaturkritik.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich wünsche allen, dass sie sich zum Genuss ertüchtigen!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Dana Grigorcea, Schriftstellerin

Zur Person: Dana Grigorcea

Aktueller Roman von Dana Grigorcea:

Tanzende Frau, blauer Hahn. Dana Grigorcea. Roman. Penguin Verlag. | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Dana Grigorcea _ Gabi Hirit

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio_ Empfang der Stadt Klagenfurt/Schloss Loretto _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 4.6.2026

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„für mich ist es heuer das letzte Mal“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Klaus Kastberger, Vorsitzender der Bachmannpreisjury _ Graz 5.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Bachmannpreisjury _ 2025 _ Vorsitzender Klaus Kastberger (Mitte)

Im Interview _ Klaus Kastberger, Graz (A), Vorsitzender der Bachmannpreisjury

Seit 2015 Bachmannpreisjuror, seit 2024 Juryvorsitzender

Professor für neuere deutschsprachige Literatur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz und Leiter des Literaturhauses Graz.

Österreichischer Staatspreispreisträger für Literaturkritik 2023

Bachmannpreisjury 2015, ganz links Klaus Kastberger
Bachmannpreisjury 2025, Vorsitzender Klaus Kastberger (Mitte)

Lieber Klaus, die Spannung steigt, in weniger als drei Wochen beginnt der Bachmannpreis. Wie gehst Du persönlich auf das große Jubiläum in Klagenfurt zu und was erwartet das Publikum seitens der Jury zum runden Geburtstag?

Das Publikum erwarten diesmal ganz besonders interessante Texte, zumindest lassen das die Namen der Teilnehmer:innen vermuten. Die Jury ist gleichgeblieben. Und zumindest für mich ist es heuer das letzte Mal, dass ich Teil dieser Jury bin. Ich habe aber gar keine sentimentalen Gefühle. Ganz im Gegenteil freue ich mich heuer extra auf dieses letzte Mal. Jubiläen sind ja auch immer ganz besondere Zonen. Und viele meinen: Heuer könnte auch was ganz Besonderes passieren!

Du bist seit 2015 Juror und seit 2024 Vorsitzender der Bachmannpreisjury und damit das längstdienende Jurymitglied. Was waren und sind für Dich die schönsten und schwierigsten Erfahrungen, Erlebnisse auf diesem Weg?

Am schwierigsten war die Pandemie. Und es ist ausschließlich der damaligen Jury zu verdanken, dass es auch in dieser Situation mit dem Bachmannpreis weitergegangen ist. Hätten wir das damals nicht durchgesetzt, gäbe es diese Veranstaltung und auch das heurige Jubiläum gar nicht mehr.

Bachmannpreis online _ 2020
Moderator Christian Ankowitsch im ORF Studio _ 2020

„Es war Mord“ ist der letzte Satz und „Glücklich mit Ivan“ der Beginn in „Malina“. Wann ist eine Jurykritik geglückt und wann „Mord“?

Ich habe in den letzten elf Jahren in Klagenfurt keinen einzigen Mord erlebt. Von einem Klagenfurter Tribunal sprechen auch nur Menschen, die seit Jahrzehnten nicht mehr dabei waren und nicht wissen, was da eigentlich passiert. Peter Handke hat solche Menschen einmal die „Fernfuchtler“ genannt. Insgesamt habe ich während den Veranstaltungen auch viel mehr glückliche als unglückliche Menschen erlebt.

Was hat Literatur was der Fußball nicht hat?

Oft finden parallel zum Bachmannpreis große Fußballereignisse statt, was mit dem Termin zu tun hat. Das ergänzt sich im Normalfall perfekt. Die Österreicher gewinnen aber eher in der Literatur als beim Kicken. Mit der nationalen Euphorie aber ist es oft genau umgekehrt. Ich selbst glaube ja ganz fest an die Überlegenheit der österreichischen Literatur. 

Was wünscht sich der Juryvorsitzende zum Bachmannpreisgeburtstag?

Dass Kärntner auch von dem wunderbaren Literatur-Troß, der sich hier Jahr für Jahr niederlässt, einmal in seiner ganzen Substanz als ein zweisprachiges Land wahrgenommen wird. Auch alle utopischen Vorstellungen von Ingeborg Bachmann und die Hoffnung, die sie bis zum Schluss hatte, basieren ja gerade auf den slawischen Elementen innerhalb der österreichischen Traditionen. Nicht das deitsche Kärnten, sondern das slowenische dient hier als kulturelle Referenz. Man könnte auch sagen: Bei Bachmann liegt mit Böhmen immer auch Celovec am Meer.

Bachmannpreistrophäe
Ingeborg Bachmann _ Pressegger See (Gailtal)
Isabel Belherdis, Künstlerin/Graz _ Intervention _
Walter Pobaschnig

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Klaus Kastberger, Graz (A), Vorsitzender der Bachmannpreisjury

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

(von links) Klaus Kastberger, Natascha Gangl (Bachmannpreisträgerin 2025), Max Höfler, Verena Stauffer (Nominierte 2026)

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Familienarchiv Bachmann.

Foto: Klaus Kastberger _ Konstantin Tzivanopoulos

Foto: Isabel Belherdis/Intervention _ Walter Pobaschnig

Fotos: Bachmannpreis _ Walter Pobaschnig, 2015-25

Walter Pobaschnig, 1.6.26

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„Geht alle hin, für mindestens weitere 50 Jahre“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Perikles Monioudis, Schriftsteller _ Zürich 5.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Perikles Monioudis, Bachmannpreisnominierter 1995

Im Interview: Perikles Monioudis, Schriftsteller, Verleger _ Zürich

Bachmannpreisnominierter 1995

Lieber Perikles, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?

Ich war 1995 dort, also vor mehr als 30 Jahren. Es war eine andere Welt. Die Texte dockten noch einigermaßen an die deutsche Nachkriegsliteratur an, Gruppe 47 und Folgejahrzehnte, die Kritik war rigide und unverblümt selbstgefällig, die Jury überaltert.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Begegnungen.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Hm, als abgekartetes Spiel, aber das war ok so.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Diversität, Inklusion, Tiefe.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Geht alle hin, für mindestens weitere 50 Jahre.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Perikles Monioudis, Schriftsteller

Zur Person: Perikles Monioudis, 1966 in Glarus/Schweiz geboren, promovierte an der Universität Zürich in Kulturwissenschaft und lebt nach zwölf Jahren in Berlin mit seiner Familie wieder in Zürich. Für seine vielfach übersetzten zwanzig Romane und Erzählbände («Land»,«Palladium», «Eis», «Frederick», «Die Forstarbeiter am Bergrand» u.a.) wurde er zahlreich ausgezeichnet, so mit dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis.

Perikles Monioudis

Aktueller Roman von Perikles Monioudis:

Der tiefblaue Traum, Monioudis, Perikles_Roman, Rimbaud Verlag

Ein Liebesroman, ein Unternehmerroman: Die Kunst hat ihren großen Platz in diesem klug erzählten, beziehungsreichen Roman, dessen Handlung in Zürich, Berlin, Boston und in China angesiedelt ist. Ein junger Mann und eine junge Frau, Aimée, Tochter eines bekannten Kunstmalers, ziehen am Ende der 1980er-Jahre einen florierenden Computerhandel mit PC-Clones aus Fernost auf. Sie betreiben den Handel nach den Regeln des Handwerks, verkaufen ihre Ladenkette dann aber doch, um Kunst zu sammeln und die bedeutende Privatsammlung des Kunstmalers zu betreuen. Die beiden gehen später fest davon aus, dass die Maschinen in hundert Jahren alles übernommen haben werden und die einzige Möglichkeit, etwas Menschliches hinüberzuretten, darin besteht, jetzt Kunst zu sammeln, die nicht maschinenlesbar ist. Kunst also, die auch von den Künstlern selbst nicht verstanden wird – so wie die Liebe.

Ein hinreißender Roman über sich wandelnde Haptik, sich verändernde Träume und die stete Suche nach dem Eigentlichen. (Pressetext Verlag)

312 S., broschiert, 2024

ISBN 978-3-89086-944-5

€ 34 ,-

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Perikles Monioudis _ (c) dtv

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio_ ORF Garten _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 4.6.26

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„Mein Alles Land“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Cornelia Travnicek/Isabella Jeschke _ Wien 4.6.2026

Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 9/21

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Cornelia Travnicek, Schriftstellerin _ Wien

Performance _ Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 9/21
Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 9/21

MALINA

M EIN

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Cornelia Travnicek, 13.5.26

Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 9/21
Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 9/21

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Cornelia Travnicek, Schriftstellerin _ Wien

Performance _ Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Cornelia Travnicek, Schriftstellerin 
Isabella Jeschke, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Cornelia Travnicek _ Walter Pobaschnig

Fotos: Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 9/21

Walter Pobaschnig, 13.5.2026

https://literaturoutdoors.com

„für einen kurzen Moment Licht und Wärme“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Cornelia Travnicek, Schriftstellerin _ Wien 4.6.2026

Ingeborg Bachmann _ Cornelia Travnicek

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Cornelia Travnicek, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Cornelia, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Als Poetin, als Lyrikerin lese ich Bachmann seit 25 Jahren, wieder und immer wieder. Ihre Erzählungen habe ich später für mich entdeckt, als die Bedeutung von Texten wie „Undine geht“ bereits hervorgehoben wurde von gelebter Realität.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Dass sie es als Frau mit ihrer sprachlichen und kritischen Radikalität schaffte, in der männerdominierten Nachkriegsliteratur bereits sehr jung als ernstzunehmende Stimme wahrgenommen zu werden.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Das Psychogramm der Protagonistin in „Malina“ hat mich nie mehr losgelassen.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Wir leben in einer seltsam bipolaren Welt, in der Bachmanns Texte heute von ebenso großer Bedeutung sind wie vor 50 Jahren.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und dankbar.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Vielleicht verwechseln wir Ursache und Wirkung daran – das Schreiben ist nicht das Martyrium, es ist der einzige Ausweg daraus, aber wir schreiben gegen Treibsand an.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Ihr ansprechend argloser Blick, das feierliche Staunen in der frühen Lyrik – das sind erhebende Elemente, die sich gleichzeitig anfühlen, als hätte das Mädchen mit den Streichhölzern eben für einen kurzen Moment Licht und Wärme gehabt.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ob sie die Weigels, die Frischs und wie sie alle hießen, nicht lieber vergessen will, und gemeinsam mit ein paar anderen Schriftstellerinnen auf eine Reise gehen, weit, weit weg. (Rom war noch nie eine gute Idee.)

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Nachdem der Roman „Ich erzähle von meinen Beinen“ eben erst erschienen ist, stecke ich bereits mitten in der Arbeit an einem neuen Lyrikband in meinem Sylvia Plath-Projekt, dieser soll dann im Herbst 2027 bei Limbus Lyrik erscheinen.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Ein Zapfen: eure Welt.
Ihr: die Schuppen dran.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Cornelia Travnicek, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Cornelia Travnicek:

Wallys Familie funktioniert – meistens. Ihr Mann, ihre Tochter, das Haus, die Laufenten: Sie hat alles im Griff, bis: sie eines Tages zusammenbricht und sich im Krankenhaus wiederfindet. Alles, was davor geschah, bekommt so eine verschobene Bedeutung. Bei ihrer Tochter wurde ADHS diagnostiziert – aber wie ist es mit ihrer eigenen Unkonzentriertheit, der Unmöglichkeit, Begonnenes abzuschließen, ihrer Hyperaktivität? Ihren irrationalen Ängsten und kleinen Neurosen? Wallys Zusammenbruch und die fast zeitgleiche Überschwemmung ihres Hauses bilden gleichermaßen die Klimax einer Überforderung – und die Erlösung daraus.

Wie sich das Leben mit Neurodivergenz anfühlt, verarbeitet Cornelia Travnicek eindrucksvoll zu einem literarisch raffinierten Roman, der einen immer wieder zum Schmunzeln bringt. (Pressetext/Verlag)

„Ich erzähle von meinen Beinen“ Cornelia Travnicek. Roman. Picus Verlag.

Gebunden, 416 Seiten

Format 13,5 x 21,0

ISBN 978-3-7117-2166-2

Buch: € 26,00

E-Book: €19,99

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Cornelia Travnicek _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 13.5.2026

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„Ich weiß, wie es ist, von ganz unten anzufangen“ _ Bachmannpreis 2026 _ Nominierteninterview: Kinga Toth, H _ Wien 4.6.2026

Bachmannpreis 2026 _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt _

50 Jahre Bachmannpreis

Kinga Toth _ Bachmannpreisnominierte 2026

Nominierteninterview: Kinga Toth, H

Geboren 1983 in Ungarn. Eingeladen von Brigitte Schwens-Harrant.

Kinga Toth _ Sprachwissenschaftlerin, Visuell-Klang-Poetin,
Illustratorin und Kulturmanagerin

Liebe Kinga, herzliche Gratulation zur Bachmannpreisnominierung! Wie hast Du davon erfahren und was war Deine erste Reaktion? Wie sieht jetzt Deine Vorbereitung aus?

Vielen Dank für die Gratulation, wie auch für die Einladung fürs Interview! Es ist ein Wahnsinn! – das sage ich noch immer laut, ein Kindheitstraum, eine riesige Ehre! Viele wissen von mir wahrscheinlich nicht, dass ich aus einem sehr kleinen Dorf in Westungarn (Nyőgér) und aus bescheidenen Bedingungen stamme, aber ja, mit großen Träumen😊 und meine Gefühle sind momentan unbeschreibbar – ich bin enorm dankbar und freue mich – und ja, aufgeregt bin ich auch😊Den Text lese ich oft vor, probiere, wie er schmeckt, wo ich atmen kann, wie wir uns nähern – aber die Vorbereitung besteht momentan eher darin, wie ich Zeit schaffe. Die Universitätssemesterzeit läuft noch und Gottseidank habe ich einige Lesungen/Performances im Juni, und auf die Gesundheit muss ich auch immer achten, also es ist jetzt „ein bissi a Juggling“ momentan, ich versuche mein Bestes!

Wie war Dein Weg zum Schreiben und was ist Dir in Deinen so vielfältigen Literatur/Performance/Kunst-Projekten wichtig?

Hujé, ja, also wie gesagt, alles fing im Kleindorf an mit viel lesen und schreiben (von Anfang an wollte ich Schriftstellerin und Schauspielerin werden) und träumen, aber der Weg war/ist nicht einfach. Es gab aber damals (wir sprechen über die „vorOrbanZeit“) Literaturorganisationen wie József Attila Kreis (wo ich auch später gearbeitet habe) und die Literaturworkshoptage in Sárvár, wo wir uns mit berühmten Literaten treffen und an unseren Texten arbeiten durften – da habe ich viel gelernt und den Mut genommen, meine Texte an Zeitschriften und Verlage zu schicken. Da ich lange noch nicht in Budapest wohnte und ganz andere Alltagsjobs hatte, aus dem Rande und ohne persönliche Bekanntschaften war dieser Weg langsamer. Aber dann erschienen schon meine ersten Bücher – von Anfang an mit meinen Zeichnungen und später auch mit Musik.

Seit langem schrieb ich auch auf Deutsch, aber erst 2012 habe ich meine Texte an deutschsprachige Magazine – und später Verlage geschickt. Der Weg im Ausland war also „the same“, mit dem Unterschied, dass ich schon mit der Undergroundszene einige Konzerte in Ungarn, in Deutschland und in Österreich hatte, also Bühnenerfahrung hatte ich ein wenig – und die Residencyprogramme, die mein Exil aus Ungarn und aus der Existenzkrise waren, eröffneten mir ein neues Tor für internationalen Austausch und ein bisschen Freiheit. Ich arbeite also seit mehr als 20 Jahren in diesem Bereich, aber der Weg war nie eindeutig, deswegen versuche ich auch KollegInnen weiterzuhelfen: Ich weiß, wie es ist, von ganz unten anzufangen.

Du schreibst in drei Sprachen (Deutsch/Ungarisch/Englisch). Welche Möglichkeiten bietet Vielsprachigkeit in Literatur/Kunst für Dich?

Die Möglichkeit für Kommunikation und Verbindung. Ganz einfach, die Illusion oder doch(!) einige Momente der Freiheit zu erleben, neue Kulturen, Länder kennen zu lernen-aber am wichtigsten: sich mit anderen Menschen zu verknüpfen und das Gemeinsame zu erleben. Das alles klingt hochutopisch und banal, aber nach und in solchen Zeiten, wo unsere Gesundheit, Existenz, Leben (es herrscht doch immer noch Krieg in der Nachbarschaft!!) finde ich nichts anders wichtig mehr.

Was macht den Bachmannpreis einzigartig und auf was freust Du Dich besonders?

Auf dieses Treffen! Das Format ist natürlich einzigartig und meine Füße werden auch kälter, wenn ich daran denke😊aber es ist auch spannend und selbstverständlich freue ich mich auf die Kolleginnen, auf ihre Texte und Geschichten, sowohl „fachlich“, als auch persönlich. Ich freue mich auf nicht-offizielle Gespräche, obwohl ich auch betonen möchte, wie dankbar ich hier bin, auf Fremdsprache und mit der Prosaformat – meine zwei großen Herausforderungen – zu kommen und lesen und Diskussionen zu führen. Ich hoffe, dass mein Text gut ankommt, I do my best!

Was würdest Du mit dem hoch dotierten Preisgeld machen?

Uhhh😊 ich werde ein bisschen in meine Gesundheit investieren 😀 und vielleicht ein bisschen Zeit für mich kaufen, wo ich schreiben darf. Ich arbeite momentan an einem Roman über das Thema meines Bachmanntextes und es braucht Recherche – und natürlich Zeit und Ruhe. Und ich könnte für eine neue Mietwohnung (die jetzige wird umgebaut) ein bisschen sparen. Also kleine Träume, aber viele! Und natürlich mit der Familie ein kleines Feieressen😊

Das Jubiläum des 50.Bachmannpreises fällt heuer mit dem 100.Geburtstag der Namensgeberin Ingeborg Bachmann zusammen. Welche Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann, was schätzt Du besonders an Ihrem Werk?

Viele Verbindungen finde ich mit ihr und ihren Werken: Grenzgebietsein, Aufdemwegsein, Reisen, Gesundheit, Politik, der Schwung deren Sprache, die Musikalität, Wortschöpfungen – falls ich Stichwörter schreiben möchte. Ich sehe eine mutige, kräftige Frau, die Welten mit ihren Wörtern schöpft, deren Mut und Glaube an der Kraft der Literatur wir ziemlich sehr brauchen.

Welches Buch und welche drei weiteren Dinge kommen unbedingt mit in die Reisetasche für Klagenfurt?

Das Buch weiß ich noch nicht: Natascha Gangls, Mara Genschels und Muri Daridas Bücher streiten momentan miteinander, wen ich zuerst beenden sollte 😀 die innere Burg von Teresa von Avila kommt noch sicher und meine Steine bzw. Steine aus Nyőgér- sehr wichtig😊!

Vielen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg beim Bachmannpreis!

Danke schön😊!

„Inge“ _ Hauptpreis _ Bachmannpreis
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Kinga Toth _ Verena Mayrhofer

Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 1.6.2026

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„jenseits eingefahrener Muster wahrnehmen, denken, reden und schreiben“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Sabine Peters, Schriftstellerin _ Hamburg 3.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Sabine Peters, Bachmannpreisnominierte 1989

im Interview _ Sabine Peters, Schriftstellerin _ Hamburg

Bachmannpreisnominierte 1989

Liebe Sabine, Du hast 1989 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Die Literaturredakteurin Gisela Lindemann vom NDR Hannover hatte mich eingeladen. Es war mein zweites oder drittes öffentliches Auftreten; entsprechend unsicher fühlte ich mich. Gisela Lindemann nahm sich rund um Klagenfurt, auch in Briefen danach die Zeit, mit mir über Literatur und den Literaturbetrieb zu sprechen. Sie starb noch 1989. Aber die Erinnerung an ihre außerordentliche Intellektualität und Empathie für Menschen und Texte ist mir immer noch lebendig.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das kann ich nicht beurteilen, denn ich verfolge die Veranstaltung nicht im Netz; lese allerdings viele Texte.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Daran erinnere ich mich kaum. Bei einigen Kolleg:innen ging es in den Jurydiskussionen hoch her; und es ist für Autor:innen kaum eine Freude, sich, von Publikum und Kamera beobachtet, die Kritiken anzuhören.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Es braucht immer helle Köpfe auf allen Seiten, die auch jenseits eingefahrener Muster wahrnehmen, denken, reden und schreiben können.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Die Rolle eines Botschafters oder Ratgebers ist mir drei Nummern zu groß. Ich habe allerdings seit 1989 Zweifel an dem Wettbewerbscharakter der Veranstaltung. Literatur ist kein sportevent, bei dem sich der oder die Beste mit der Stoppuhr ermitteln lässt. Der öffentliche Hype, der kurzfristig um oft sehr junge Kolleg:innen gemacht wird, tut vielen von uns nicht gut. Man könnte auf die einzelnen Preise für diesen oder jenen Menschen verzichten und sämtliche Gelder an alle Autor:innen gleichmäßig verteilen. Damit würde sich die Aufmerksamkeit auf die Texte und ihre Kritik richten.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Sabine Peters, Schriftstellerin

Zur Person: Sabine Peters, geboren 1961 in Neuwied/ D. Soziales Jahr in Tübingen. Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie u Politik in Hamburg. Lebt dort als
freischaffende Autorin.

Letzte Veröffentlichungen: „Ein wahrer Apfel leuchtete am Himmelszelt“,
Wallstein 2020. „Die dritte Hälfte.“ Roman. Wallstein 2024

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Sabine Peters _ privat.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio_ Empfang der Stadt Klagenfurt/Schloss Loretto _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 28.5.2026

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