Im Interview _ Sabine Scholl, Schriftstellerin, Wissenschaftlerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 1992
Liebe Sabine, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Ein selbst genähtes Sommerkleid aus einem afrikanischen, in Paris gekauften Stoff. Verwirrung. Ich will meinen Text im Stehen vortragen, weil ich ansonsten meine, Atemprobleme zu bekommen und mache das dann.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Mit dem Wissen von heute, würde ich sagen, dass ein Preis hilft, Namen und Werk zu verbreiten, zu Lesungen eingeladen zu werden, etc, also die Aufmerksamkeit zu erhalten, die man in diesem Betrieb braucht. Damals war ich völlig überfordert von der geballten Masse an Menschen, die wichtig für junge Schreibende sein könnten und bin deshalb eher vor dem Trubel geflohen.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Lesung: OK. Ich habe meinen Atem nicht verloren.
Jurydiskussion: Leider nicht Ok. Ein befreundeter Autor, Wolfgang Hermann, versuchte, das Wort zu ergreifen, um meinen Text zu retten. Danke.
Preisverleihung: Ich habe keinen Preis erhalten, aber peinlicherweise bis zum Schluss daran geglaubt, dass mein Name doch noch genannt wird.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Zuerst ein großes Zweifeln an der eigenen Arbeit. Danach wurde ich schwanger und brachte im April darauf meine Tochter zur Welt. Ich schrieb weiter.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Unterstützung durch die geldgebenden Institutionen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Rizzibrücke/Lendkanal _ Klagenfurt Klagenfurt _ Alter Platz
Foto: Sabine Scholl _ Fotostudio Gezett, Berlin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt_ Walter Pobaschnig
im Interview _ Martin von Arndt, Schriftsteller _ Stuttgart
Bachmannpreisnominierter 2008
Lieber Martin, Du hast 2008 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Spannende Gespräche im Kolleg*innenkreis, ein gargantuisches Besäufnis am letzten Abend, ein paar kühle Bäder im Wörthersee – und noch heute bestehende enge kollegiale Verbindungen, die ich in Klagenfurt knüpfen dürfte.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Atmosphäre im Studio, die Freundlichkeit der Maskenbildnerinnen, die Schärfe der Kritik – und dass man, wenn man so richtig in die Fresse bekommt, danach trotzdem noch in den Spiegel schauen kann.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Benebelt. Die Visagistinnen haben mir einen ziemlich großen Schnaps vorher eingeschenkt (sto gram).
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Ich habe meinen Abschied von der sogenannten „großen Literatur“ genommen und mein Heil in der Kriminalliteratur gesucht. Eine kluge Entscheidung – ohne dass ich fernsehgerecht von der Jury „hingerichtet“ worden wäre, hätte ich vielleicht noch einige Jahre lang ein totes Pferd geritten.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Keinen Schimmer – in erster Linie einmal Einschaltquoten, vermute ich. Literatur im Fernsehen ist ein hartes Brot, für alle Beteiligten, auch die Zuschauer*innen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Gute Nerven, Badezeug – und dass man nicht alles bierernst nehmen soll, was in diesen Tagen gesprochen wird.
Aktueller Krimi: Martin von Arndt, Der Wortschatz des Todes _ Roman / Politthriller
Irina Starilenko, russischstämmige ehemalige BKA-Fallermittlerin, wird von ihrem Bruder Konstantin gebeten, seinem Freund Oleksandr zu helfen. Oleksandr, der vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine nach Deutschland geflohen ist, soll den Mord an einem polnischen Geschäftsmann begangen haben, ist jedoch unschuldig, da er zur Tatzeit mit Konstantin einen Brandanschlag auf ein Haus der Identitären Bewegung verübt hat. Doch Konstantin kann nicht für Oleksandr aussagen, weil sonst seine Bewährung widerrufen würde und er auf Jahre ins Gefängnis ginge. Nach kurzem Zögern sagt Irina zu, sich auf die Suche nach dem wahren Täter zu begeben, und muss bald feststellen, dass sie es mit ausgesprochen dunklen Kräften zu tun hat …
Ein explosiver Politkrimi um Rechtsextremismus, Mord und Putins langen Arm nach Deutschland. (Pressetext/Verlag)
ars vivendi Cadolzburg 2025
Gebundene Ausgabe: Eur 18.00 (D) Eur 18.90 (A)
ISBN 978-3-7472-0712-3 | 250 Seiten
Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Kärnten _ Sommer Schwarzbeeren = Heidelbeeren
Foto: Martin von Arndt _ A.Nöth
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Kärnten/Heidelbeeren_ Walter Pobaschnig
Ralf Bönt, Schriftsteller _ Bachmannpreisnominierter 1995 und 2009
Im Interview _ Ralf Bönt, Schriftsteller _ Berlin
Bachmannpreisnominierter 1995 und 2009.
1998 3sat Preis
2009 Kelag Preis
Lieber Ralf, Du hast sehr erfolgreich 1995 und 2009 am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Das erste Mal war es sehr gut, Silvia Bovenschen lud mich ein, ich fühlte mich fremd, bekam zwei Verträge für meine beiden fertigen Romane, das Leben als Schriftsteller fing an, und mit Silvia Bovenschen blieb ich befreundet. Diese so kluge Feministin hat mir später zu meinem Männermanifest zugeraten, und damit ein zweites Mal eine entscheidende Weiche für mich gestellt.
Beim 2. Mal kam ich nach langer Krankheit zurück, der Verlag hatte es vorgeschlagen, mein Vorschuss war sehr hoch, ich fühlte mich noch fremder, die Jury war überfordert, die Diskussion war absurd, obwohl der Text eigentlich einfacher war, als beim ersten Mal. Literatur und Naturwissenschaft? Nee, nicht hier, hier nicht!! Aber Ijoma Mangold blieb cool und schlug mich zum Bachmannpreis vor, obwohl nicht er mich eingeladen hatte. Ich kam in die Stichwahl und verlor gegen einen blassen jungen Mann, der schreiben als Hobby hatte und nie wieder gesehen wurde.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Missverhältnis zwischen der Relevanz der Texte und der medialen Aufmerksamkeit, die Verkehrung, in der Kritiker die Aktion leiten und Autorinnen passiv und mundtot dabei sitzen und nur Augen machen. Das ist sooo peinlich und eine Publikumsverarschung. Es passt in eine Welt, in der das Sekundäre regiert, niemand mehr nachdenkt, während er redet, in der die rasche Polarisation haushoch gegen Wahrheit und Schönheit gewonnen hat und Aufmerksamkeit an einer Resonanz festgestellt wird, die man nur noch mit Bullshit erzeugen kann, weil der Widerspruch hervorruft. (Etwa: Jeder sieht doch, dass Imane Khelif keine Frau ist. Das klickt.)
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Bei meiner ersten Lesung habe in der Diskussion geschlafen, was ging die mich an? Bei der zweiten machte ich den Schall zum Erzähler, genauer: das quantisierte Teilchen, es heißt Phonon. Das ist eigentlich nicht so revolutionär, dass man gleich die Polizei holen müsste, sondern vollkommen folgerichtig. Gut, es hat sich dann über Wittgenstein lustig gemacht, das Phonon, das fanden in Österreich nicht alle so toll. Aber wir reden halt stets immer nur von Dingen, von denen wir nicht sprechen können. Das ist ja gerade der Sinn vom Bilden neuer Sätze und deshalb sind wir in Norddeutschland auch sparsam dabei. Aber Jury und Presse verwechselte das Phonon bis zum Schluss mit dem Photon, als spiele ein Buchstabe in der Mitte gar keine Rolle oder als habe Lessing nie über Laokoon geschrieben. Wolfgang Herrndorf, der nicht wusste, wie sehr ich ihn mochte, schrieb darüber etwas fantastisch Falsches in sein Tagebuch, auf das mich noch meine Apothekerin im Prenzlauer Berg ansprach. Aber das unerkannt gebliebene Genie Friedrich Penkner meinte, es sei doch auch nicht egal, ob ein kleiner Schwatz über die Lippen geht oder ein kleiner Schwanz. https://www.boent.eu/bachmannpreis_penkner.pdf. Der Roman verkaufte sich trotz all dieser Mühlsteine des Grauens bestens und reich wurde ich dann auch, eben weil Bovenschen dann zum Manifest zuriet. Ich durfte diese bewundernswerte Frau auf dem Abschied von Volker Panzer mit dem Rollstuhl herumfahren, allein dafür hat sich alles gelohnt. Außerdem telefonierten wir, als meine Mutter mich um Sterbehilfe bat. Sei nicht so egoistisch, sagte sie zu mir. Bovenschen fehlt.
Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?
Beim ersten Mal grandios, beim zweiten Mal gar nicht. Ich lasse mich ja nicht vom Literaturbetrieb irritieren, das haben nicht mal meine Mutter, die Schwermetalle der Zahnärzte oder der Mietspiegel geschafft, und die wollten auch immer nur mein Bestes und gingen am Ende leer aus.
Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?
Eine Totalerneuerung. Die Regel, dass die Texte unpubliziert sein müssen ist idiotisch, zumal wenn sich die Jury gar nicht entsprechend vorbereitet. Sie muss fallen. Sie macht alle Beteiligten zu taubstummen Idioten, die über einen Acker stolpern wie die Leute in den Filmen von Pina Bausch. Hat denn niemand mehr einen Rest Stolz und Würde? Wir brauchen dringend ein Romanfestival mit sofort kaufbaren neuen Büchern, nicht diese Talentverbrennung am offenen Feuer, von der wer sagte, es sei halt eine Deflorationsparty? Nein, werdet ernst, Leute, die Zeit brennt von alleine. Und dazu dann ein Lyrikfest, bitte! Unverschämtheit, dass es das nicht nicht längst gibt. Ohne Lyrik keine Prosa.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Seid keine Spießer, macht kaputt, was euch kaputt macht. Ich bin wegen Stiller und Malina Schriftsteller geworden und weiß bis heute nicht, wer Heidi Klum ist. Ich weiß nur, dass die Wahrheit, deren Diener ich sein will, unter den vielen Lügen ganz allein ist.
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Fotos: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Ralf Bönt _ privat
Foto: Bachmannpreis/ORF Studio _ Walter Pobaschnig
Valerie Anna Gruber, Schauspielerin _Wien _ acting Malina _ Romanschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/21
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
INGEBORG _ Akrostichon
Text_ Isabella Breier, Schriftstellerin _ Wien
Performance _Valerie Anna Gruber, Schauspielerin _Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
INGEBORG
In den Zeitungen lese ich viel von der Kälte …
Nur die Hoffnung kauert im Licht …
Gib acht, vor den schwarzen Linien hier …
Es ist ein Strom unter der Erde …
Blätterverschleiß, Spruchbänder …
O Aufgang der Wolken, der Worte …
Rhythmischer Aufgang von Saaten, reifer Kulturen …
Gespenst den Gespenstern
Valerie Anna Gruber, Schauspielerin _Wien _ acting Malina _ Romanschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/21
Isabella Breier, 31.5.26
Anm. Isabella Breier: Ingeborg-Akrostichon _ Verse aus verschiedenen Gedichten Bachmanns _ aus: „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“ _
ich stelle sie mir ein wenig altmodisch deklamiert vor: Bachmanns Stimme plus Echo- und Hall-Effekte, die ab der vierten Zeile mit Flussgeräuschen verschwimmen, mit „O Aufgang“ im Brown Noise verschwinden
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
INGEBORG _ Akrostichon
Text_ Isabella Breier, Schriftstellerin _ Wien
Performance _Valerie Anna Gruber, Schauspielerin _Wien
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Isabella Breier, Schriftstellerin
Valerie Anna Gruber, Schauspielerin _Wien
Foto:Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.
Foto: Isabella Breier _ privat.
Fotos: Valerie Anna Gruber, Schauspielerin _Wien _ acting Malina _ Romanschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/21
im Interview _ Isabella Feimer, Schriftstellerin _ Wien
Bachmannpreisnominierte 2012
Liebe Isabella, Du hast 2012 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?
Der Spaß in der Maske, kurz vor dem Auftritt; dass mich Freundinnen, mein Partner und mein Vater nach Klagenfurt begleitet haben und dass wir eine schöne Zeit miteinander hatten; und natürlich die Aufregung über all die Tage hinweg – das Los hat damals entschieden, dass ich als Letzte lese.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Besondere ist sicherlich die Atmosphäre vor Ort, dieses Flirren. Schließlich geht es ja um etwas, und ganz besonders ist die Konzentration auf Literatur; es geht mal um nichts anderes und das noch dazu im Namen Ingeborg Bachmanns.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Nachdem die ersten Schrecksekunden auf der Bühne vorüber waren – also Licht und Kameras, die auf einen gerichtet sind, und quasi die Jury im Nacken -, hat mir die Lesung richtig Freude bereitet. Es kam so viel gute Energie und Zugewandtheit vom Publikum; das hat mich durch das Lesen und auch durch die anschliessende Diskussion getragen. Und von der Jurydiskussion habe ich gar nicht alles mitbekommen, ich glaube, man schaltet ein bisschen aus Selbstschutz ab, und ich war einfach nur froh, dass nach der Lesung die ganze Aufregung dieser intensiven Tage vorüber war.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Ich habe am Bachmannpreis teilgenommen, als ich noch ganz am Anfang von meiner literarischen Laufbahn stand; es gab noch keine Buchveröffentlichung, ich hatte noch nicht einmal einen Verlag, nur ein paar Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften. Und vor allem da ich noch am Anfang stand, war die Einladung zur Teilnahme eine wunderbare Sache; ich war einfach nur glücklich – und ja, es hatte eine Auswirkung, im Außen – die Einladung nach Klagenfurt ist eine Auszeichnung, die bleibt – und im Innen – es ist besonders, dass sich so intensiv mit einem Text auseinandergesetzt wird und die Auseinandersetzung und Anerkennung beflügelt das weitere Schreiben. So war es zumindest bei mir.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Das Offensichtliche: finanzielle Förderung. Aber auch weiterhin den Fokus auf die Literatur.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Das ist eine schöne Frage! Habt Freude an diesen Tagen, an der Literatur und am respektvollen, aber kritischen Miteinander!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Isabella Feimer, Schriftstellerin
Zur Person: Isabella Feimer, geboren 1976 in Niederösterreich, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Regisseurin und Schriftstellerin in Wien. Sie schreibt Prosa, Essays, Lyrik und Theatertexte und veröffentlichte seit 2009 in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien. Feimer erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. den Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich und die Buchprämie der Kulturabteilung des Bundes. Zu ihren Inspirationsquellen zählen ihre Reisen und die intensive Beschäftigung mit Bildender Kunst, Fotografie und Film. Bei Haymon erschien zuletzt 2025 der Gedichtband „Versuch einer Verpuppung“. Im August 2026 folgt der Roman „Dreiundsiebzig Quadratmeter“.
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Giselbert Hoke _ Freskenzyklus _ Bahnhof Klagenfurt
Wörthersee _ Abendstimmung
Foto: Isabella Feimer _ Station bei Malina/Walter Pobaschnig 1/26
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Studio/Bahnhof/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
im Interview _Christina Griebel, Künstlerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 2003
Liebe Christina, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen und was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Legende.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Die Lesung in Ordnung, die Jurydiskussion zu gleichen Teilen brillant und unterirdisch, die Preisverleihung – keine Erinnerung.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Indirekt als Referenz.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Mutige Autor*innen, deren Horizont weit, weit, weit über ihre Befindlichkeiten hinausreichen muss, und mutige Juror*innen, die der. Sprache, ihrer Kraft und ihrer Schönheit verpflichtet sind.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Strandbad Klagenfurt
Foto: Christina Griebel _ csm_Kunstakademie Karlsruhe
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig
im Interview _ Alois Schöpf, Schriftsteller _ Innsbruck
Bachmannpreisnominierter 1989
Lieber Alois, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Dass es lange her ist und dass ich selten einen größeren Jahrmarkt der literarischen Eitelkeit erlebt habe.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Tatsache, dass ihn Funktionäre und Medien haben wollen, obgleich er mit guter Literatur nichts zu tun hat. Was ist aus den hochgelobten Preisträgern geworden?
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Ich habe es schon bei meiner Lesung zur Jury gesagt: Alle Texte, die ich in meiner Rolle als Chefredakteur einer Zeitung aufgrund von Langeweile in den Papierkorb geschmissen hätte, wurden von der Jury hochgelobt.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Der große Verdienst des Bachmannpreises war für mich, dass ich erkannt habe, dass mein Lebensziel, Dichter zu werden, falsch ist. Die Erlebnisse beim Bachmannpreis ermöglichten mir den Weg in die Essayistik und in den Journalismus, mit dem ich sowohl erfolgreich war als auch ein bürgerliches Leben aufbauen konnte.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Da ich den Wert dieses Preises bezweifle, kann ich auch keine Angaben zu seiner Zukunft machen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Dass er es im 50. Jahr seines Bestehens bleiben lässt.
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee
Foto: Alois Schöpf _ Thomas Steinlechner
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig
im Interview _ Monika Wogrolly, Schriftstellerin _ Graz
Bachmannpreisnominierte 1995
Liebe Monika, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Meine ersten Erinnerungen sind Stimmungen. Gefühle des beinah Zerbrechens, jung verwitwet, verlassen, verloren, egal, noch lebendig. Gefühle der Unvoreingenommenheit sowie die Erinnerung an eine Begegnung mit einem Jurymitglied im Zug – ich hatte weggeschaut, um „nicht zur Last zu fallen“.
Erinnerungen an meine junge Scheu, aber zugleich alte Dreistigkeit und eine hohe Anspannung im Inneren, als hätte ich entgegen der Begeisterung des Juryvorsitzenden für meine Texte damals schon geahnt, „dass das nicht gutgeht – so wie ich bin“ (so meine Denke im Zug nach Klagenfurt.) Ich war kognitiv „so reif, so weit, so begabt, so elitär“, hieß es, aber, so würde ich es heute mit dem Wissen einer erfahrenen Frau einordnen, noch nicht bei mir angekommen. Dissoziiert, von Grenzüberschreitungen – damals im Leben, im Literaturbetrieb gleichsam normal – verstört. Aber doch Selbstsicherheit, ja Autorität mir und allen suggerierend – als damals unbeholfenes Selbstsanierungskonzept einer jungen, aber alterslosen Frau.
Die Literatur war damals mein Halt. Alfred Kolleritsch hatte mir schon als zehnjährigem Mädchen in der allerersten Deutschstunde gesagt, ich sei eine Dichterin. Ob er ahnte, wie prägend dieser Satz für mich war. Für mich war er jedenfalls eine Art Erlaubnis, mir, meiner Stimme Raum zu geben: Schön zu sein im Schreiben. Aber nie schön zu schreiben. Echt zu sein im Schreiben, so dass es ruhig auch wehtun darf und unbehaglichwerden, so wie das Leben in Wirklichkeit.
Als ich nach Klagenfurt kam, war ich 27 Jahre alt. Ich hatte bereits veröffentlicht – zuerst den Kurzprosaband „Sturzflug ins Schwebende“ im Leykam Verlag, später den Roman „Suche meinen Mörder“ im Deuticke Verlag. Zum Bachmannpreis kam ich über den Juryvorsitzenden Peter Demetz, der meinen Text über männliche Masturbationsfantasien ausgewählt hatte.Ich befand mich damals in einer persönlich schwierigen Lebensphase nach dem plötzlichen Herztod meines Mannes, hatte einen kleinen Sohn und war zugleich voller Erwartungen auf meine literarische Karriere. Rückblickend war ich wohl erstaunlich schutzlos. Ich begegnete in Klagenfurt einer Welt, die mich faszinierte, aber auch ungeheuer erschütterte.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Der Bachmannpreis macht sichtbar, was sonst oft verborgen bleibt: die öffentliche Auseinandersetzung mit Literatur. Texte werden nicht nur gelesen, sondern diskutiert, verteidigt, kritisiert und interpretiert. Darin liegt sein aktuelles Potenzial, das ich jedoch damals noch nicht vorfand.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Die Lesung selbst habe ich verschwommen in Erinnerung. Die Jurydiskussion hingegen war für mich eine ambivalente Erfahrung. Ich traf als junge Autorin ohne akademischen Hintergrund auf eine Jury, die stark von professoralen Stimmen geprägt war. Mein Text behandelte Erfahrungen und Beobachtungen, die für mich sehr real waren. Als ich darauf beharrte, dass bestimmte männliche Fantasien, Machtspiele und Beziehungsmuster nicht bloß Erfindungen, sondern Teil meiner Erfahrungswelt waren, stieß ich auf erheblichen Widerspruch, ich wurde attackiert und nivelliert. Was mich damals erschütterte, war weniger die Kritik am Text als die Infragestellung meiner Wahrnehmung. Teilweise wurde mir vermittelt, ich könne aufgrund meines Alters bestimmte Erfahrungen noch gar nicht haben. Dabei wusste ich sehr genau, worüber ich schrieb. Weil ich widersprach und diskutierte, wurde ich als unbequem wahrgenommen. Später wurde ich von meiner enttäuschten Lektorin als „Nina Hagen der Literatur“ bezeichnet. Die Literaturszene jener Jahre erlebte ich oft als hierarchisch, von Konkurrenz und Eitelkeiten geprägt und für junge Autorinnen wenig solidarisch. Marcel Hartges war in dieser Zeit eine wichtige Ausnahme. Er half mir, zwischen meiner literarischen Arbeit und den Reaktionen des Betriebs zu unterscheiden.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg ausgewirkt?
Die Teilnahme hat mich nicht vom Schreiben abgehalten. Aber sie hat mein Verhältnis zum Literaturbetrieb verändert. Heute würde ich sagen: Der Bachmannpreis hat mich nicht von der Literatur entfremdet, wohl aber ein Stück weit vom Literaturbetrieb. Die Erfahrung wirkte lange nach. Nicht, weil ich Kritik nicht aushalten konnte, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass über meine Erfahrungen gesprochen wurde, ohne ihnen wirklich zuzuhören.
Dennoch schrieb ich weiter. Später studierte ich Philosophie und Germanistik, wurde Psychotherapeutin, Autorin und Journalistin. Die Fragen nach Wirklichkeit, Wahrnehmung und Wahrheit blieben dieselben. Viele Texte entstanden fortan eher im Verborgenen. Ich sage manchmal halb scherzhaft, halb ernst: Ich schreibe bis heute heimlich. Die Literatur blieb mein inneres Zuhause, auch wenn meine Beziehung zum Literaturbetrieb vorsichtiger wurde. Aktuelle Manuskripte wie „Selbstporträt am Meer“ und „Kein Leben ohne Huber“ suchen noch ihren Verlag, ihre Leserinnen und Leser. Dass ich nach all den Jahren immer noch schreibe, erscheint mir heute wichtiger als jede damalige Bewertung.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Zukunft?
Ich wünsche mir einen Bachmannpreis, der neugierig bleibt. Literatur lebt von unterschiedlichen Stimmen, Lebenswegen und Erfahrungen. Vielleicht braucht es weniger Gewissheiten und mehr Interesse an dem, was ein Text sichtbar machen möchte. Literatur entsteht nicht nur in akademischen Räumen. Sie entsteht überall dort, wo Menschen Erfahrungen machen und ihnen Sprache geben.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wünsche ich Mut, ihrer eigenen Stimme treu zu bleiben. Der Jury wünsche ich die Bereitschaft, sich auch von Texten überraschen zu lassen, die außerhalb des eigenen Erfahrungshorizonts liegen. Dem Publikum wünsche ich die Freude an der Literatur. Und dem Bachmannpreis wünsche ich, dass er auch in Zukunft ein Ort leidenschaftlicher Diskussionen bleibt, ohne zu vergessen, dass hinter jedem Text ein Mensch steht. Vielleicht hätte das auch die junge Autorin, die ich damals war, gern erlebt.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Monika Wogrolly, Schriftstellerin
Zur Person: Zur Person: PROF.IN DR.IN MONIKA WOGROLLY, geb. in Graz, „Europas erste Klinikphilosophin“ und Psychotherapeutin in Graz und Wien sowie in der Privatklinik St. Radegund. Forschungen zur Hirntodproblematik und zum Selbstwertgefühl. Schriftstellerin und Herausgeberin des Magazins Living Culture für Kultur, Lifestyle und Selfcare; Beziehungsexpertin in Rundfunk und TV. Buch: Die Beziehungsformel. Endlich glücklich lieben. (2017)
Bachmannpreis _ Eröffnung 2019 _ ORF Studio Klagenfurt
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee _ Thalia-Dampfschiff
Foto: Monika Wogrolly _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig
im Interview _ Günther Freitag, Schriftsteller _ Leoben/AT
Bachmannpreisnominierter 1985
Lieber Günther, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?
Bei meiner Teilnahme (1985) gab es 24 Teilnehmer und auch das Jury Team war größer, dominiert von Reich-Ranicki im ständigen Widerpart zu Joachim Kaiser. Die Texte kannten die Juroren nicht, mit den unterschiedlichsten Kriterien wurden die Texte diskutiert, nicht selten den Charakter einer Hinrichtung annehmend; erster Eindruck_ geringe Gerechtigkeit den unterschiedlichen Texten gegenüber, großer Raum für Selbstdarstellungen von Jurymitgliedern
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die große mediale Öffentlichkeit
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Zwiespältig, die gegensätzlichen Positionen der Jury zeigten sich auch in den Beurteilungen, die nach oftmals undurchsichtigen Kriterien erfolgten
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
In keiner Weise
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ob die Entwicklung, wie in der Fragestellung vorausgesetzt GUT ist, bezweifle ich. Die geringe Vergleichbarkeit der Kriterien in den Beurteilungen schränken aus meiner Sicht ein objektives Urteil stark ein.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
In einer Zeit, in der sich die Literatur (und Kunst allgemein) immer stärker in die Defensive gedrängt sieht (vor allem durch die reduzierten Förderungen, aber auch zb durch Lehrpläne, die die Literatur an den Rand drängen) ist jede Veranstaltung zu begrüßen (so sehr ihre Objektivität auch angezweifelt werden mag), welche das Schreiben in ein breites öffentliches Interesse rückt
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Günther Freitag, Schriftsteller
Zur Person: Günther Freitag wurde am 29.02.1952 in Feldkirch/Vorarlberg/Österreich geboren und wuchs in Graz auf, wo er Germanistik und Geschichte studierte. Am Konservatorium der Stadt Graz belegte er das Fach Klavier. Erste Kontakte zur Literatur ergaben sich für ihn durch das Forum Stadtpark in Graz, welches vom Dichter Alfred Kolleritsch und dem Maler Günter Waldorf geleitet wurde. So erschienen seine ersten literarischen Veröffentlichungen auch in der Literaturzeitschrift „manuskripte“, deren Autor er auch heute noch ist.
1985 nahm er auf Einladung Manfred Mixners am Ingeborg Bachmann Wettbewerb in Klagenfurt teil.
Seit 1982 veröffentlicht er vor allem Prosa (Romane, Erzählungen, Essays) und Hörspiele, die zum Teil vom ORF produziert wurden.
Günther Freitag lebt in Leoben/Steiermark/Österreich. (Literaturport/13.6.26)
Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Abendstimmung _ Maltschacher See/Kärnten
Foto: Günther Freitag _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig
im Interview _ Ute-Christine Krupp, Schriftstellerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 2001 _
Eingeladen von Burkhard Spinnen und Elisabeth Bronfen (Juror/in)
Liebe Ute-Christine Krupp, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Lesung vor laufender Kamera. Die Möglichkeit, von einem großen Publikum wahrgenommen zu werden. Gutes Hotel. Schöne Stunden am Wörther See. Interessante Gespräche in den Pausen.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Übertragung im Fernsehen. Die große Jury. Man kann Kontakte knüpfen.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Freude darüber, dass es mir gelungen war, den Text gut vorzutragen. Große Irritation über die harte Diskussion. Das war bei laufender Kamera schwer auszuhalten.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Gar nicht. Ich habe mir viele Jahre später noch einmal die Diskussion der Jury angeschaut und empfand sie dann nicht mehr so schlimm, wie ich sie bei der Veranstaltung empfunden hatte. Ich habe die Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb nie mehr erwähnt, in der Hoffnung, dass sich keiner diesen Auftritt von mir anschaut.
Allerdings fällt mir gerade ein, ich bekam anschließend eine Einladung nach Wiepersdorf, ein Stipendium für drei Monate dort.
Mein Text erschien im Herbst 2001 im Suhrkamp Verlag. Die Diskussion wurde in einer Doktorarbeit beschrieben und analysiert, wie ich zufällig herausfand.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Eine Jury, die häufiger neu besetzt wird.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Den Autor*innen rate ich, vorher Sprechunterricht zu nehmen. Das macht dann den Auftritt professioneller und das Lampenfieber ist geringer.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Ute-Christine Krupp, Schriftstellerin
Zur Person: Ute-Christine Krupp wurde in Börsborn/Pfalz geboren. Sie ist in einer Arbeiterfamilie mit vier jüngeren Geschwistern aufgewachsen. Zweiter Bildungsweg. Abitur in Kaiserslautern. Philosophie-Studium in Erlangen und Köln. Heute lebt sie in Berlin. In ihren Texten beschäftigt sie sich mit Terrorismus und Klassismus.
Veröffentlichungen/Auswahl:
Schritte für Kellner, Hörspiel, Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken 1993. Strom/Strömung, Hörspiel, SR/BR, Saarbrücken 1994. Muttersprache, Vaterland, Hörspiel, Deutschlandradio Kultur und Bulgarischer Nationalsender, Berlin 2010. Übersetzt im Auftrag des Goethe-Instituts Sofia. Von Maja Stefano. Greenwichprosa, Erzählung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1997. Alle reden davon, Roman, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2001. Membercard Europa, Essay, in der Reihe: „Deutsche Reise nach Plovdiv“, Pygmalion Verlag, Sofia – und Wunderhorn Verlag, Heidelberg 2005. Übersetzt von Mirela Ivanova. Punktlandung, Roman, Wallstein Verlag, Göttingen 2021.
Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee _ Blick vom Schloss Loretto/Klagenfurt
Foto: Ute-Christine Krupp _ Johanna Rübel
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig