Ingeborg Bachmann am Schreibtisch, Bocca de Leone, Rom, um 1970
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Christl Greller, Schriftstellerin
Zu Ingeborg Bachmann:
Sie ist mir seelisch fremd. Allein weil ich mir gedacht habe: Die wird so gehypt – da wird man neugierig, und ich habe viel von ihr gelesen, auch schon wieder vergessen. Sie hat es verstanden, sich mit einer Aura zu umgeben und stets die umschwärmte, aber unglücklich Liebende zu sein. Christine Lavant, Ilse Aichinger usw. sind ebenfalls berühmt geworden, aber eine Aura haben sie nicht verstanden sich zu geben.
Ist ihr Schreiben etwas Besonderes?
Ich weiß nicht, mir kommt es ziemlich normal vor. Sie beobachtet und beschreibt oft Gefühltes, Gefühle. Sie war eben ein gefühlvoller Mensch, das ist ok, aber das machen sehr viele Dichter/Dichterinnen, wenn nicht alle, zu einem gewissen Grad.
Am meisten hängen geblieben ist mir „Drei Wege zum See“, mit dem ich mich wirklich identifizieren konnte. „Malina“ habe ich auch z.T. in Erinnerung , als die Auseinandersetzung zwischen Emotionalität und Rationalität. „Die gestundete Zeit“ – wie häufig bei Gedichten gehen einem nicht alle zu, aber es waren schon welche dabei, die mich angesprochen haben. Seltsamerweise erinnere ich am meisten ein Gedicht mit Bezug auf Krieg, das mir völlig unlogisch schien. Näheres weiß ich aber nicht mehr.
Kritik der patriarchalen Gesellschaft:
War damals sehr mutig von ihr, umso mehr, als sie ja von den in der Literatur bestimmenden Männern abhängig war. Und das waren nur Männer, und sind es heute noch. Leider hat sich (erst) wenig geändert, und da rede ich keinem Männer-Bashing das Wort. Gerade gibt es auch wieder die Tendenz eines Rückschritts in der Anerkennung der Frauen.
Kunst als Martyrium:
Ich glaube, es gibt bei jeder Art von Kunst zwei Pole: Die Gestaltung aus überströmender Weltverbundenheit, Glück und Fülle. Und das Schaffen als Abkämpfen, Abarbeiten, Bewältigen negativer Einflüsse. Die Tendenz geht – meinem Gefühl nach – dzt. eher zu allem Negativen: Nacht, Winter, Schmerz, Leiden, Finsternis, Gewalt usw usw. Tatsache ist schon, dass Schreibende mit sich allein sind. Dichten ist kein Team-Play. Man muss sich den sozialen Austausch auf andere Weise verschaffen.
Gesagt / gefragt:
Da fällt mir nichts ein. Vielleicht, wenn ich mir ihr in längerem Gespräch wäre…
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Meine Projekte:
Da heuer der 270. Geburtstag Mozarts ist und sein 235. Todestag am 5. Dezember, möchte ich meine 53teiligen Mozart Lyrikzyklus zartART ein bisschen in den Focus rücken. Er wurde ja schon mehrfach im ORF gebracht, aber da ORF 1 so umgebaut wurde, weiß ich nicht, an wen ich mich da wenden kann. Vielleicht kannst du helfen. In Buchform heißt zartART „Donaustädter Mozartprojekt“, weil 2 weitere Künstler aus der Donaustadt Bilder und CD dazu kreiert haben.
Vor allem kümmere ich mich um die Bekanntmachung meines neuen Buches „TAGSÄTZE zur Nicht- oder Bewältigung. Poetische Notate“, habe wie erwähnt viele Lesungen. Und im Herbstprogramm soll mein neuer Erzählband „Zerkratzte Landschaft“ bei Edition Lex Liszt 12 herauskommen. Wenn da die Arbeit anfängt, hab ich für nichts anderes mehr Zeit.
An meinen Gedichten bin ich immer dran – wenngleich manchmal gebremst.
Liebe Aysel Hofer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich mach die Jause für meinen Sohn, bereite das Mittagessen vor, mache meine Mails. Ich kümmere mich um meine Arbeit als Illustratorin. Eine halbe Stunde für mich allein in der Natur, da lade ich meine Akkus wieder auf. Abends eine Stunde stille und Nichtstun vor dem Schlafengehen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Sich um die Frage zu kümmern, Wer bin ich? Wer bin ich ohne alle Identifizierungen? Es ist gut zu wissen, wer man ist, es macht alles leichter!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Die Antwort von oben wird wichtig sein, wenn alles Vertraute nicht mehr Halt gibt, was gibt mir Halt? Ruhe aushalten können, sich selbst aushalten können! Damit würde der Frieden in uns selbst beginnen.
Was liest Du derzeit?
Die Drei Lichter der kleinen Veronika
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Die Augen der Tiefe reifen durch Tränen und die Tränen kommen früh genug!
Vielen Dank für das Interview, liebe Aysel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Aysel Hofer, Künstlerin, Illustratorin
5 Fragen an Künstler*innen:Aysel Hofer,Künstlerin, Illustratorin
Zur Person/über mich:Aysel Hofer, Künstlerin, Illustratorin
geboren 1973 oder 1974 in of/ türkei
• seit den 1980er jahren weiter gewachsen in hall in tirol
• seit den 1990er jahren zunehmende künstlerische auseinandersetzung mit kohle- und bleistiftzeichnungen, später öl und aquarellauf leinwand – dabei nie den humor, aber den glauben verloren
• mitte der 1990er jahre erste skulpturen aus metall, holz und beton – dabei den humor verloren, aber den glauben gefunden
• ende der 1990er jahre zunehmende auseinandersetzung mit illustrationen
• 2010 – 2011 illustrationsausbildung bei illuskills in wien
• seit 2008 freischaffende künstlerin und illustratorin – dabei den humor im glauben und den glauben im humor gefunden
. diverse austellungen in deutschland und österreich
Zur Person/über mich:Aysel Hofer, Künstlerin, Illustratorin
geboren 1973 oder 1974 in of/ türkei
• seit den 1980er jahren weiter gewachsen in hall in tirol
• seit den 1990er jahren zunehmende künstlerische auseinandersetzung mit kohle- und bleistiftzeichnungen, später öl und aquarellauf leinwand – dabei nie den humor, aber den glauben verloren
• mitte der 1990er jahre erste skulpturen aus metall, holz und beton – dabei den humor verloren, aber den glauben gefunden
• ende der 1990er jahre zunehmende auseinandersetzung mit illustrationen
• 2010 – 2011 illustrationsausbildung bei illuskills in wien
• seit 2008 freischaffende künstlerin und illustratorin – dabei den humor im glauben und den glauben im humor gefunden
. diverse austellungen in deutschland und österreich
Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in der Bocca de Leone/Rom, um 1970
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Heinz Kröpfl, Schriftsteller
Lieber Heinz, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe sie eher spät gelesen, das eine oder andere Gedicht zwischendurch, und 2013 dann ihren Roman „Malina“ entdeckt. Ein Buch, das mich sehr berührt und beeindruckt hat.
Ob ich in meiner Schulzeit am Stiftsgymnasium Admont mit der Literatur von Ingeborg Bachmann in Berührung gekommen bin, kann ich mich nicht erinnern – nebenbei, mit der „Todesfuge“ von Paul Celan hingegen, mit dem sie ja eine Liebesbeziehung unterhielt, aber sehr wohl, die Wendung „schwarze Milch“ ist mir seither unvergesslich geblieben.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Für mich ist das die bis zum Letzten entschlossene und zugleich fragil wirkende Poesie ihrer Sprache sowie dass sie aus der Singularität des Individuellen bzw. des erzählerischen Ichs Gleichnisse des Allgemeingültigen geschaffen hat, die kompromisslos in die Tiefe der menschlichen Existenz gehen. Natursymbolik und Sprachgewalt verstärken die Anschaulichkeit und Aussagekraft insbesondere ihrer Lyrik.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Da ich selbst immer wieder eine gewisse Vorliebe für biblische Themen und Motive in meiner Literatur habe, möchte ich das Gedicht „Die gestundete Zeit“ als ein Beispiel anführen. Es beeindruckt mich auch deshalb bei jedem Lesen dermaßen gewaltig aufs Neue, da es in knapper, doch nicht hermetischer Sprache neben mythologischen Motiven den Abschied mit dem Verbot des Umsehens verknüpft, das Lot beim Verlassen von Sodom auferlegt wurde.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Diese Aussage ist wohl in erster Linie aus biografischem Erleben und in bewusst provokant-überspitzter Form erfolgt, nehme ich an. Einerseits ist der Polarität dieser Bestandsaufnahme auch heute in gewisser Weise zuzustimmen. Auf der anderen Seite: In einer Welt, in der die Grenzen immer mehr verschwimmen, verschmelzen, sich auflösen und dabei zugleich zahlreicher und individueller werden, ließe sich „Männer“ durchaus auf „Menschen“ erweitern.
In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?
„Malina“ ist ein äußerst vielschichtiges, tiefgründiges und für mich unverhüllt persönliches Buch, fraglos auch ein Dokument der (damals schon vergangenen, aber nicht überwundenen oder verblassten) Zeit und dabei doch großartig zeitlos. Mit „persönliches Buch“ meine ich nicht nur die Persönlichkeit und Person der Autorin selbst, sondern dass es auch in der Lektüre stark in (m)eine persönliche Ebene eindringt.
Zu dem Punkt, wie wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen müssen: Welch spannende Frage, gerade wenn ich da wieder an das Gedicht „Die gestundete Zeit“ denke, vielmehr an Lots Frau, die das Verbot des Zurückschauens missachtet hat und zur Salzsäule erstarrt ist. Sollten wir daraus irgendwelche Schlüsse ziehen? Und wenn ja, welche?
In der österreichischen Literatur ist (Weltkriegs-)Geschichte derzeit (wieder) sehr präsent. Im persönlichen Bereich erlebe ich das Gegenteil. Wäre es überhaupt legitim, jemandem den Umgang mit Geschichte vorzuschreiben?
Ingeborg Bachmann würde es vielleicht so beantworten wie in „Malina“: „Falls ich die Frage anders verstehen darf, zur Zeit im allgemeinen, zu einer für alle, dann bin ich keine Instanz, nein, ich will sagen, nicht maßgeblich, meine Meinung ist nicht maßgebend, ich habe auch gar keine Meinung.“
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wenn wir auf die Liebe verzichten, verzichten wir auf Schuld – ist es besser, Schmerz und Wahrheit zu ertragen und mit der Schuld zu leben oder aufgrund der Unmöglichkeit reiner Erfüllung von vornherein auf die Liebe zu verzichten und dadurch auch den zwangsläufigen Schmerz zu vermeiden und die Schuld, die wir auf uns laden und die wir erdulden?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Am 2. März 2026 erscheint im Verlag Königshausen & Neumann mit dem Roman „Tollwut“ mein achtzehntes Buch. Ich bin in gespannter, freudiger Erwartung!
Auch, aber nicht nur in Verbindung damit stehen schon – gar nicht so wenige – Lesetermine bis gegen Ende des Jahres fest, vorerst einmal in der Steiermark und in Wien. Das geht von Einzellesungen bis hin zu Gruppenlesungen etwa der GAV (Grazer Autorinnen Autorenversammlung).
Daneben habe ich ein neues Romanmanuskript in Arbeit, das – ich spanne den Bogen weiter – von zwei biblischen Themen als Leitmotiv bestimmt ist.
Und ich verfasse immer wieder kurze Texte, Lyrik, die ich dann zum Teil bei Ausschreibungen einreiche – manchmal darf ich mich einer Veröffentlichung erfreuen.
Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten?
„Meine Existenz ist eine andere, ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe.“ (Aus der Rede anlässlich der Verleihung des Anton-Wildgans-Preises am 2. Mai 1972)
Da ist das Ankommen, der Neubeginn nach dem Herzinfarkt und der Hoffnung auf Ruhe mit Balkon in der neuen Wohnsiedlung.
„Jetzt war er fünfundvierzig. Ein Fußballmatch dauerte regulär neunzig Minuten. Halbzeit also – der Vergleich mit dem Nachmittag des Lebens kam schon hin. Und er fühlte sich bereit dafür, das Spiel vollends zu drehen…“
Und dann die Polizei auf der Suche. Die Stille bricht. Worum geht es da?…Und dann Susanne, die überlegt ob es jetzt mit ihrer kürzlichen online Bekanntschaft zu tun haben könnte….
Was geht hier vor? In dieser Siedlung, die nur auf den ersten Blick eine Idylle zu sein scheint…
Heinz Kröpfl, sehr vielseitiger in Graz lebender Autor, legt einen neuen Roman vor, welcher wiederum die so gelungenen Zutaten von Spannung, Sprachvirtuosität und so großer Erzählkraft in der Verbindung und Verdichtung von Lebens-, Gesellschaftssituationen, in denen nach und nach die Fassaden, Masken zu bröckeln beginnen und das Leben in seiner ganzen Bandbreite von Hell und Dunkel zutage tritt, vereint. Ein Roman, der vom ersten Satz an packt und nicht loslässt.
„Heinz Kröpfl ist ein virtuoser Erzähler, der Spannung und Sprachspiel beeindruckend vereint!“
Ina Solea, Schauspielerin, Model _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig 7/21, folgende _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA _ Akrostichon
Text _ Heinz Kröpfl, Schriftsteller
Performance _ Ina Solea, Schauspielerin, Model
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
MALINA
Meine alte
Allumfassende Angst
Liegt groß und tief
In einem urtümlichen
Nicht auslöschbaren
Abgrund des Seins
Heinz Kröpfl, 26.1.2026
Ina Solea, Schauspielerin, Model _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig 7/21, folgende _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Heinz Kröpfl, Schriftsteller
Ina Solea, Schauspielerin, Model_ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Foto: Heinz Kröpfl _ Anuradha Sarup
Fotos: Ina Solea, Schauspielerin, Model _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig 7/21
Ingeborg Bachmann in ihrer Wohnung in Rom, Bocca de Leone, um 1970
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Andreas Unterweger, Schriftsteller, Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte_ Graz
Lieber Andreas, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
In meiner Jugend war Ingeborg Bachmann Teil des innersten literarischen Kanons – als eine der ganz wenigen Frauen. Tatsächlich war sie dermaßen kanonisiert, dass sie eigentlich gar nicht mehr als Autorin galt. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Exfreundin, das so begann: „Welche Frauen liest du? Und sag jetzt nicht Bachmann!“ Ich habe erst Jahre später verstanden, was sie damit gemeint haben könnte.
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Ulrike Draesners Gedanken zum Überhang männlichen Sprechens in Bachmanns Arbeiten (etwa in Das dreißigste Jahr), auf die ich vor Kurzem in ihrem Essayband Schöne Frauen lesen gestoßen bin. Und ihre Wortschöpfungen „Ingemann“ und „Bachborg“.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
In den für mich beeindruckendsten Momenten erreicht Bachmanns Literatur eine eigentlich unmögliche Zeitlosigkeit. Ich meine damit einzelne Sätze oder auch ganze Gedichte, die den Eindruck erwecken, dass es sie „schon immer“ gegeben hat – vergleichbar etwa mit manchen Songs von Bob Dylan, die oft für Traditionals gehalten werden (Blowin‘ in the Wind, I shall be released, Knockin‘ on Heaven’s Door …).
Bei Bachmann entsprächen dem etwa Gedichte wie An die Sonne, Böhmen liegt am Meer, Anrufung des großen Bären, Wahrlich oder Erklär mir, Liebe. Einzelne Sätze oder Motive daraus scheinen mir ins kollektive österreichische Bewusstsein eingegangen zu sein. Ähnlich wie es auch mit Texten des praktisch gleich alten, aber doch so anders schreibenden Ernst Jandl geschehen ist.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Wie bei den meisten waren auch für mich die beiden populären Erzählbände Das dreißigste Jahr und Simultan, die sich in der Bibliothek meiner Eltern fanden, der Einstieg in das Werk Ingeborg Bachmanns. Drei Wege zum See führte mich zu Josef Roth und seinem Märchenslowenischen, bis heute einer meiner Lieblingsschriftsteller, eines meiner Lieblingsthemen.
Und ich erinnere mich, dass mir das Gedicht Reklame als 19- oder 20-jährigem aus der Seele sprach – oder eher in sie hinein. Inhaltlich ist dieser Text pure Avantgarde. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor der Nomophobie (Angst, ohne Handy zu sein) stellt es die Gretchenfrage unserer Zeit: „was aber geschieht / […] wenn Totenstille // eintritt?“
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Diesen Aspekt habe ich erst lange nach den ersten Lektüren im vollen Ausmaß begriffen, und ich fürchte, dass die Vehemenz ihrer Kritik heute ebenso angebracht ist, wie sie es damals war.
Zum Glück wird sie in den Arbeiten vieler zeitgenössischer Schriftstellerinnen fortgesetzt, etwa in Hannah K Bründls Gedichtband schilfern (Ritter 2025).
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Das habe ich nie so gesehen, für mich ist das Schreiben, sobald es um den Akt an sich geht, eigentlich pure Freude. Natürlich gibt es Unangenehmes rundherum: das ständige Drübernachdenken (das etwa Hemingway strikt verbietet), dass man nicht genug Geld verdient, manche Kritiker*innen, die Rückenschmerzen … Aber ein „Martyrium“ sieht ganz anders aus, und Wörter wie „asozial“, „einsam“ oder „verdammt“ erinnern eher daran, wie sich z. B. an Depressionen leidende Menschen fühlen, ob sie nun schreiben oder nicht.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte sie gefragt, ob sie den manuskripten bitte einen Text schicken möchte. Neben Thomas Bernhard ist Ingeborg Bachmann die einzige wirklich bedeutsame Stimme der österreichischen Literatur nach 1945, die nicht in unserer Zeitschrift publiziert hat.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Theoretisch schreibe ich an einem Buchessay über die Landschaft südlich von Graz und an einem neuen Gedichtband. In der Praxis stehen freilich jede Menge Auftragstexte an. Darunter ein Kurzessaypingpong mit der ungarischen Autorin Kinga Tóth für die Internationalen Literaturdialoge, ein Manifest mit Max Höfler für die kulturpolitische Notwehr-Plattform #kulturlandretten, ein literarischer Reisebericht über meine Lesereise nach Indien für die Reiseblog-Initiative des Außenministeriums, eine Marginalie für die manuskripte 251, utopische Gedichte für eine Anthologie des Gans Verlages, Variationen über Texte der französischen Renaissancedichterin Louise Labé für das Unabhängige Literaturhaus Niederösterreich, Übersetzungen aus dem Französischen von Salomé Baffrey, Laure Gauthier und Guillaume Métayer sowie Akrosticha für Literatur Outdoors. 😊
Herzlichen Dank für das Interview!
Andreas Unterweger, Schriftsteller, Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte_ Graz
Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/25, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA _ Akrostichon
Text _ Andreas Unterweger, Schriftsteller _ Graz
Performance _ Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/25, folgende
MALINA
Mansplain mir, Liebe!
Aber, aber – ich bin doch nicht hysterisch.
Liebe ist männlich
in den Sprachen des Selbstmords, der Liebe …
Niemand, der diesen Satz nicht unterschriebe,
amore, mon amour.
Andreas Unterweger 1-2-26
Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/25
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/25, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA_ Akrostichon
Text _ Christina Jonke, Schriftstellerin _ Klagenfurt
Performance _ Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien
Text/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/25, folgende
MALINA
Mangel
An
Liebe
Ist
Nie
Antwort genug, um Hass zu erklären.
Christina Jonke, 12.1.2026
Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/25.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA_ Akrostichon
Text _ Christina Jonke, Schriftstellerin _ Klagenfurt
Performance _ Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien
Text/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.