Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
AUSFAHRT _ Akrostichon
Text _ Jozej Strutz, Schriftsteller _ Klagenfurt/Celovec
Performance _ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23, folgende
AUSFAHRT
Aus dem kleinen Hafen ins Meer
Unwiederbringlich das Ufer
Sirenengesang lockt
Feen in einem Dorf
Anders und sinnlich
Hier ist es schön
Randvolles Glas
Taufrischer Morgen
Josef Strutz, 9.3.26
„Ausfahrt“ ist eines der frühen Gedichte der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926–1973). Es erschien 1953 in ihrem ersten Lyrikband „Die gestundete Zeit“.
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
AUSFAHRT _ Akrostichon
Text _ Jozej Strutz, Schriftsteller _ Klagenfurt/Celovec
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Jozej Strutz, Schriftsteller
Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Jozej Strutz _ privat.
Fotos: Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23.
im Interview _ Ute-Christine Krupp, Schriftstellerin _ Berlin
Liebe Ute-Christine, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Als ich mein erstes Buch („Greenwichprosa“) schrieb, las ich viel von Ingeborg Bachmann. Vor allem die Hörspieltexte und Erzählungen. Mich hat sehr interessiert, wie Bachmann Gewalterfahrungen in Sprache übersetzt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Die Verbindung von Poesie und harter Realität.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Ein Geschäft mit Träumen“ – „Undine geht“
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Da hat sich zum Glück viel verändert. Bachmann ist für mich eher historisch einzuordnen.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Nach Bachmann ist alles viel unkomplizierter.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Nein, das finde ich nicht. Es gibt sicher schwierige Phasen, die sehr anstrengend sind. Aber das Wort Martyrium würde ich dafür nicht verwenden.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Die poetische Sprache. Die Verbindung von Gefühlen mit gesellschaftlichen Gegebenheiten. Die interessanten Bearbeitungen historischer Stoffe.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ob es eine glückliche Liebe in ihrem Leben gab?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe gerade ein Manuskript mit zehn Erzählungen fertig. Und der Titel, den ich nicht verrate, ist Bachmann entliehen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten:“
Herzlichen Dank für das Interview!
Ute-Christine Krupp, Schriftstellerin
Zur Person:Ute-Christine Krupp wurde in Börsborn/Pfalz geboren. Sie ist in einer Arbeiterfamilie mit vier jüngeren Geschwistern aufgewachsen. Zweiter Bildungsweg. Abitur in Kaiserslautern. Philosophie-Studium in Erlangen und Köln.
Sie schreibt Erzählungen, Romane und Hörspiele.
Veröffentlichungen/Auswahl:
Schritte für Kellner, Hörspiel, Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken 1993. Strom/Strömung, Hörspiel, SR/BR, Saarbrücken 1994. Muttersprache, Vaterland, Hörspiel, Deutschlandradio Kultur und Bulgarischer Nationalsender, Berlin 2010. Übersetzt im Auftrag des Goethe-Instituts Sofia. Von Maja Stefano. Greenwichprosa, Erzählung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1997. Alle reden davon, Roman, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2001. Membercard Europa, Essay, in der Reihe: „Deutsche Reise nach Plovdiv“, Pygmalion Verlag, Sofia – und Wunderhorn Verlag, Heidelberg 2005. Übersetzt von Mirela Ivanova. Punktlandung, Roman, Wallstein Verlag, Göttingen 2021.
Lieber Evgeni, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wenn ich nicht probe, dann esse und schlafe ich. Wenn ich probe, dann begegne ich Schauspielstudierenden am Vormittag, Langzeitarbeitslosen am Nachmittag und Schauspielerinnen am Abend. Entsprechend beschäftige ich mich mit „Master und Margarita” von Michail Bulgakow, „Julius Cäsar” von William Shakespeare und „Woyzeck” von Georg.Büchner. Was für ein Paradies, aber auch ein wenig Hölle.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Frieden
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Komplexität der Welt immer wieder erkennen und bewundern. Darin sehe ich die Aufgabe der Kunst.
Was liest Du derzeit?
Alexander Tairow: Die Aufzeichnungen eines Regisseurs
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Volodymyr Zelensky wurde gefragt ob er irgendwann Putin spielen möchte. „Ich spiele schon lange keine Nebenrollen mehr“ antwortete Zelensky.
Vielen Dank!
Evgeni Mestetschkin, Theaterregisseur
Zur Person: Evgeni Mestetschkin ist Theaterregisseur und Dozent für Schauspiel, war Jahre lang künstlerischer Leiter der iact schauspielschule für film und theater in Hamburg.
Evgeni Mestetschkin hat mehrere künstlerischen Projekte entwickelt, unter anderem auch mit Menschen ohne Theatererfahrung mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen: mit professionellen Darstellerinnen, mit jungen Migrantinnen, mit älteren Menschen, mit Langzeit-Arbeitslosen und Menschen mit Handicap.
Zum Beispiel aktuell:
ARTJOM RETTEN!? Ein deutsch-ukrainisch-russisches Theaterprojekt. Premiere 2025-2026, Lichthof Theater Hamburg.
DIE ZOFEN von Jean Genet mit Schülerinnen und Schülern der iact schauspielschule für film und theater in Hamburg, 2023.
DER KIRSCHGARTEN, frei nach Anton Tschechow. Ein Theaterstück mit jungen Schauspielerinnen und Schauspielern und Schauspielstudierenden. Dezember 2021, Hamburg
… UND DIE JUDEN: VON SCHMERZ, LUST UND WEITERLEBEN IM WEIßEN HOTEL, ein Theaterprojekt mit jüdischen und nicht jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger in Zusammenarbeit mit der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg. altonale 2021 ebenfalls gezeigt. 2021, Hamburg.
CARLSBAD, ein multimediales Projekt über Träume und Albträume bei der altonale 2019 in Räumen der Allgemeinkrankenhaus Altona. 2019, Hamburg.
„ALBTRÄUME DER ANDEREN“, ein Antikriegs-Projekt mit zwei ukrainischen Trauma-Therapeutinnen in Hamburger Warburg-Haus. 2016, Hamburg.
Aktuelle Produktion _ Gastspiel in Wien:
Artjom retten!?Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin Gastspiel in Wien: 11. und 12. September 2026 im DAS Margareten
Dana Anofrenkova und Paul Smolich in „Artjom retten?“, folgende
Artjom retten? Mich retten? Die Menschlichkeit retten? Im September 2022, mitten in Moskau, rezitiert der russische Dichter Artjom Kamardin Gedichte gegen den Krieg in der Ukraine. Unmittelbar danach wird er brutal festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt „Artjom retten!?“ die Geschichte Kamardins zum Ausgangspunkt für eine persönliche und politische Auseinandersetzung: Was bedeutet Menschlichkeit in Zeiten des Krieges? Und wo liegen die Grenzen unseres Verständnisses für andere?
Auf der Bühne begegnen sich die Ukrainerin Dana und der Deutsche Paul. Sie sprechen über Krieg, Verantwortung, Angst, Loyalität und die Schwierigkeit, widersprüchliche Positionen auszuhalten. Bin ich bereit, meinen Freund zu verstehen, der nicht an die Front ziehen möchte? Und bin ich dann auch bereit, den russischen Dichter Artjom zu verstehen, der vor seiner Verhaftung für das Militär gearbeitet hat?
Das Stück fragt nicht nach einfachen Antworten. Es untersucht die Grauzonen zwischen Empathie und Abgrenzung, zwischen persönlicher Haltung und gesellschaftlicher Funktion: Wo bleibe ich Mensch – mit meinen Gefühlen, Widersprüchen und möglichen Fehlern? Und wo werde ich zu einer Funktion? Dabei wird auch das Publikum Teil der Auseinandersetzung. Fragen, Emotionen, Reflexionen und persönliche Erfahrungen dürfen in den Theaterabend einfließen. Dokumentarisches Theater zwischen persönlicher Perspektive und politischer Realität.
Evgeni Mestetschkin und Julia Solovieva sind ein in Hamburg tätiges Autoren-, Regie- und Theaterduo, das sich in seinen dokumentarischen und dramatischen Projekten intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen reale Geschichten und Schicksale, die sie mit persönlichen Perspektiven und aktuellen politischen Fragestellungen verbinden.
„Artjom retten!?“ beleuchtet das Schicksal politischer Gefangener und die Frage nach individueller Verantwortung in Zeiten politischer Repression und Krieg. Die Produktion wurde 2025 in Hamburg entwickelt und unter anderem an den Hamburger Kammerspielen gezeigt. Nun kommt das dokumentarische Theaterprojekt nach Wien ins
„Artjom retten!?“DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater. Mit: Dana Anofrenkova und Paul Smolich Regie & Autorenschaft: Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin Ton: Sandra Berkefeld
im Interview _ Jana Franke, Schriftstellerin _ Potsdam
Liebe Jana, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe lange nichts von Ingeborg Bachmann gewusst. In unserer Bildungsstrecke waren Brecht, die Griechen, Shakespeare, Goethe, Heine und Schiller unverfänglich. Christa Wolf, Maxi Wander. Sahra Kirsch, Heiner Müller in Grenzen, Peter Hacks verboten, Kleist unerwünscht. Der Oktoberclub erlaubt. Silly, Renft, Karussell, nun. Zusätzlich fand sich nichts in der profunden Bibliothek meiner Mutter. Ich tanzte und spielte am Theater und studierte. Erst als ich zweimal die Profession wechselte und Bückware aufgehoben war, als ich anfing zu schreiben, kam auch die Bachmann zu mir. Ich schrieb für WORT-WERK in Villach, der für den Kultstatus bekannten Bewerb, „Die Nacht der schlechtesten Texte“, der zeitgleich zum Bachmannwettbewerb und nur 40km entfernt stattfand. Kilic bemerkte, dass die Gedichte, die ich da eingefädelt hatte, derartig grottig sind, dass sie alleine dafür einen Sonderpreis erfinden müsse. Zu mir kam da „Die gestundete Zeit“, „Das dreißigste Jahr“ und „Malina“
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihre Bilder, ihre Sprache und Ton sind unverwechselbar, eindringlich und nehmen den direkten Weg zu Body and Soul. Die Arbeit an dem Thema Selbstverleugnung im künstlerischen Sein in einer literarisch geprägten Liebesbeziehung, die Gleichberechtigung darin, wird von ihr aus verschiedenen Perspektiven und Lebenszyklen behandelt, über Malina hinausgedacht. Sie stoppte der eigene Tod.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Innerhalb der Die gestundete Zeit ist alles angelegt. Das ist in seiner komprimierten Form analytisch, durch ihre Stimme im Radio in die Welt kam, ist nicht nur literarisch, sondern auch in der Präsentation dessen für mich hervorzuheben. Deshalb habe ich mich in meinem Gespräch mit ihr in den Akrosticha in diesen Versen aufgehalten. Ingeborgs Werke vom Ende zum Anfang. Deshalb sind die Akrosticha für den Zusammenhang geschrieben, wie einzeln in sich geschlossen lesbar. Ein Bogen ihres Schaffens und ihrer Person. Einzig, Nein, nein du weißt es eben nicht., aus Malina, ein Kernsatz, meiner Meinung nach, für ihren Bearbeitungen und nicht umsonst am Ende ihres literarischen Lebens geschrieben.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Schauen wir auf das momentane politische Parkett, die Kriege, das Menschenleben keinerlei Bedeutung haben, Flora wie Fauna ausgebeutet werden, Schutzorganisationen die Gelder gestrichen …, erübrigt sich die Frage. In jeder Zeit, das gleiche Spiel. Da führt es nun unweigerlich zur Frage: Ist es im menschlichen Erbgut angelegt? Ja.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Ja, daran habe ich mich immer gestoßen. Nein, das finde ich nicht. Für mich ist das in dieser Allgemeinheit falsch. Ein bestimmtes Charakterbild von Mann (Frauen sind da nicht ausgeschlossen), eine krankhafte Geltungssucht, ein Ichbezogen, empathielos, selbstgefällig, herabwürdigend, plagiieren, haben wir alle sicher schon erlebt. Ja da sollte sich Jede:r von entfernen. Hier ist die zeitliche Einordnung und die Position in der die Bachmann sich befand, zu bemerken. Im tiefsten 50iger Jahre Patriachat, heute auch in der Politik in Duktus, Haltung und Gesetzentwürfen erlebbar, wird eine lyrische weibliche Stimme von Männern bepreist. Ein Paradox und der Wille, patriarchale Normen der Männer zu überwinden. Die Arbeit, die Fähigkeit hat sie dahin geführt. Ob sie da nun was fallen ließ, um Aufmerksamkeit und den Heldenmechanismus der männlichen DNA anzukurbeln oder nicht, es waren ihre Gedichte, ihre Stimme, ihre Performance. Es war auch ihr strategisches Vorgehen, dass eben Mut erforderte. Mut sein Inneres zu zeigen. Ihre Zartheit auch. Warum auch nicht.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
In der Vorhalle der Hölle, ja. Wenn der Gedanke noch nicht geboren ist, ja, aber dann nicht mehr. Das Martyrium besteht im Nicht_bezahlt_werden_für_die_Arbeit. Gibt’s in keiner Branche, dass man schreiben soll für null overt, um mal weltlich zu werden. Ich muss nicht schreiben, ich will schreiben. Ich will mich in diesem künstlerischen Mittel ausdrucken, will performen, will mit anderen Künstler:innen zusammenarbeiten, will mit Menschen arbeiten. Ich muss zusehen, wie ich als Selbständige die Schreiberei finanziell kompensiere. Geht das nicht mehr, muss ich erstmal aufhören zu schreiben, weil ich und meine Familie sonst verhungere. Das ist mein Martyrium. Ich muss nicht unglücklich sein, um schreiben zu können.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ingeborg, wir sind jetzt viel viel mehr Solistinnen. Kannst dich anschließen. Sucht Frau nach anderen Männerbildern, gibt es die jetzt bedeutend mehr als zu deiner Zeit. Liebe kann gleichberechtigter gelebt werden.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich schreibe, recherchiere, interviewe zu dem kulturhistorisch-touristischen Reiseführer für die Märkische Schweiz für den Findling Verlag. Schreibe und denke an zwei lyrischen Manuskripten zu unterschiedlichen Themen, bereite für nächstes Jahr einen Halbjahresworkshop im Kreativen Schreiben für den Friedrich-Bödecker-Kreise vor, bereite szenische Lesungen mit anderen Künstlern vor und bin stetig offen für die Projekte die kommen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Ein Brausen von Worten fängt an in meinem Kopf und dann ein Leuchten. Mich erfasst später eine tiefe Ruhe und Klarheit nach dem Brausen und dann schreibt es aus mir heraus und die Arbeit beginnt.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Jana Franke, Schriftstellerin
Susanna Klein, Künstlerin _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Jana Franke _ privat
Fotos: Susanna Klein, Künstlerin _ Wien _ performing „Malina“ _ Romanschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 5/23.
Jörg Schorn, in Wien lebender Autor, Künstler, legt eine rasante, kompakte, Wort-Bildbiographie Ingeborg Bachmanns vor, die gleichsam ein Stationenweg von Klagenfurt bis nach Rom in Werk und Liebe, Leben, Tod ist, an dem Information wie Impuls geöffnet wird und so Zugänge, auch und gerade in schon vorhandenen oft schweren fixierten Bachmannbildern der Rezeption im Kopf, öffnet und ein Schriftstellerinleben in sehr treffenden, hintergründigen Zeichnungen und Wortwitz auf Grund und Boden von Leben und Zeit zurückholt.
„Die Bachmann“ ist gleichsam ein Kontrapunkt zu umfassenden Biographien, die natürlich auch einen spekulativen Raum betreten müssen und genau hier setzt Schorn eine Zeichnung und dialogisches Wortspiel hin, das sich sehr exakt an Fakten hält und alles Weitere im Augen- und Leseblick offenlässt. Das ist ein spannender Bachmann-Coup, der sehr gut gelingt.
Vielleicht hat der Autor ja tatsächlich als Kind Ingeborg Bachmann in Klagenfurt getroffen und dabei wurde ihm mehr verraten als vielen anderen von Klagenfurt bis Rom…
„Ein biographischer Schnelldurchlauf mit Pfiff und Biss, ein Lese-, Bild- und Gedankengenuss.“
Die Bachmann, Jörg Schorn. Eine illustrierte Biographie. Jacoby _ Stuart Verlagshaus.
Monika Helfer,Schriftstellerin _ hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer-Köhlmeier | Hanser 3.8.2026
Monika Helfer (ganz links) als Nominierte bei derVerleihung des österreichischen Buchpreises 2025 in den Wiener Praterateliers :_ folgende
Im Interview _Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien
Liebe Barbara, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Monika Helfer?
Bei einem Sommer-Literaturworkshop im Waldviertel, den ich vor vielen Jahren bei Robert Schindel machte, tauchte in der Mittagspause im Restaurant eine apart in Schwarz gekleidete Frau auf. Sie zog alle Blicke auf sich, wie sie da freudig von Seminarleitern und Dichterkolleginnen begrüßt wurde und strahlte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich „Bevor ich schlafen kann“ von ihr gelesen, wusste aber nicht, wie sie aussah. Ich hatte sie noch nie vorher getroffen.
Was macht für Dich das Besondere ihres Schreibens aus?
Monika Helfer schreibt in einer tendenziell reduzierten Sprache, vor allem in ihrer autofiktionalen Familientrilogie. Gleichzeitig evoziert ihr Stil eine dichte, fein gesponnene Atmosphäre, die mich an die subliminiale Melancholie in Romanen von Marguerite Duras erinnert. Ich kann auch viel mit den Themen und Motiven ihrer Bücher anfangen: Suche nach den eigenen Wurzeln, Außenseitertum, Verflechtung von weitergegebenen Mustern über Generationen hinweg, Heuchelei, Bigotterie und Neid am Land, Überleben in Kriegszeiten.
Möchtest Du bestimmte Bücher hervorheben und warum?
Mit der „Bagage“ habe ich Monika Helfer für mich wiederentdeckt. Diesen Roman schlug ich als Lektüre in einem Literaturzirkel der Volkshochschule, den ich leitete, vor. So habe ich mich näher mit dem Text beschäftigt. Die erzählende Ich-Figur gibt sich gleich anfangs als Enkelkind der Familie, über die sie schreibt, zu erkennen. Ihre Spurensuche ist auch Teil des Texts, etwa wenn sie Auskunft über den Ursprung ihrer Informationen gibt. Dabei spielen Fiktion und Autobiografisches zusammen. Monika Helfer hat in einem Interview eine schöne Definition ihrer Autofiktion gegeben: „Für mich dauert die Wahrheit in meinem Roman maximal zehn Zeilen lang, dann galoppiert die Phantasie in die Geschichte, hält inne bei dem Unglück mit Paula, jedes Mal, ob ich will oder nicht, die Fiktion rettet mich und macht mich mutig.“ (Literaturblatt Schweiz). Der Roman verwebt auch Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander. Wenn etwa ein Leben in der Erzählgegenwart endet und unmittelbar darauf in der Vergangenheit weiter erzählt wird. Das ist tröstlich.
Wie hast Du Monika Helfer bei Lesungen, als Kollegin erlebt?
Sie war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die – aber das nur meiner persönlichen Wahrnehmung nach – zu lange öffentlich eher als Michael Köhlmeiers Frau gesehen wurde. Es ist gut, dass ihre autofiktionale Roman-Trilogie „Die Bagage“, „Vati“ und „Löwenherz“ schließlich breit rezensiert und sie so einem größerem Lesepublikum bekannt wurde.
Monika Helfer-Köhlmeier und ihr Mann Michael Köhlmeier, Schriftsteller
Darf ich abschließend um ein Zitat/eine Textstelle aus Monika Helfers Werk bitten?
„Ich ließ die Gedanken schweifen, ich glaube, damals hatte ich zum ersten Mal das Gefühl glücklichen Alleinseins, nach dem ich mich bis heute sehne und das sich nicht machen lässt, es kommt oder kommt nicht. Und macht am glücklichsten, wenn es unverhofft kommt.“ aus dem Roman „Löwenherz“
Herzlichen Dank für das Interview!
Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _ Foto: performing „Undine geht“ _ Wien/Lobau _ Walter Pobaschnig
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.
Fotos: Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien_ performing Undine geht/Donau Wien _ _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _ Walter Pobaschnig 7/26.
„Ich bin Medea! Soll sie zu Mama gesagt haben, als Mama sie im Irrenhaus besuchte, und: Hier stinkt es! und: Sie hat mich gestoßen! Als es um einen ominösen Sturz ging, bei dem sie sich eine Oberschenkelhalsfraktur zugezogen hatte…“
Die überlieferten Worte der Großmutter
„Ein Phantom. Oder ein Phantasma. Die Fremde. Grandmama russe…“
Und jetzt beginnt die Spurensuche nach einem Leben in allen Dunkelheiten der Zeit, der Kriege, der Vernichtung, der Verstoßung und der letzten Tage…
„In den Schoel hinabsteigen…diesen Wartsaal der Finsternis, Raum der Fragen, des Verlangens, des Forderns, Ort der Ödnis, der Verwüstung, des Staubs…“
Der in der Schweiz geborene und in Bern und Berlin lebende Schriftsteller Christoph Geiser ist eine der herausragendsten Stimmenmoderner deutschsprachiger Literatur.
In seinem Werk stellt er sich konsequent und sprachlich virtuos Existenz und Zeit und kommt dem Menschen in seinem Mikro- und Makrokontext von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Chancen und Verhängnissen literarisch so nahe, dass es erschüttert wie fasziniert. Dem umfangreichen Recherchieren, im vorliegenden Roman der Lebensweg der in Russland geborenen und in Basel verstorbenen Großmutter zwischen Schoa und persönlicher, familiärer Tragik, folgt eine sprachliche Ausdrucksform, die Leben und Wort gleichsam auf dem Drahtseil von Augenblick und Fall der Existenz balancieren lässt und bis zur letzten Seite fesselt. Der Autor versteht es einzigartig, Leserin und Leser mit den Protagonisten :innen mitgehen zu lassen und filmgleich im Geschehen von Biographie, Geschichte und Phantasie erschütternd da zu sein.
„Christoph Geisers Bücher sind ein geniales Gesamtkunstwerk, das Leben, Zeit und Phantasie in ein faszinierendes Karussell von Sprache setzt und dann virtuos zurück- und fortfliegen lässt.“
„Die Spur der Hasen“ Eine Grablegung. Christoph Geiser. Roman. Secession Verlag Berlin.
Die Spur der Hasen (Band 13)
Der Abschluss der dreizehnbändigen Werkausgabe.
HRSG. VON MORITZ WAGNER UND JULIAN REIDY MIT EINEM NACHWORT VON CASPAR BATTEGAY MIT LESEBÄNDCHEN