50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Bettina Klix, Schriftstellerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 1986 und 1993
Liebe Bettina, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?
Schmerz.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die besondere Grausamkeit. 1986 vergleichsweise noch harmlos. Aber 1993 ohne Gnade.
Was mir geschah, war nicht völlig einmalig. Ich habe später eine Autorin getroffen, die dort eine ähnliche Vernichtung erlebte und sich auch nie wieder davon erholt hat.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Beide Male habe ich während der Lesung das Hochgefühl der Gelungenheit erleben dürfen, die Gewissheit, dass ich etwas ganz Unverwechselbares, Besonderes und Schönes mitgebracht hatte und auch, dass ich wirklich gut gelesen hatte.
Sofort danach wurde das alles komplett zerstört.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Diese Autorin, die damals gelesen hat, ist dort gestorben. Beleg dafür wäre, dass es von mir, also einer in Deutschland völlig erfolglosen Schriftstellerin eine englische Übersetzung meines Frühwerks gibt, „Rapture oft the Depth“ das hauptsächlich aus meinen beiden Suhrkamp-Büchern „Tiefenrausch“ (1986) und „Sehen Sprechen Gehen“ (1993) besteht. (Den beiden Büchern, die bis zur zweiten Teilnahme geschrieben waren.) So als sei ich dann abberufen worden.
„Was für ein Werk hätten wir noch erhoffen dürfen!“
Aber dieses Buch entstand nur durch die völlig unglaubliche Patenschaft des kanadischen Germanistik-Professors Eric Miller und seine trotzige Begeisterung und Beharrlichkeit.
Der Betrieb hatte mich danach aussortiert.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Vielleicht ist ein Wettbewerb, der unter dem Namen einer Autorin stattfindet, die mit dem Schmerz, dem Leiden so sehr vertraut war, eine völlige Verfehlung, steht sozusagen unter einem Unstern.
Widersinnig, da es ein Unternehmen ist, das Teil eines Betriebs ist, unter dem Bachmann auch gelitten hat, Teil der Selektion usw.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Glück, Freude, Schönheit, Liebe, Freundlichkeit, Güte, Frieden
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Bettina Klix – Verbrecher Verlag

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Bettina Klix _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 23.6.2026














































































