Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Im Interview _ Asta Cink, Bildende Künstlerin _ Wien
Liebe Asta, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein Zugang zu Bachmann entsteht weniger aus einer rein literarischen Perspektive als aus einer atmosphärischen und körperlichen. Mich interessiert an ihrem Werk vor allem, wie Sprache, Erinnerung, Macht und Identität ineinandergreifen.
Ich empfinde ihre Texte oft wie Räume — fragile Innenräume, in denen Wahrnehmung, Verletzlichkeit und gesellschaftliche Gewalt gleichzeitig sichtbar werden. Das berührt stark meine eigene künstlerische Praxis, besonders dort, wo ich mit Projektion, Pose, Weiblichkeitsbildern und Erinnerung arbeite.
Auch in meiner fotografischen Arbeit interessiert mich weniger das eindeutige Bild als das Dazwischen: das Fragment, die Spur, die Ambivalenz von Sichtbarkeit. Genau dort begegnet mir Bachmann immer wieder.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Das Besondere an Bachmann ist für mich, dass ihre Sprache gleichzeitig poetisch und radikal präzise ist. Sie schreibt nie nur „schön“ — ihre Texte tragen immer auch ein Bewusstsein von Gewalt, Verlust und gesellschaftlicher Struktur in sich. Sie trennt das Persönliche nicht vom Politischen. Beziehungen, Körper und Sprache selbst werden bei ihr zu Orten von Macht und Verletzung. Dabei bleibt ihre Sprache musikalisch, offen und o fragmentarisch — fast wie eine innere Landschaft.
Mich beeindruckt besonders, wie sie Zärtlichkeit und Härte gleichzeitig zulässt. Ihre Texte verweigern einfache Antworten und bleiben gerade dadurch gegenwärtig.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Besonders wichtig ist für mich Malina. Der Text wirkt auf mich wie ein psychischer und sprachlicher Innenraum, in dem Identität langsam zerfällt. Die Verbindung von Erinnerung, Sprache und weiblicher Auslöschung empfinde ich bis heute als erschütternd aktuell.
Auch Das dreißigste Jahr begleitet mich sehr. Dort interessiert mich vor allem dieses Gefühl existenzieller Übergänge — Menschen, die plötzlich die Fremdheit ihres eigenen Lebens erkennen.
Und das unvollendete Projekt Todesarten erscheint mir enorm relevant, weil Bachmann darin zeigt, dass gesellschaftliche Gewalt nicht abgeschlossen ist, sondern sich in Beziehungen, Sprache und alltäglichen Strukturen fortsetzt.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte sie gerne gefragt, ob sie daran geglaubt hat, dass Sprache Menschen tatsächlich verändern oder retten kann — oder ob Schreiben eher ein Versuch war, das Unaussprechliche sichtbar zu machen.
Und ich glaube, ich hätte ihr gesagt, dass ihre Texte heute noch immer eine enorme Gegenwärtigkeit besitzen. Viele Fragen, die sie gestellt hat — über Weiblichkeit, Macht, Sprache und gesellschaftliche Gewalt — sind weiterhin ungelöst.
Mich würde auch interessieren, wie sie auf unsere heutige Bilderwelt reagieren würde: auf permanente Sichtbarkeit, digitale Projektionen und die Geschwindigkeit von Wahrnehmung.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Aktuell arbeite ich verstärkt an Projekten, die sich mit Körperbildern, Erinnerung und Projektion beschäftigen. Besonders zentral ist dabei mein Projekt „Mythenkörper“, in dem ich Weiblichkeitsdarstellungen zwischen Mythologie, Religion und zeitgenössischer Bildkultur untersuche.
Dabei arbeite ich fotografisch, performativ und installativ und interessiere mich für die Frage, wie sich gesellschaftliche Einschreibungen in Körperhaltungen, Posen und Bildern zeigen.
Parallel beschäftigen mich weiterhin Themen wie Erinnerungskultur, Sichtbarkeit und fragile Identität — oft über analoge Fotografie und atmosphärische Bildräume.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse Ihrer Wohnung in der Bocca de Leone, Rom um 1970
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
im Interview _ Dominika Meindl_ Schriftstellerin, Linz
Liebe Dominika, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Den ersten und bis heute wichtigsten Zugang hat uns der Deutschlehrer in der Oberstufe geschaffen, als wir „Die gestundete Zeit“ miteinander lasen und NICHT zu Tode analysieren mussten. Der Lehrer, selbst melancholisch veranlagt und deutlich auf Seiten von uns Schüler*innen, hat uns den Wert dieser Gedichte klargemacht.
„Malina“ habe ich intensiv als junge Studentin gelesen, „Das dreißigste Jahr“ banal zum eigenen 30er und die Erzählungen in „Simultan“ kannte ich bis vor kurzem gar nicht, eine Schande.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Die Intensität, die Abgeklärtheit. Die Unerbittlichkeit gegenüber dem Nazi-Regime und dessen Fortwirken.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Alle natürlich. Aber ich möchte unbedingt auch den Film von Regina Schilling „Jemand, der einmal ich war“ empfehlen, eine Art Geisterbeschwörung mit Sandra Hüller – soeben ins Kino gekommen. Danach möchte man sich den Sommer freihalten und noch einmal alles von und über Bachmann lesen (und alle Schilling-Filme nachschauen).
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Selbst bin ich glühende und aktive Verfechterin des Matriarchats, und ich verspreche, dass es darin den Männern besser gehen wird als den Frauen im Patriarchat. Viele Männer sind heilbar krank, in vielen Fällen jetzt schon unsere Verbündeten – und die anderen werden es etwas schwerer haben mit der Machtverteilung und dem Ende der Geschlechterungerechtigkeit. Aber am Ende werden wir gemeinsam frei sein (um auf die großartige Passage in „Malina“ anzuspielen – die Menschen werden auch „frei sein von der Freiheit, die sie meinen“.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Zum Glück nicht! Zumindest in meiner Wahrnehmung, ich bin glücklich in der Abwechslung zwischen asozialem Schreiben und gemeinsamem Leben. Aber ich bin auch keine große Künstlerin, dafür müsste man wohl mehr vom gemütlichen Leben opfern (und noch mehr Talent haben). Und manchmal ist es ja sehr schwer, das Alleinsein und das Öffentlichwerden zusammenzubringen, im Kleinen stimme ich zu.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Glauben Sie ans Matriarchat! Die Männer Ihrer Zeit reden einen ordentlichen Stiefel daher, wenn sie über Frauen und Literatur sprechen, und sie werden dafür 2026 sehr ausgelacht.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ende August erscheint mein zweiter Roman „Mehr Himmel als gut für uns ist“, ich freu‘ mich sehr darauf. Es geht noch einmal um Overtourism – dieses Mal am Fuß des Mount Everest. Gleichzeitig wird berichtet von einem unspektakulären Leben in Oberösterreich, von der Melancholie im Endzeitkapitalismus – und es wird viel gewandert.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Ina Riegler, MalerinJulia Hagenhofer, Schauspielerin
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Ina Riegler _ privat.
Fotos: Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig, 10/21.
im Interview _ Anna Stern, Schriftstellerin _ Zürich
Bachmannpreisnominierte 2018
Gewinnerin des 3sat Preises
Liebe Anna, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum erfolgreich teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen und was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
die stimmenvielfalt. die buntheit. die konzentration an literaturliebe. die funktion als treffpunkt von lesenden und schreibenden menschen, die sich sonst nie getroffen hätten. die schonungslose unscheu vor kontroversen.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
meine lesung – ich lese gern: solange ich lese, verschwindet die welt rundherum.
die jurydiskussion – laut und abgedriftet auf eine art, die mich wünschen liess, meinen text denjenigen gegenüber, die glauben, lesen zu müssen, um zu begreifen, verteidigen zu dürfen.
die preisverleihung – hell, reizreich, schweisstreibend.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und den weiteren Weg ausgewirkt?
auf meinen stil – gar nicht, ich muss frei schreiben, mich in jedem text neu erfinden dürfen; ich will nie mit einem publikum im kopf schreiben müssen, einer jury.
auf meine literarische öffentlichkeit – ich schätze ruhe und anonymität bewusster, ich bin bereit, der öffentlichkeit meine texte auszuhändigen, nicht mein ich.
auf meinen weiteren weg – es passiert ja ganz schön viel auf so einem weg. ich sehe die teilnahme im rückblick nicht als aufstieg, rast mit picknick oder weggabelung; sie bleibt für mich mehr hitzeflimmernd in erinnerung, als fatamorgana-artiges intro zu jenem unglaublich heissen sommer zwanzigachtzehn.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
beibehalten, was ihn ausmacht: vielfalt, kontroversen, radikalität; offen gegenüber literarischen experimenten und abenteuern, bereit, ihnen sichtbarkeit zu verleihen; den mut, unbequem zu bleiben.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Anna Stern, Schriftstellerin
Zur Person: ANNA STERN, *1990. studium der umweltnaturwissenschaften und doktorat an der eth zürich. s. publiziert romane, erzählungen und texte zur kunst. demnächst erscheint der erzählband ABER MORGEN EIN NEUER TAG. bei lectorbooks. s. lebt und arbeitet zurzeit zwischen zürich und finnland.
AUSZEICHNUNGEN (AUSWAHL)
2023 prisma+ litteraturpris, malmö (SE).
2022 conrad-ferdinand-meyer-preis.
2020 schweizer buchpreis.
2019 auszeichnung literatur, stadt zürich.
2018 förderpreis der st gallischen kulturstiftung.
2018 3-sat preis, 42. tage der deutschsprachigen literatur, klagenfurt (AT).
Großes Publikumsinteresse bei den Lesungen _ 50.Bachmannpreis 2026
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee
Foto: Anna Stern _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Beatrixgasse“ _ Originalschauplatz Wien _ Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _ Walter Pobaschnig 6/26
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
BEATRIXGASSE _ Akrostichon
Text & Performance _ Pia Schiel, Schauspielerin _Wien.
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Beatrixgasse“ _ Originalschauplatz Wien _ Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _ Walter Pobaschnig 6/26
BEATRIXGASSE
Bist
Einfach
Allein?
Trau
Raus
Ins
Xunde
Grün.
Alles
Sehr
Sonderbar
Erdig.
Pia Schiel, 1.7.2026
Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Beatrixgasse“ _ Originalschauplatz Wien _ Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _ Walter Pobaschnig 6/26
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
BEATRIXGASSE _ Akrostichon
Text & Performance _ Pia Schiel, Schauspielerin _Wien.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin – BEATRIXGASSE _ lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Ingeborg“ _ Originalschauplatz Wien _ Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _ Walter Pobaschnig 6/26
im Interview _ Bettina Klix, Schriftstellerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 1986 und 1993
Liebe Bettina, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?
Schmerz.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die besondere Grausamkeit. 1986 vergleichsweise noch harmlos. Aber 1993 ohne Gnade.
Was mir geschah, war nicht völlig einmalig. Ich habe später eine Autorin getroffen, die dort eine ähnliche Vernichtung erlebte und sich auch nie wieder davon erholt hat.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Beide Male habe ich während der Lesung das Hochgefühl der Gelungenheit erleben dürfen, die Gewissheit, dass ich etwas ganz Unverwechselbares, Besonderes und Schönes mitgebracht hatte und auch, dass ich wirklich gut gelesen hatte.
Sofort danach wurde das alles komplett zerstört.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Diese Autorin, die damals gelesen hat, ist dort gestorben. Beleg dafür wäre, dass es von mir, also einer in Deutschland völlig erfolglosen Schriftstellerin eine englische Übersetzung meines Frühwerks gibt, „Rapture oft the Depth“ das hauptsächlich aus meinen beiden Suhrkamp-Büchern „Tiefenrausch“ (1986) und „Sehen Sprechen Gehen“ (1993) besteht. (Den beiden Büchern, die bis zur zweiten Teilnahme geschrieben waren.) So als sei ich dann abberufen worden.
„Was für ein Werk hätten wir noch erhoffen dürfen!“
Aber dieses Buch entstand nur durch die völlig unglaubliche Patenschaft des kanadischen Germanistik-Professors Eric Miller und seine trotzige Begeisterung und Beharrlichkeit.
Der Betrieb hatte mich danach aussortiert.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Vielleicht ist ein Wettbewerb, der unter dem Namen einer Autorin stattfindet, die mit dem Schmerz, dem Leiden so sehr vertraut war, eine völlige Verfehlung, steht sozusagen unter einem Unstern.
Widersinnig, da es ein Unternehmen ist, das Teil eines Betriebs ist, unter dem Bachmann auch gelitten hat, Teil der Selektion usw.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Großes Publikumsinteresse bei den Lesungen _ 50.Bachmannpreis 2026
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Klagenfurt – Wörthersee
Foto: Bettina Klix _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
im Interview _ Nikolai Vogel _ Schriftsteller, Bildender Künstler_ München
Bachmannpreisnominierter 2005
Lieber Nikolai, Du hast 2005 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Ich habe bei der Verlosung der Reihenfolge die eher ungeliebte Nummer 1 gezogen … Als ich morgens im Studio war und gerade in die Maske sollte, wurde ich da dann nochmal zurückgerufen, weil jemand von der Jury gerade kam, und wichtiger war. Es gab keine Begrüßung, kein Hallo, kein aufmunterndes Wort zum Start – das fand ich sehr befremdlich, ich war da aber auch noch zu schüchten oder unerfahren, um das einfach selbst zu übernehmen …
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Live, Fernsehen, you never know …
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Meine Lesung war wie gesagt sehr früh. Die Diskussion ziemlich spannend, auch lustig. Radisch‘ Vergleich mit Bachmanns Undine ziemlich strange …
Die Preisverleihung ist schon interessant. Diese ganze Interessensdynamik. Ich glaube, ich war in meinem Jahrgang vielleicht der Einzige, der seinen Juror vorher nicht persönlich kannte, und habe mitbekommen, dass andere von Ihren Juror*innen halt gefragt worden waren, ob sie nicht einen passenden Text hätten. Auch die ganzen Verlagsinteressen und Manuskripte, die längst in trockenen Tüchern sind und dort dann womöglich noch einen Werbeschub bekommen sollen … Ich empfand es so, dass etliche Juror*innen das als Power Play verstanden, als taktisches Spiel. Es gab sogar eine Jurorin, die sich dann bei mir entschuldigt hat, dass sie nicht für meinen Text gestimmt hat, den sie toll fand, aber sie habe natürlich den eigenen Kandidaten unterstützen müssen …
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
The winner takes it all! … Na gut, ich war beim Bachmannpreis. Kollegen hatten mich gewarnt: Willst Du da wirklich hin – aber ich wollte! Ich wusste, dass teils mit harten Bandagen diskutiert wird, aber ich wollte! Ich wusste, ich lese gerne vor Publikum, ich habe kein schlimmes Lampenfieber, sondern nur eine kribbelnde Grundnervosität, die mich wach hält …
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Gute Texte, Juror*innen, die gute Texte gut finden, Autor*innen, die sich darauf einlassen, im Wissen, dass es Fernsehen ist …
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Mut, Gelassenheit, Neugier, Unangepasstheit!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Ebenfalls! Rien ne va plus!
Nikolai Vogel _ Schriftsteller, Bildender Künstler
große Begeisterung und Vorfreude beim Publikum vor den Lesungen _ 50.Bachmannpreis _ 2026
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Klagenfurt/Altstadt
Wörthersee
Foto: Nikolai Vogel _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Thomas von Villach – ein klingender, strahlender Name mittelalterlicher Kunst im alpinen Raum. Ein Künstler, der am Ausganspunkt und Arbeitsmittelpunkt Kärnten und darüber hinaus ein gewaltiges sakrales Freskowerk schuf, das bis heute fasziniert und in den Bann zieht. Im Ausgangspunkt biblischer Bildwelten entwickelt der Künstler in/mit seinem Kunstkreis eine selbstbewusste Form an den Schnittstellen zur Neuzeit und deren Aufbrüchen und Umwälzungen. In vielen Kirchen sind diese Zyklen faszinierendes Zeugnis der Ansprache, Vermittlung und Verbindung von Leben, Glaube und Sinn.
Ein Kunstleben, das in allem Arbeitsschwerpunkt aber auch ein gesellschaftlich interessiertes, wahrnehmendes und nach Möglichkeit dialogisches ist, das Wege in eine neue Zeit sucht…
Die renommierte, in Kärnten lebende, Autorin Regina Schaunig legt einen sehr spannenden Roman zu Leben, Werk und Zeit des Thomas von Villach vor, der in seiner Unmittelbarkeit und Lebendigkeit wie historischem Panorama der Zeit begeistert. Es gelingt Leserin und Leser mühelos einzutauchen in Existenz, Kunst und Weg eines kompromisslosen Künstlers zwischen aufgehenden und untergehenden Welten.
Hervorzuheben ist auch die umfassende kunsthistorische und historische Detailkenntnis, die diesen wunderbaren Roman auch zu einem Reiseführer zum Werk dieses einzigartigen Künstlers macht.
„Ein mitreißender Roman als wunderbare Kunstreise zu einer faszinierenden Persönlichkeit und dessen umfassenden Werk im Sturm der Zeit.“
Thomas von Villach, Regina Schaunig. Historischer Roman. Hermagoras Verlag.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.