
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ George K. Maurer, Liedermacher _ Klagenfurt.
Lieber George, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein Versuch besteht darin, über den Begriff „Frieden“ einen Zugang zu finden. In „Malina“ fehlt mir jedoch ein direkter Friedensentwurf. Da zeigt Ingeborg Bachmann eher, warum Frieden nur schwer möglich ist, beziehungsweise Sprache als Schlüssel und Problem gesehen werden muss. Frieden erscheint bei ihr eher als Abwesenheit von Gewalt, aber diese Abwesenheit wird nie erreicht. Was sich insbesondere im „Traumkapitel“, in dem der Vater als Täterfigur beschrieben wird, zeigt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Es ist für mich schon ein bisschen Herausforderung, den detaillierten, oft in langen Schachtelsätzen verpackten Ausführungen Bachmanns konzentriert zu folgen. Wenn ich mich aber darauf einlasse, entführt der Text in eine Bilderwelt, in eine große Gefühlswelt, die wahrscheinlich nur so beschrieben werden kann.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Besonders zugetan bin ich dem lyrischen Werk von Ingeborg Bachmann. Dazu fällt mir das großartige Gedicht „Die gestundete Zeit“ ein …
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Bachmann sieht, so meine ich, in der Aufdeckung von Gewalt einen Friedensansatz. Und da spielt Sprache eine wesentliche Rolle. Meine Frage an sie wäre: Könnte eine neue, unverbrauchte Sprache, ein Sprechen, das nicht zerstört, zu Frieden führen?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Bin als Liedermacher natürlich von den aktuellen Geschehnissen um mich herum und in der ganzen Welt in meinem Schreiben beeinflusst. Mich rückbesinnend auf die 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, bäume ich mich in meinen Texten auf gegen Hass, gegen Gewalt und gegen Rechtsradikale, die demokratische, politische Systeme zerstören wollen. So heißt auch mein derzeitiges Programm „Love Peace & Freedom“, angelehnt an große Vorbilder wie Pete Seeger, Joan Baez, Woody Guthry oder Hannes Wader. Mit meinem Trio CrossTones freue ich mich auf jede Einladung zu einem Konzertauftritt.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Herzlichen Dank für das Interview!

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: George K. Maurer _ privat.
Walter Pobaschnig, 6.5.26








































































