Im Interview _Gabrielle Alioth, Schriftstellerin _ Termonfeckin/Irland
Bachmannpreisnominierte 1991
Liebe Gabrielle, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Die Erinnerung an einen Zirkus, in dem die Jury die Texte der eingeladenen Autorinnen und Autoren als Ausgangspunkt benutzte, sich selbst medienwirksam in Szene zu setzen.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Er war damals (1991) die erste bedeutendere TV-Show, die sich mit Literatur bzw. konkreten Texten befasste. Der Auftritt der Autorinnen und Autoren hat etwas von einer öffentlichen Hinrichtung, die offenbar ein Zuschauerbedürfnis erfüllt, das inzwischen aber wohl besser durch andere Reality-TV-Shows gestillt wird.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Es war damals – ich hatte gerade meinen ersten Roman mit einigem Erfolg veröffentlicht – eine gute Übung vor laufender Kamera zu lesen und die Diskussion auszuhalten.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Neutral, der Auftritt in Klagenfurt hat mir weder geholfen, noch mich behindert, abgesehen davon, dass ich dort gewisse Freundschaften geknüpft habe, die mir bis heute geblieben sind.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Er scheint mir überholt und man könnte ihn abschaffen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor und Journalist _ Humbert Fink
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee
Foto: Gabrielle Alioth _ privat
Foto: Humbert Fink _ privat
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Friedrich Ani, Schriftsteller _ München
Bachmannpreisnominierter 1992
Lieber Friedrich, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Viel Wein, Fußball in sengender Hitze, merkwürdige Argumente zu merkwürdigen Texten, eine gewisse Hibbeligkeit aller Beteiligten, alles in allem: eine Parallelwelt im Grünen, erholsam und verwirrend.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Es herrscht eine große Ernsthaftigkeit im Umgang mit den Autorinnen und Autoren und deren Arbeit. Man wird wahrgenommen, ein Austausch von Ideen, Zweifeln, Sehnsüchten findet statt, die Illusion entsteht: Aus mir könnte etwas werden.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Da ich wusste, dass mein Text kein Hit sein würde, war ich entspannt und dann erfreut, dass die Kritik ziemlich milde ausfiel – jedenfalls in meiner Erinnerung.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Ich erhielt ein Stipendium in Berlin, schrieb dort neue Sachen, die mir ein paar Tür öffneten, sodass ich allmählich zum Schriftsteller wurde, dessen Manuskripte gedruckt und gesehen wurden.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Gute Autoren und Autorinnen und eine entspannte Jury ohne Narzissten.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Wer dort liest, weiß, was er tut, und ein Verriss kann ermutigender sein als Beifall, in dem, laut Nietzsche, auch viel Lärm ist. Dem Wettbewerb wünsche ich Glück und stets genügend Geld.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Friedrich Ani, Schriftsteller
Zur Person: Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach prämiert, u. a. sieben Mal mit dem Deutschen Krimipreis, dem Crime Cologne Award, dem Burgdorfer Krimipreis, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und der Goldenen Romy. Friedrich Ani ist Mitglied des PEN-Berlin.
Münchner Literaturpreis 2026
Andreas Hoh Krimifestival-Preis 2024
Crime Cologne Sonderpreis 2017
)Bio/Suhrkamp _ 17.6.26)
Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee
Foto: Friedrich Ani _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller _ Berlin
Bachmannpreisnominierter 1991
Lieber Fritz Hendrick, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Wolf Donner konnte mich nicht unterstützen, da er krank geworden war. Frau Löffler stand die ganze Zeit auf ihren Mundwinkeln. Herr Karasek versuchte, möglich viele junge Schreiberinnen um sich zu versammeln. Nebenan begann gerade der Jugoslawien-Krieg.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die ungewohnt große Öffentlichkeit, der direkte Dialog. Die massive Konzentration von Eitelkeit.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Ich war nicht der Ossi, den das Publikum erwartet hatte.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Ich habe danach viele Jahre als Werbetexter gearbeitet. Das erschien mir das ehrlichere Geschäft
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Humor
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Genießt euch selbst. Der Rest wird sich finden.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller
Zur Person: Fritz Hendrick Melle, 1960 in Karl-Marx-Stadt geboren, Studium Theologie in Naumburg und Kommunikation in Berlin/W. Heizer, Texter, Whiskey-Produzent, Zen-Schüler und Autor. Romane: Richtiges Leben, die Amazone vom Kollwitzplatz, Wurst und Stadt ohne Götter. Daneben zahlreiche Beiträge in Magazinen und Antologien. Keine Literatur-Preise, aber einige Reklame-Auszeichnungen.
Bachmannpreis _ im ORF Garten
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee _ Abendstimmung
Foto: Fritz Hendrick Melle _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Thomas Stangl _ Bachmannpreisnominierter 2007, Gewinner Telekom Austria Preis.
Im Interview _ Thomas Stangl, Schriftsteller _ Wien.
Thomas Stangl _ Bachmannpreisnominierter 2007, Gewinner Telekom Austria Preis.
Lieber Thomas, Du hast 2007 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen nach knapp zwanzig Jahren? Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die ersten spontanen Erinnerungen… eigentlich erinnere ich mehr an das Dasitzen im Garten des ORF-Zentrums, Zuhören, in die Luft Schauen als an die Lesung oder die Preisverleihung.
Das Besondere ist sicher die öffentliche Reichweite durch die Live-Fernsehübertragung (auch wenn das Fernsehen in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung verloren hat).
Wie kam es zu Deiner Nominierung und wie hast Du Dich im Vorfeld vorbereitet?
Ich hatte mich nicht beworben, irgendwann im April weckte mich ein überraschender Anruf von Iris Radisch, der offenbar einer ihrer eigentlichen Kandidaten abhandengekommen war; nach ein paar Tagen Überlegung habe ich zugesagt und dann einen Ausschnitt aus dem Roman, an dem ich damals schrieb, zu einem Kurztext umgearbeitet. Sonst habe ich mich wenig vorbereitet.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion danach erlebt?
Es ist nicht angenehm, dazusitzen und solch einer Diskussion zuzuhören, auch wenn die meisten Beiträge eher freundlich waren. Allerdings entsteht da auch eine Art von Betäubungszustand, als würde man unter dem ganzen ungewohnten Trubel hindurchtauchen können.
Du hattest in Klagenfurt auch die Begleitung von Deiner Frau, Schriftstellerin Almut Tina Schmidt (Bachmannpreisnominiert 2025, Gewinnerin des 3sat Preises) und warst auch 2025 vor Ort, um Deine Frau zu begleiten. Wie wichtig ist eine gute Begleitung, Unterstützung in diesem Wettbewerb bei der Lesung und rundum?
Das fand ich, in beiden Rollen, sehr wichtig. Um nicht einerseits dem gesammelten Literaturbetrieb ausgeliefert zu sein und dann plötzlich nachts allein mit den Eindrücken und Gedanken, die durch den Kopf wirbeln. Wobei auch die Solidarität unter den Autor(inn)en und die Betreuung durch das Veranstalterteam vor Ort sehr freundlich und nett war.
Was hat sich im Blick von 2007 (Deiner Teilnahme) und 2025 (Teilnahme Deiner Frau) im Ablauf, Rundum des Bachmannpreises verändert?
Die Rolle des Internets ist wesentlich größer geworden, vor allem die Rolle der Sozialen Medien (die es in „meinem“ Jahr ja noch nicht gab). 2007 war auch der Präsentationsfilm nicht so wichtig wie 2025. Gleichzeitig ist die Berichterstattung in den klassischen Medien, vor allem in den deutschen Feuilletons stark zurückgegangen – so wie insgesamt der Raum für Literatur in der Öffentlichkeit immer schmaler wird.
Du wurdest 2007 mit dem Telekom Preis in Klagenfurt ausgezeichnet. Wie hat sich dies ausgewirkt?
Gesteigerte Aufmerksamkeit (zumindest eine Zeit lang) und eine gefestigte Basis fürs Weiterschreiben.
Welchen Platz haben Eure Klagenfurt-Preise Zuhause gefunden?
Naja, in unserer generell etwas chaotischen Wohnung liegen sie irgendwo herum. Wir haben ja weder ein Regal mit Pokalen wie Sportler (oder deren Mütter) noch sind wir Ärzte, die zur Beruhigung der Patienten ihre Diplome an die Wand hängen.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Verantwortliche in den Fernsehsendern und den Stadt- und Landesverwaltungen, die nicht nur auf Quoten und kurzfristige Vermarktbarkeit bzw. auf Spareffekte und Popularität achten, sondern die kulturelle Vielfalt und den Wert besonderer und einzigartiger Veranstaltungen im Blick haben. Und Menschen, die geeigneten Druck auf diese Institutionen ausüben.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Wir alle wünschen jedem alles Gute, wie Ernst Jandl sagte („dass der gezielte Schlag ihn just verfehle / dass er getroffen zwar nicht sichtbar blute“) nein, Besseres als das, den Teilnehmer:innen Mut und Gleichmut, und allen das Beste: viele merkwürdige, eigenwillige, stille, wilde, strahlende, dunkle Texte.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Thomas Stangl, Schriftsteller
Zur Person: Thomas Stangl, geboren 1966, studierte Philosophie und Spanisch und lebt als freier Schriftsteller in Wien. Seit seinem Debutroman Der einzige Ort (Literaturverlag Droschl, Graz 2004) veröffentlichte er zahlreiche weitere Romane, Erzähl- und Essaybände, zuletzt den Roman Quecksilberlicht (Matthes & Seitz Berlin 2022) und den Erzählband Diverse Wunder (Droschl, 2023). Im Frühjahr 2027 erscheint bei Matthes & Seitz Berlin sein neues Buch Die Ausnahme. Ein Roman von Benjamin Kiefer.
Unter anderem wurde sein Werk mit dem aspekte-Preis für das beste Debut des Jahres 2004, dem Erich-Fried-Preis sowie dem österreichischen Kunstpreis für Literatur und dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet.
Thomas Stangl gewann den Telekom-Austria-Preis beim Bachmann-Preis (2007).
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Bachmannpreis _ ORF Studio Kärnten
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Thomas Stangl _ Almut Tina Schmidt
Foto: ORF/Bachmannpreis Studio-Setting _ Walter Pobaschnig
im Interview _ Martin R. Dean, Schriftsteller _ Basel
Bachmannpreisnominierter 1983
Lieber Martin, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
1983, ich war am Vorabend noch mit Rainald Goetz zusammen, der sich am anderen Tag während der Lesung die Stirn aufschnitt. Ich war beeindruckt und gratulierte ihm. Nun wusste ich, dass beim Bachmannwettbewerb Blut fließen muss, Herzblut oder Stirnblut.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Eleganz, mit der man strategische Präferenzen, Vorlieben und Geschmacksurteile in ästhetische Betrachtungen überführt. Natürlich die dörfliche Atmosphäre, die einen die Illusion gibt, zu wissen, wer der Metzger und wer die Bäckerin ist. Immer aber weiß man, wo die nächste Beiz ist.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Als ich meinen Text über eine simulierte Männergeburt (Couvade) vorgelesen hatte, sagte Frau Obermüller, es handle sich um den interessanten Beitrag eines emanzipationsgeschädigten Mannes und Reich-Ranicki rührte den Löffel im Tee. Es gab damals noch kaum ein Bewusstsein für emanzipative Bewegungen, schon gar nicht, wenn sie Männer und ihre Rolle ironisch spiegelten.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Gar nicht. Ich hatte das Jahr zuvor meinen ersten Roman „Die verborgenen Gärten“ veröffentlicht, hatte meine Sprache und (m)ein Thema gefunden und blieb gegenüber den Klagenfurter Anfechtungen immun.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Mehr Offenheit und Durchlässigkeit gegenüber den Literaturen der Welt (nicht den Autor:innen). Zu lange hat sich die deutschsprachige Literatur eingeigelt und selbst gefeiert. Ihr Inseldasein vergoldet. Geöffnet hat sie sich erst spät und nur gegenüber den Literaturen aus dem Osten Europas. Als Schweizer vermisste ich aber die Echoräume Frankreich und die frankophone Literatur, die angelsächsische und spanische Literatur. Und die afrikanische Literatur.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Mut, über die eigenen Grenzen zu schauen, mehr Zugewandtheit zu den Themen, die die Welt bewegen und bedrohen. Kolonialismus, Migration, Auflösung der Gesellschaften, Identität. Weniger Nabelschau. Und zentral: Mehr Courage zum nichtweißen Blick.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Martin R. Dean, Schriftsteller
Zur Person: Martin R. Dean, 1955 im Kanton Aargau geboren, Studium der Germanistik, Philosophie und Ethnologie. Reisen im globalen Süden. Arbeiten als Essayist u.a. für die Neue Zürcher Zeitung, FAZ, Die Wochenzeitung, CH Medien, die REPUBLIK. Lebt als Autor und Essayist in Basel.
Letzte Veröffentlichungen: «Verbeugung vor Spiegeln», Essay 2015 (Shortlist des Schweizer Buchpreises), «Warum wir zusammen sind», Roman 2019, «Meine Väter», Roman 2024, «Tabak und Schokolade», Roman 2024, «In den Echokammern des Fremden», Essays 2025
Alle Bücher bei «Jung und Jung», Salzburg, Kampa/Atlantis Zürich
Aktueller Roman:Martin R. Dean, Tabak und Schokolade, Roman _ Atlantis Verlag.
„Nach dem Tod der Mutter findet der Erzähler in einer Schublade ein Album mit Fotos seiner frühen Kindheit, die er auf der Karibikinsel Trinidad und Tobago verbracht hat. Als junge Frau hatte sich die Tochter von »Stumpenarbeitern« aus dem Aargau in ein Abenteuer mit einem Tunichtgut der westindischen Oberschicht gestürzt und ein Kind bekommen. Während die übrige Familie bemüht ist, das Gedächtnis an die Jahre der Mutter bei den »Wilden« auszulöschen, macht sich der Erzähler auf, diese Geschichte, die auch seine eigene ist, zu retten.
Tabak und Schokolade führt in den tropischen Dschungel einer britischen Kronkolonie der fünfziger und sechziger Jahre. Indem der Erzähler immer weiter zu seinen indischen Vorfahren, die als Kontraktarbeiter in die Karibik verschifft wurden, vordringt, legt er nicht nur einen Familienstammbaum, sondern auch ein Stück Kolonialgeschichte frei. Dem gegenüber wird die Erinnerung an das Aufwachsen im »Tabakhaus« der Großeltern im Aargau gestellt und die Annäherung an eine Mutter, die zu Lebzeiten stets unnahbar erschien.“ (Pressetext/Verlag)
Martin R. Dean, Tabak und Schokolade, Roman _ Atlantis Verlag.
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Klagenfurt/Neuer Platz
Wörthersee
Foto: Martin R. Dean _ Maia Wackernagel
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Ilma Rakusa, Schriftstellerin _ Zürich
Bachmannpreisnominierte 1981
(Bachmannpreisjurorin 2003 – 2007)
Liebe Ilma, Du hast 1981 als Lesende am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Als ich 1981 zur Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb eingeladen wurde, hatte ich erst wenig publiziert, mein erstes wichtiges Buch, Die Insel, erschien wenig später beim Suhrkamp Verlag. Also war ich aufgeregt, zumal der Juryvorsitzende, Marcel Reich-Ranicki, bekannt für seine harschen Urteile war. Doch erstaunlicherweise äußerte er sich überhaupt nicht zu meinen zwei Kurzgeschichten, überließ die Diskussion den anderen Juroren. Diese wirkten entspannt und sagten viel Wohlwollendes. Ich fühlte mich verstanden und verließ das Podium sehr erleichtert.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Besondere am Bachmannpreis ist die Tatsache, dass ich als Autorin erleben muss, wie über meinen Text unmittelbar nach der Lesung diskutiert wird: in meiner Gegenwart, und natürlich vor Publikum und laufender Kamera. Das ist unter Umständen schwer zu ertragen, denn einmischen sollte man sich besser nicht. Da kann schnell ein Gefühl der Ohnmacht aufkommen, der Wehrlosigkeit, ja der Scham. Ohnehin fühlt man sich beim Vorlesen eines unveröffentlichten Textes exponiert, was Publikum und Jury oft schwer verstehen. Die öffentliche Debatte danach macht die Sache aber noch viel schwieriger.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
In meinem Fall war die Jurydiskussion sehr fair und für mich anregend. Einen Preis habe ich nicht gewonnen, war jedoch in den Klagenfurter Texten jenes Jahres – sie erschienen in Buchform – vertreten.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Auf meinen Stil hat sich die Teilnahme nicht ausgewirkt, auch nicht auf meine weitere Laufbahn. Ich ging meinen Weg, wie ich ihn für richtig hielt, vom Literaturbetrieb wollte ich mich nicht abhängig machen. Auch hatte ich nie einen Agenten, was für heutige Autoren:innen fast undenkbar ist. Diese nutzen ferner ausgiebig die sozialen Medien, für mich persönlich noch immer keine Selbstverständlichkeit.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ich finde, der Bachmannpreis sollte ein möglichst breites Spektrum haben und nicht zum reinen Nachwuchswettbewerb werden.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Wer mitmacht, sollte es als Chance sehen und sich von negativen Urteilen nicht zu sehr beirren lassen. Freilich liegt es an der Jury, Kritik so zu formulieren, dass sie weder beleidigend noch demotivierend wirkt. Da Streit publikumswirksam ist, darf es ihn ruhig geben, nur bitte taktvoll und ohne Ressentiments. In diesem Sinne: Viel Glück für den Bachmannpreis – und noch viele erfolgreiche Jahre!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Ilma Rakusa, Schriftstellerin
Zur Person: Ilma Rakusa (*1946) studierte Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und Leningrad. Sie lebt als Autorin, Übersetzerin und Kritikerin in Zürich. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Erzählungen, Tagebuchprosa, Essays, Dramolette und das Erinnerungsbuch Mehr Meer umfasst, erhielt sie u.a. den Schweizer Buchpreis, den Manès-Sperber-Preis, den Kleist-Preis und 2025 den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und in verschiedenen Jurys tätig. Zuletzt erschienen: Mein Alphabet (2019), Kein Tag ohne. Gedichte (2022) und Wo bleibt das Licht. Tagebuchprosa (2025).
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Empfang der Stadt Klagenfurt _ Schloss Loretto/Wörthersee
Foto: _ Ilma Rakusa _ Katalin Deer/Droschl Verlag
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Kärnten/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Peter Stamm, Schriftsteller _ Winterthur/CH
Bachmannpreisnominierter 1999
Lieber Peter, Du hast 1999 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Die Tage waren einer meiner ersten Einblicke in die literarische Welt. Vor allem an den Abenden lernte ich viele Leute kennen, mit denen ich zum Teil heute noch Kontakt habe. Auch das Verhältnis unter den Teilnehmern war sehr angenehm und kollegial.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Damals herrschte ein wenig Ferienlagerstimmung. Man sah sich immer wieder, ging baden im See, saß abends in den Gartenrestaurants und diskutierte. Die Lesungen traten fast ein wenig in den Hintergrund.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Nicht gut. Leider kam es zu einer Grundsatzdiskussion, bei der es eher darum ging, was die Kritiker und Kritikerinnen gerne lesen würden und nicht mehr um meinen Text. Ich hatte gehört, dass gewisse Jurymitglieder sich vorher positiv über meinen Text geäußert hatten. In der Diskussion hatten sie dann aber nicht mehr den Mut, das auch zu sagen. Nach der Veranstaltung bekam ich aber viel Zuspruch für den Text auch vom Moderator des ORF.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Auf meinen Schreibstil gar nicht. Ich wusste schon damals, wie ich schreiben wollte und bin dabei geblieben. Was den Literaturbetrieb angeht, war es zum Teil eine heilsame Desillusionierung, aber es gab eben auch viele schöne Begegnungen.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Zukunft?
Ich weiß gar nicht, ob sich viel ändern soll. Ich fände es schön, wenn etwas mehr erfahrenere Autorinnen und Autoren teilnehmen würde, verstehe aber, dass viele davor zurückschrecken.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Weiterarbeiten. Und alles Gute.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Peter Stamm, Schriftsteller
Zur Person: Peter Stamm, geboren 1963, aufgewachsen in Weinfelden im Kanton Thurgau. Nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Studium der Anglistik, Psychologie und Psychopathologie an der Universität Zürich. Seit 1990 freier Autor und Journalist. Peter Stamm schrieb Reportagen und Satiren unter anderen für die Neue Zürcher Zeitung, den Nebelspalter und das Magazin des Tages-Anzeigers. Längere Auslandaufenthalte, u.a. in Paris, New York und Berlin. Lebt mit seiner Familie in Winterthur. Peter Stamm schrieb zahlreiche Hörspiele und Theaterstücke. 1998 erschien sein erster Roman «Agnes». Seither sind fünf Erzählsammlungen und sechs weitere Romane erschienen, zuletzt 2020 «Wenn es dunkel wird». Werke von Peter Stamm wurden in 39 Sprachen übersetzt. Lesereisen in viele Länder, unter anderem nach China, Mexiko, Russland, in die arabischen Emirate, nach Kolumbien und in den Iran. Biografie – Peter Stamm 16.6.2026
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Eis am Lendkanal nach den Lesungen…
und zum Wörthersee…
Foto: Peter Stamm _ Stefania_Samadelli
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Lendkanal/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Anna Maria Praßler, Schriftstellerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 2011
Liebe Anna, Du hast 2011 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Hitze allerorten und eine flirrende Aufgeregtheit.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Dass es inmitten dieser ritualisierten Arena der Leidenschaften immer wieder zu ganz puren und unmittelbaren, intimen Begegnungen mit Literatur kommt.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Für mich war es die erste Lesung meines Lebens, ich fand sie geglückt, worüber ich erleichtert war. Die Jurydiskussion habe ich anschließend tranceartig erschöpft zur Kenntnis genommen.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Die Wirkung (leider): eine literarische Blockade. Ich habe erstmal nur noch Drehbücher geschrieben.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Diversität, Vielstimmigkeit, Impulse mit gesellschaftlicher Relevanz.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum inKlagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Bitte bleibt neugierig und mutig. Taucht ein-auf-ab-unter, stürzt euch in dieses große Abenteuer der Literatur, immer wieder aufs Neue, ohne zu wissen, was herauskommt. Happy Birthday, Bachmannpreis!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Anna Maria Praßler, Schriftstellerin
Zur Person: Anna Maria Praßler, Jahrgang 1983, studierte Film- und Theaterwissenschaft, Psychologie und Drehbuch in Berlin, Los Angeles und Bologna. 2013 war sie mit ihrem ersten Langfilmdrehbuch „Schuld sind immer die anderen“ für den Deutschen Filmpreis (Bestes Drehbuch) und den Grimme-Preis nominiert. Anna Maria Praßler las 2011 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt und veröffentlicht seit 2021 auch Werke für Kinder (u.a. bei Klett Kinderbuch und Oetinger). Ihr Kinderroman „Keine Party ist auch keine Lösung“ (Klett) ist aktuell für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. 2026 erhielt sie das Kranichsteiner Kinderliteraturstipendium.
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Klagenfurt/Alter Platz Sonnenuntergang am Kärntner See
Foto: _ Anna Maria Praßler _ Lendita Mulaj
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Kärnten/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig
im Interview _ Silvia Szymanski, Schriftstellerin _ Aachen/D
Bachmannpreisnominierte 1998
Liebe Silvia, Du hast 1998 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Ich fand es super, dass ich gleich am Anfang die Kollegen John von Düffel und Leander Scholz kennen gelernt habe. Sie waren auch nominiert, und wir haben uns gut verstanden. Peter Wawerzinek erzählt ja in deinem Interview, wie unbekannt ihm der Preis und überhaupt die ganze Szene war. Bei mir war das ganz ähnlich. Ich liebte Literatur sehr, kannte mich aber im „Literaturbetrieb“, wie viele das nannten, überhaupt nicht aus. Aber der Wörthersee war malerisch, und es war mir eine Ehre, darin zu schwimmen. Ich erinnere mich an ein gemütliches Restaurant; da waren kurz zuvor Fische in den Aquarien gestorben, weil der Blitz eingeschlagen war. Ich hab auch mit vielen Kollegen auf einem Platz in der Stadt die Live-Übertragung eines wichtigen Fußball-WM Spiels gesehen – und das traditionelle Amateurfußballspiel der Literaturleute gegen den ORF, auf einem kleinen Fußballplatz in Klagenfurt, bei dem mein sehr netter und lustiger Lektor Rainer Moritz Schiedsrichter war.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Für mich war es die Festivalatmosphäre, in die die ganze Stadt involviert war. Und für die Leute, die den Literaturbetrieb schon kannten, war die Veranstaltung wie eine Klassenfahrt. Sie trafen viele Bekannte, man war viel draußen, saß unter Bäumen. Ich mag es im Grunde sogar, dass der Bachmannpreis ein Wettbewerb ist. Das macht es spannend. Allerdings kann man das nur genießen, wenn man es als Spiel sehen kann. Mir gelang das damals, weil ich ein Neuling war und mit so einer Einladung überhaupt nicht gerechnet hatte. Es war mir egal, dass ich letztlich nichts gewonnen habe Wenn man aber schon länger dabei ist und um Anerkennung kämpfen muss, ist es härter. Da kann ich die KollegInnen verstehen, die unter manchen Geringschätzigkeiten der Jurys gelitten haben.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Auch da gebe ich Peter Wawerzinek recht: Die eigentliche Veranstaltung (also abgesehen von dem charmanten Drumrum) hatte, zumindest damals, auch was Biederes. Die Jury bestand aus vielen Leuten, die studierter und versierter waren als ich und denen mein Stoff – ein Girl in einer kleinstädtischen Chemischen Reinigung, das sich nach der weiten Welt der Rockmusik sehnte – eher fremd war. Ich hatte bei der recht autobiographischen Story an Irmgard Keun gedacht und mir mit ihren Büchern Mut gemacht. Ich freute mich über die verständnisvolle Bemerkung Robert Schindels in der Jury, er hätte sich in meinem Text noch einen Huckleberry Finn gewünscht, als Kontrapunkt zu meinem weiblichen Tom Sawyer. Das kam dem, was ich im Sinn hatte, ziemlich nahe.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ich habe ihn zu lange nicht mehr gesehen und kann das nicht beantworten.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Habt Spaß, seid freundlich, und lasst alles andere von euch abperlen!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Silvia Szymanski, Schriftstellerin
Zur Person: Silvia Szymanski, 1958 in Merkstein bei Aachen geboren, war u. a. Sängerin/Songwriterin der Band „The Me-Janes“ und veröffentlichte 1997 ihren Debutroman „Chemische Reinigung“. Weitere Romane, Storys und Artikel folgten. Seit 2011 schrieb sie zudem regelmäßig u. a. für das Online-Filmmagazin „Hard Sensations“. Seit 2025 ist sie Redakteurin des Online-Filmmagazins „critic.de“.
ORF Studio _ Klagenfurt _ vor der Preisverleihung 2015
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.