Die Schokobusserl von Tante Andula. Wenn Rezepte Geschichten erzählen. Marie-Theres Arnbom. Amalthea Verlag.
Die Geschichte dieses Buches beginnt mit einem Verlagsbesuch und der Übergabe von drei historischen Familienkochbüchern. Ein Erbe, das jetzt einen guten Platz der Erinnerung, Aufarbeitung in seiner so weitrechenden Geschichte von Teller, Gesellschaft, Kultur, Politik, Verfolgung, Leben und Tod finden sollte. Drei kleine Bücher zu Küche und Tisch, in denen so viel steckt…
Jetzt braucht es noch jemanden, die diesen Küchenschatz heben und in seiner weitreichenden, verzweigten Gesellschafts-, Kulturgeschichte ins Licht setzen kann.
Und das ist die so versierte Wiener Autorin Marie-Theres Arnbom, die sich mitten hinein in Küche und Leben stellt und in einmalig kompetenter Weise recherchiert, verbindet, erläutert und so ein unvergleichliches Familienepos entstehen lässt, das in seinen hergestellten Verbindungslinien begeisternd wie in Ereignis und Dramatik erschütternd staunen lässt.
Das „große Backen“ ist hier also eines von Zeitgeschichte, Familie (in vielen beeindruckenden historischen Fotos/Dokumenten) und Küchengeheimnissen, die dunkelste Zeiten überdauerten und die hier in einfacher Anleitung wunderbar selbst auf den Tisch gezaubert werden können.
„Ein süßes wie dramatisches Geschichtsbuch der Sonderklasse!“
Die Schokobusserl von Tante Andula. Wenn Rezepte Geschichten erzählen. Marie-Theres Arnbom. Amalthea Verlag.
Gebunden, 240 Seiten
ISBN-13: 978-3-99050-306-5
1. Auflage, mit zahlreichen Abbildungen durchgehend vierfarbig,
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
MALINA _ Akrostichon
Text _ Jozej Strutz, Schriftsteller _ Klagenfurt/Celovec
Performance _ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23, folgende
INGEBORG
Innehalten heißt hinaushören
Neue Tonarten erfinden
Geigenspiel malen
Eine Wortmusik tanzen
Betörendes Singen in der Beatrixgasse
Odysseus‘ Ohr an meiner Türe
Regenstimmung und Heimkehr
Gegenwind
Josef Strutz, 9.3.26
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
MALINA _ Akrostichon
Text _ Jozej Strutz, Schriftsteller _ Klagenfurt/Celovec
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Jozej Strutz, Schriftsteller
Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Jozej Strutz _ privat.
Fotos: Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23.
in Akrostichon-Erinnerung _ Gabriela Kasperski, Schriftstellerin_ Zürich
Als Kind hatte ich Sehnsucht nach dem Meer, immer. Wo ich nie war. Dafür hatte ich einen Atem für Bücher. Freiheit und Liebe, haben mich interessiert, vor allem aber die Frauen, Frauen und Freiheit. Ich fand sie bei Agatha (Christie), François (Sagan), Silvia (Plath), bei Patricia (Highsmith), bei Marguerite (Duras) und bei Simone (de Beauvoir), Ikonen.
Nur eine habe ich ausgelassen. Fiel mir nicht leicht, aber….sie war ja mal mit dem Max (Frisch) liiert, und ich, aus der Schweiz, genauer gesagt, aus Zürich, mit Wurzeln im Tessin, junge Literaturstudentin und Schauspielerin, ich war mit dem Max dauernd auf Kriegsfuß, konfrontiert.
Aber dann, endlich, die gestundete Zeit, und das Ich-Gedicht. Da war ich angefixt und wollte NIEMALS mehr aufhören zu lesen, mich an Malina gewagt. Weil mir der Name so gefiel. Nur als ich merkte, dass damit (vordergründig, beim flüchtigen Lesen) ein Mann gemeint war, erfolgte das Weglegen des Buches, und schließlich (zum Glück) das wieder Vorholen, das Verschlingen, nicht verstehen, erahnen, erfühlen. Nochmal verschlungen. Ausgelesen. Und jetzt wieder vorgeholt, die politische Dimension gelesen und die Zärtlichkeit gespürt, die Einsamkeit. Das Einschlafen, das Zucken, das Verdunkeln, die Tränen, die zu weinen gewesen wären, und die Kreuzung, die weder bezaubert, noch sprachlos macht. Bilder, die bis heute geblieben sind, und an jeder Kreuzung auftauchen. (wie kürzlich in Chartres, in der Anfahrtsstraße, weit entfernt von der Kathedrale.) Wahrnehmungsschärfe, die brüchige Welt, das Unausgesprochene, Sprache, die wehtut und tröstet und brilliert, Grenzen überschreitet und einen mitunter auch einfach von A nach Z bringt… aber vor allem: Figuren, in ihrer Erschütterung, Sehnsucht, Verletzlichkeit und Schönheit. Alle, nicht nur die Frauen.
Meer
Atem
leicht
Ich-Gedicht
NIEMALS
Alle
Herzlichen Dank für diesen Beitrag in MALINA_Akrostichon/Erinnerung!
Gabriela Kasperski, Schriftstellerin
Zur Person _ Gabriela Kasperski, Autorin von Kriminal-bis Kinderroman. Gabriela Kasperski ist studierte Anglistin, war als Moderatorin im Radio- und TV-Bereich tätig und stand als Theaterschauspielerin auf vielen Bühnen. Heute lebt sie als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Zürich, London und der Bretagne und arbeitet als Dozentin für Synchronisation, Figurenentwicklung und Kreatives Schreiben.
Sie arbeitet mit verschiedenen Verlagen zusammen. Ihre Bücher wurden mehrfach nominiert und ausgezeichnet. 2020 erhielt sie das KIMI-SIEGEL für Diversity und die Lesefieber-Feder für ihre YESHI-Reihe. 2024 erhielt sie den Zürcher Krimipreis für ZÜRCHER VERSTRICKUNGEN – Ein Krimi über die kolonialen Spuren der Stadt Zürich
Sylvester Stallone *6.Juli 1946 New York City, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent – ein Name, der für eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte an den Kinokassen der 1970/80er Jahre (Rocky, Rambo) und darüber hinaus bis in die Gegenwart steht wie auch für eine unglaubliche Lebensgeschichte von Wille, Mut, Ausdauer und Konsequenz. Ein Weg eines der größten Filmstars Hollywoods, der in unverwechselbaren selbstbewussten Rollencharakteren and actingskills Generationen begeistert.
Doch wo hatte dieses Leben seinen Ausgangspunkt? Wie war der Weg zum Schauspiel und wie gelang der große oscargekrönte Durchbruch? Was waren und sind persönliche Grundsätze und Leitlinien eines der größten Hollywoodstars?
In einer über dreihundert Seiten starken Autobiographie legt Sylvester Stallone Lebensschritte wie Licht und Schatten eines Künstlerlebens dar und bietet nie gewährte Einblicke vor und hinter der Kamera.
Sylvester Stallone, The Steps. Die Geschichte meines Lebens. C.Bertelsmann Verlag
Im Interview _Robert Eichenauer, Schriftsteller _ Graz
Lieber Robert, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein persönlichster Zugang zu Ingeborg Bachmann ist „Das dreißigste Jahr“. Ich habe das Buch tatsächlich gelesen, als ich selbst dreißig wurde. Natürlich nicht ganz zufällig, der Titel hatte mich gerade deshalb neugierig gemacht. Und vermutlich liest man eine solche Erzählung in diesem Alter anders als mit zwanzig oder mit sechzig.
Mich hat damals dieser Moment beschäftigt, in dem ein Mensch beginnt, sein bisheriges Leben grundsätzlich infrage zu stellen. Mit dreißig liegt scheinbar noch fast alles vor einem, gleichzeitig ist aber schon genug Leben vergangen, um sich fragen zu müssen: Bin ich eigentlich der geworden, der ich sein wollte? Wie viel von meinem Leben habe ich selbst bestimmt, wie viel hat sich einfach ergeben?
Diese Fragen sind mir von der Erzählung stärker in Erinnerung geblieben als einzelne Sätze oder literaturwissenschaftliche Deutungen. Das Buch begegnete mir zum richtigen Zeitpunkt meines Lebens. Und einige seiner Fragen beschäftigen mich bis heute.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Für mich ist es vor allem die Verbindung von sprachlicher Präzision und großer innerer Unruhe. Bachmann misstraut allem. Sogar der Sprache selbst, die ihr Werkzeug ist. Ihre Texte lassen einen nie beruhigt zurück. Sie können sperrig sein, manchmal verstörend, aber sie haben eine enorme Intensität. Und sie traut ihren Leserinnen und Lesern etwas zu. Sie erklärt nicht alles.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Natürlich „Malina“, weil sich darin viele ihrer großen Themen auf radikale Weise verdichten. Aber „Das dreißigste Jahr“ bleibt für mich der persönlichere Text.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Erschreckend aktuell. Nach Jahrzehnten, in denen die patriarchale Welt Stück für Stück zurückgedrängt wurde, hat vor einigen Jahren eine gefährliche Gegenbewegung eingesetzt. Politiker wie Trump, Putin oder Orban drehen das Rad der Zeit zurück. Was ich an Bachmann interessant finde, ist, dass Gewalt bei ihr nicht erst dort beginnt, wo jemand zuschlägt. Sie steckt auch in Beziehungen, Abhängigkeiten, Erwartungen und in der Sprache. Menschen können einander zerstören, ohne dass nach außen etwas Spektakuläres geschieht
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Hoffentlich anders. Weniger besitzergreifend vielleicht. Aber die Liebe ist am Ende ein sehr persönliches Gut. Ich hoffe im Übrigen, dass nicht alle Männer unheilbar krank sind.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Das klingt nach einer Romantisierung des Künstlers. Niemand wird gezwungen zu schreiben, dieses „Martyrium“ auf sich zu nehmen. Was sie vielleicht damit gemeint haben könnte: Schreiben bedeutet, den Dingen auf den Grund zu gehen, sie stärker auszuleuchten. Dabei fördert man manchmal auch Unerfreuliches zutage.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Ihre Beschäftigung mit Sprache. Bachmann fragt immer wieder danach, ob unsere Sprache überhaupt ausreicht, um das auszudrücken, was in uns vorgeht. Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass es für eine Schriftstellerin natürlich kein anderes Werkzeug gibt.
Mich interessiert außerdem ihr Außenseitertum. Viele ihrer Figuren finden keinen selbstverständlichen Platz in der Welt. Sie beobachten, zweifeln, versuchen auszubrechen und scheitern mitunter daran. Das ist ein literarisches Motiv, das mich sehr beschäftigt. Der Außenseiter sieht eine Gesellschaft häufig genauer als derjenige, der vollkommen in ihr aufgeht.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ob sie auch längere Lebensphasen hatte, in denen sie glücklich war.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Nach „Die Außenseiterin“ arbeite ich an einem neuen Roman, in dem wieder Menschen im Mittelpunkt stehen, die mit gesellschaftlichen Erwartungen und mit ihren eigenen Vorstellungen von Freiheit in Konflikt geraten. Mich interessiert dabei besonders die Frage, was Freiheit eigentlich bedeutet. Und welchen Preis wir bereit sind, für sie zu bezahlen. Das Buch soll im Herbst 2027 erscheinen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten.“
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Napoleon Bonaparte, Kaiser Napoleon I. * 15. August 1769 Ajaccio/Korsika +5. Mai 1821 St. Helena/Südatlantik. Ein Herrscher und eine Epoche, die Frankreich und Europa tiefgreifend veränderte und deren Folgewirkungen für die gesellschaftspolitische Entwicklung bis heute manifest sind.
Doch wie begann dieser Lebensweg und Aufstieg eines korsischen Offiziers zum Feldherrn und Kaiser, der in Schlachtfeld und gesellschaftlicher Reform Europa verheerte, veränderte und prägte?
Welche Persönlichkeit war Napoleon? Was trieb ihn an und was ließ ihn schließlich endgültig scheitern?
Bart Van Loo, Historiker, Schriftsteller wie renommierter medialer Geschichts-, Kulturvermittler, legt eine umfassende wie profunde 600 Seiten starke Biographie wie Gesellschafts-, Kultur- und Politgeschichte der Zeit Napoleons vor, welche in ihrer wissenschaftlichen Qualität wie der narrativen Vermittlung in Wort wie Bild (ausführlicher wunderbarer Bildteil) beeindruckt wie begeistert.
In fünf gut gegliederten Kapitel wie einem ausführlichen Anhang (Zeittafel, Quellen, Personenregister, u.m.) entsteht ein Panorama einer Epoche von der französischen Revolution und ihren Folgen in der Herrschaft Napoleons bis zu dessen Scheitern und Tod im Exil, in welches Leserin und Leser in großartiger Zeitreise eintauchen können.
„Eine unvergleichliche Zeitreise zu Aufstieg und Ende einer Epoche!“
Napoleon. Der Schatten der Revolution. Eine Biografie. Van Loo, Bart. C.H.Beck Verlag.
Gebunden, 677 S., mit 35 farbigen Abbildungen und 2 Karten
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Regina Lehrkind, Autorin, BuchMentorin
Zur Person: Regina V. Lehrkind, geboren in Trepuzzi / Italien, aufgewachsen in Hagen / Westfalen. Nach dem Abschluss der Lehre zur Rechtsanwalt- und Notarsgehilfin, studierte sie an der ISL Hamburg BWL / Marketing mit dem Schwerpunkt Absatzwirtschaft. Im Folgenden bildete sie sich zur geprüften Personalmanagerin weiter. Regina Lehrkind ist selbstständig in den Bereichen Personalmanagement, Marketing und Officemanagement.
Seit 1986 schreibt Regina Lehrkind Lyrik und Kurzprosa. Sie war Mitglied der Autorengruppe Bleisatz in Hagen, war 1. Vorsitzende der Autorinnenvereinigung e.V. und ist Mitglied der Lyrikgesellschaft e.V.Leipzig, Lesungen u. a. in Flensburg (D), London (GB), Retz (A). Autorin – Regina Lehrkind 27.7.26
Im Interview _ Regina Lehrkind, Autorin, BuchMentorin, Hagen NRW
Liebe Regina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Erste Begegnungen mit Ingeborg Bachmann hatte ich während meiner Schulzeit – vorwiegend mit ihren lyrischen Werken. Ich war fasziniert von ihrer Sprache. Für mich Sprachkunst, geboren aus Sensibilität und Sehen. Ein enger Dialog mit den Erlebnissen aus ihrem eigenen Leben (Krieg, Gewalt, Einsamkeit, Liebe).
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ingeborg Bachmann hat ihr Ziel zu Schreiben konsequent verfolgt. Das zu einer Zeit, in der es wenig publizierende Frauen gab und über die gesprochen wurde. Ihre Werke lassen sich nicht einfach so lesen. Sie wollen bewusst und langsam gelesen werden. Sie hinterlassen Spuren. Es ist eine Entdeckungsreise, die immer wieder Neues zu Tage und einen zum Nachdenken bringt.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Für mich die „Gestundete Zeit“, als erste Begegnung mit den Werken von Ingeborg Bachmann. Malina – ein Werk in einer Form, die für mich ungeformt erscheint. Ich nehme es immer wieder gerne in die Hand und stöbere in den Zeilen.
Ihre Gedichte lassen mich in diesen von Hektik und Schnelllebigkeit gefluteten Zeiten in andere Welten abtauchen. Sie ermöglichen mir in Sprachräumen durchzuatmen. Sie werden mich immer begleiten.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Malina ist für mich ein gutes Beispiel, wie aktuell die Gesellschaftskritik von Ingeborg Bachmann ist. Im Laufe der Jahre scheint es kaum Veränderung gegeben zu haben. Frauen scheinen sich in der patriarchalen Welt anzupassen. Diese Welt ist geprägt von Selbstzerstörung und Zerstörung, Gewalt wird geleitet, statt beendet. Ein kranker Zustand.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
In Punkto Liebe/lieben hatte Ingeborg Bachmann wenig Einfluss auf mich. Liebe ist weit mehr als nur ein romantisches Ideal. Liebe setzt sich aus Respekt, Wertschätzung, Vertrauen, Ehrlichkeitkeit, u.s.w. zusammen. Dazu sollte man sich selbst sehr gut kennen, sich selbst lieben und wissen, was man für sich möchte. Liebe ist ein dauerhafter Prozess aus Loslassen, Anerkennen, Reflexion und bewussten Entscheidungen.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Das ist mir zu allgemein. Kunst ist so viel mehr … Sie vermittelt Freude, Provokation, Leidenschaft, ästhetisches Miteinander. Eine Bereicherung des Lebens mit neuen Perspektiven.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Schreiben ist Handwerk. Das ist in ihren Werken spürbar (schleifen, feilen, hämmern…). Es macht Mut und spornt an, immer wieder den Bleistift zu spitzen und sich zu verbessern.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte mich für ihr wunderbares Werk bedankt. Hat die Liebe zu Italien, das Lebensgefühl, deine Werke beeinflusst? Hast du dich heimatlos gefühlt?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Derzeit arbeite ich an meinem dritten Band GenussHappen gemeinsam mit Christine Carus. Erfolgscode: Geniales Business ist gerade erschienen. Ein weiteres Projekt formt sich.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
»Lesen ist ein Laster, das alle anderen Laster ersetzen kann oder zuweilen an ihrer Stelle intensiver allen zum Leben verhilft, es ist eine Ausschweifung, eine verzehrende Sucht. Nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir, Präferenzen habe ich freilich auch, viele Bücher bekommen mir nicht, einige nehme ich nur am Vormittag ein, andere nur in der Nacht, es gibt Bücher, die ich nicht loslasse, ich ziehe herum in der Wohnung mit ihnen, trage sie vom Wohnzimmer in die Küche, ich lese stehend im Korridor …«
Aus dem Roman Malina
Herzlichen Dank für das Interview!
Regina Lehrkind, Schriftstellerin
Zur Person: Regina V. Lehrkind, geboren in Trepuzzi / Italien, aufgewachsen in Hagen / Westfalen. Nach dem Abschluss der Lehre zur Rechtsanwalt- und Notarsgehilfin, studierte sie an der ISL Hamburg BWL / Marketing mit dem Schwerpunkt Absatzwirtschaft. Im Folgenden bildete sie sich zur geprüften Personalmanagerin weiter. Regina Lehrkind ist selbstständig in den Bereichen Personalmanagement, Marketing und Officemanagement.
Seit 1986 schreibt Regina Lehrkind Lyrik und Kurzprosa. Sie war Mitglied der Autorengruppe Bleisatz in Hagen, war 1. Vorsitzende der Autorinnenvereinigung e.V. und ist Mitglied der Lyrikgesellschaft e.V.Leipzig, Lesungen u. a. in Flensburg (D), London (GB), Retz (A). Autorin – Regina Lehrkind 27.7.26
im Interview _Klára Hůrková,Schriftstellerin _ Aachen/D.
Liebe Klára, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Bachmann wurde in Prag der 70. und 80. Jahre, als ich zu Schule und zur Uni ging, nicht ein Teil des Curriculums – sie gehörte wohl zu den sogenannten „bourgeoisen Schriftsteller*innen“, die das damalige Regime ablehnte. Deshalb lernte ich ihr Werk erst viel später kennen, durch eine deutsche Freundin, die über „Malina“ ihre Abschlussprüfung gemacht hat. Ich mag vor allem Bachmanns Gedichte und Erzählungen, zum Beispiel „Undine geht“. Schon seit meiner Kindheit war ich von Feen, Rusalkas, kleinen Meerjungfrauen, Nymphen und Undinen fasziniert – Ich glaube, Ingeborg Bachmann war selbst so ein Wesen…
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Sie denkt und schreibt in sehr eigenen, wunderschönen Metaphern und Vergleichen. Gleichzeitig ist ihre Sprache musikalisch. Beides – das Bildhafte und das Musikalische – macht die große Poesie aus. Sie will immer die Tiefe berühren, die Wahrheit finden, und obwohl sie über eine umfangreiche Kenntnis der abendländischen Ideenwelt verfügt, geht sie kompromisslos von ihren eigenen subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen aus, die sie artikuliert, strukturiert und durch ihre Kunst auf eine allgemeine Ebene hebt.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Ich bewundere ihre Gedichte aus den beiden Sammlungen „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“. Mit zwei Freundinnen habe ich im privaten Kreis über das Buch „Der Fall Franza“ diskutiert, in dem sie ihre großen Themen behandelt – die Unterdrückung der Frauen und die männliche Dominanz, die Krankheit und den Tod. Wir fanden das Buch sehr bedrückend. Ich kann sehr gut verstehen, warum Bachmann die Arbeit daran abgebrochen hat. Die Wahrheitsfindung tut manchmal richtig weh. Jetzt muss ich an Franz Kafka denken, dessen Romane auch Fragmente geblieben sind – vielleicht aus demselben Grund. Bei „Malina“ ist es Bachmann immerhin gelungen, das Werk zu vervollständigen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich würde ihr sagen: „Danke dafür, dass Sie sich für alles Schwache und Unterdrückte und für die Poesie im weitesten Sinne eingesetzt haben! Ihr Leben war viel zu kurz, aber Sie haben sehr viel getan und viel erreicht.“
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich schreibe wie immer Gedichte über alles, was mich berührt und beschäftigt. Darüber hinaus versuche ich schon seit langem, Prosa zu schreiben über mein Ankommen in Deutschland und die ersten Jahre meiner Emigration. Aber das ist sehr schmerzhaft und ich breche es immer wieder ab…
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Deck mir, Nacht, die Augen / mit dem Narrenhut.“ (Heimweg. In: Anrufung des Großen Bären)