„eine Neukomposition von Sprache“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Harald Kappel, Schriftsteller _ Aachen 19.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Harald Kappel

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse in ihrer Wohnung Bocca de Leone, Rom

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Harald Kappel, Schriftsteller

Lieber Harald, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ihre Lyrik ist hochmusikalisch. Es gibt Pausen, harte Schnitte, Rhythmisierungen, Wiederholungen. Man könnte sie auch als Partituren bezeichnen. Der Atem bricht an der richtigen Stelle und wird zum Widerstand gegen sich selbst.

Dies ist für mich nicht nur ein Zugang, denn mein letzter Gedichtband „KárKár“ basiert auf Onomatopoesie, Lauten und musikalischen Textrhythmen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre Rolle als Verwüsterin des Inneren bei gleichzeitiger Neukomposition der Sprache.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

„Die gestundete Zeit“…weil man hier die Gedichte hören muss, um ihre Spannung, ihren Rhythmus und ihre Liedartigkeit zu fühlen.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Das Patriarchat tritt in ihren Texten als unsichtbare Gewalt auf. Ihre Sprache wird zu Tatorten. Es ist keine körperliche Gewalt notwendig, um Täter zu sein. M.E. hat sich bis heute in den meisten Ländern nicht allzu viel geändert. Manchmal scheint es sogar das Gegenteil zu sein.

In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?

Chronologien bestehen aus Lügen und werden von den Mächtigen für ihre Zwecke umgedeutet. Die Geschichte ist kein Hintergrund, sondern der Täter. Die Literatur muss weh tun, sie darf die Historie nicht beruhigen, weder die aktuelle, noch die vergangene und auch nicht die zukünftige.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wenn ich ihre Gedichte nachspreche, verändert sich meine Stimme.

Und warum hat ihnen das Lieben so weh getan? Warum?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe einen neuen Gedichtband abgeschlossen, der zur Leipziger Buchmesse 2027 im wunderbaren kul-ja!publishing Verlag erscheint.

Ein kleines Kinderbuch ist letzte Woche fertig geworden und begibt sich (hoffentlich) auch auf eine literarische Reise…und ganz aktuell arbeite ich an einem Roman, der meine Gedanken sehr beschäftigt. (…es geht um Raum und Zeit, das Ich und das Verschwinden…)

Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten? Dann natürlich:

„Ich weiß nicht, wer ich bin, ich weiß nur, dass ich verschwinde.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Harald Kappel, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze.

Foto: Harald Kappel _ Künstlerin „Márti“

Walter Pobaschnig   3.2.2026

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„Nach der Sintflut“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Harald Kappel/Lisa Fertner _ Aachen/Salzburg _ 19.2.2026

Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 8/24, folgende _

„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Harald Kappel, Schriftsteller

Performance _ Lisa Fertner, Schauspielerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

MALINA


Meine Stimme

Am Licht

Lässt Worte fallen

In die Ungeduld der Welt

Nach der Sintflut

Aber vor dem Tod

Harald Kappel, 3.2.26

Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 8/24, folgende _

„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Harald Kappel, Schriftsteller

Performance _ Lisa Fertner, Schauspielerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Harald Kappel, Schriftsteller
Lisa Fertner, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Portrait Harald Kappel _ Künstlerin „Márti“

Fotos: Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 8/24

Walter Pobaschnig   3.2.2026

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„die richtige Dosis Surrealismus“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Karla Mahler, Künstlerin _ Wien 18.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Karla Mahler

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien.

Liebe Karla, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Als Frau finde ich mich sehr in ihren Texten wieder. Sie sind tief und klar.

Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26, folgende.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Meiner Meinung nach haben ihre Texte genau die richtige Dosis Surrealismus, um bis ins Mark zu treffen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Nein, aber eine Passage. Die hebe ich mir auf für das Zitat, denn da erzählt sie von einem Traum. Sie schafft es so elegant, all diese  surrealen Elemente plastisch und zeitlich stringent darzustellen.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Aktuell wie eh und je. Leider erleben wir einen wieder aufkeimenden Konservativismus, der sich für mich aus den unerledigten Aufgaben erklären lässt, die Männer vor sich hergeschoben haben. Das alte, hierarchisch aufgeladene Bild der „Männlichkeit in Beziehung“ ist bei vielen noch nicht durch eine Version ersetzt worden, die in Gleichwertigkeit mit Frauen leben und gedeihen kann, sondern hat sich nur in Ratlosigkeit und Vorwürfe gegen Frauen zersetzt. Als hätte die Gleichberechtigung ihnen etwas genommen, klammern sie sich an Klischees von Männlichkeit, als ginge es um ihr Leben. Stichwort „Male loneliness epidemic“: Je unsicherer das Ego, desto gekränkter trifft sie, dass Frauen lieber alleine bleiben, als der Zerrspiegel von ihnen zu werden und sich von Möchtegern-Alphamännchen dominieren zu lassen.

In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?

Ich sehe, wie Geschichte durch sie wirkt, wie sie versucht, Unsagbares greifbar zu machen. Dies trifft auf die historische Ebene meiner Meinung nach genauso zu, wie auf ihre persönliche Geschichte. Bei beidem deutet sich Grauen an, das sich der Verständlichkeit entzieht. Ob wir nun in uns hinein- oder in die Welt hinaussehen, historisches Verständnis zum Gewesenen ist immer essentiell, sonst sind wir zur Wiederholung verdammt.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich wäre mit ihr spazieren gegangen, durchs Ungargassenland. Hätte lieber langsam angefangen. Still, nebeneinander her spazierend. Bei einer Zigarette und einem Kaffee im Malipop hätte ich sie dann vielleicht gefragt: „Warum?“ Damit hätte ich  einfach eine Einladung ausgesprochen, so offen wie sie möchte, über sich zu erzählen. In einem journalistischen Rahmen würde man das ein unstrukturiertes Interview nennen. Zum Beispiel, warum sie nach Wien gezogen ist, warum sie sich für ihre Studienrichtungen entschieden hat, warum Malina eigentlich Malina heißt. Eine offene Frage zu stellen hätte es ermöglicht, so zu antworten, wie die Bachmann es als passend empfunden hätte. Von seicht bis tief ist bei dieser Frage alles möglich.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Meine nächsten Texte kann man auch wieder im Magazin buntesAT lesen. In der ersten diesjährigen Ausgabe gibt es  Interview mit Etchika Pollex zu lesen und anschließend, in der Frühlingsausgabe, wahrscheinlich ein Text zum Thema Widerstand. In meinem nächsten Fotoprojekt werde ich mich mit Cyanotypien beschäftigen. Ich bin schon gespannt, wie die werden.

Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten?

„Die Elemente der Welt sind noch da, aber in einer so schaurigen Zusammensetzung, wie sie noch nie jemand gesehen hat. Autos rollen herum, von Farben triefend, Menschen tauchen auf, grinsende Larven, und wenn sie auf mich zukommen, fallen sie um, sind Strohpuppen, gebündelte Eisendrähte, Pappfiguren, und ich gehe weiter in dieser Welt, die nicht die Welt ist, mit geballten Fäusten, ausgestreckten Armen, um die Gegenstände, die Maschinen, abzuwehren, die auf mich auffahren und zerstieben, und wenn ich vor Angst nicht mehr weiterkann, mache ich die Augen zu, doch die Farben, leuchtend, knallig, rasend, bekleckern mich, mein Gesicht, meine nackten Füße,…“ (Bachmann. Malina. 31. Aufl. Suhrkamp, Berlin:183)

Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26, folgende.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Herzlichen Dank für das Interview!

Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26, folgende.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26
_
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.

Walter Pobaschnig, 8.2.2026

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„Lieben wollen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Karla Mahler, Künstlerin _ Wien 18.2.2026

Karla Mahler, KünstlerinModel _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26, folgende.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

INGEBORG MALINA UNDINE GEHT _  Akrosticha

Text & Performance _  Karla Mahler, KünstlerinModel _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Karla Mahler, KünstlerinModel _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26, folgende.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

INGEBORG      MALINA    UNDINE GEHT

Ich in ihrer Haut beim Lesen, ob

Nass triefend nun das Haar kleine Bäche über den Rücken formt, oder

Gleichgültigkeit in den leblosen Augen eines Gegenübers

Einen Schatten über das Leben legt.

Bin ein Teil ihrer Geschichte, die sich kollektiv in Fragmenten in uns allen findet.

Orte wechseln, Namen sind anders.

Rastlosigkeit wird gefühlt und bearbeitet, aufgelöst in der

Gegenwart, wo alles ist, was sich sagen lässt.

,



M
ir ist sie nah, mit all den

Andeutungen und dem Versuchen und dem naiven

Lieben wollen.

Innerlich treiben wir alle beim Lesen in diesem Meer an Halbheiten, an

Nichts, das alles Mögliche mit sich fortschwemmt bis

Ans Ende der Geschichte.

&


U
nd wenn wir uns einmal treffen würden, im Ungargassenland,

Nebenher würde ich gehen, neugierig auf das was kommt,

Die typische Situation:

Ich wäre fremd;

Nicht gesehen im Auge der Bachmann,

Ein Wimpernschlag in der Zeitlosigkeit. Und doch:

Gesehen in den

Erzählungen.

Hinein in die Aufarbeitung hat sie sich schreiben getraut.

Ein Spalt hat sich geöffnet und hindurch gegangen sind wir. Wer wir waren, sind wir nicht mehr.

Nie mehr gehen wir zurück.

Karla Mahler, 8.2.2026

Karla Mahler, KünstlerinModel _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26, folgende.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

INGEBORG MALINA UNDINE GEHT _  Akrosticha

Text & Performance _  Karla Mahler, KünstlerinModel _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Karla Mahler, KünstlerinModel _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Karla Mahler, KünstlerinModel _ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig, 2/26
 _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.

Walter Pobaschnig, 8.2.2026

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„Insights“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text& Performance _ Roman Seeliger, Kabarettist _ Wien 17.2.2026

Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _  Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

MALINA


Musikalische

Analysen

liefern

Insights

nur

ansatzweise.

Roman Seeliger,  27.1.2026



Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _  Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26 _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26_
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.

Walter Pobaschnig, 27.1.2026

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„Musik schwingt in Bachmanns Sprache mit“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Roman Seeliger, Kabarettist _ Wien 17.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Roman Seeliger

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Im Interview _ Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist

Lieber Roman Seeliger, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ingeborg Bachmann wollte ursprünglich Komponistin werden, und so schwingt die Musik in manchem ihrer Werke mit oder rückt zum Teil sogar in den Fokus ihrer Betrachtungen. Schon als jungen Pianisten haben mich ihre Fragen aufgerüttelt: „Was aber ist Musik?“ „Was hat dich so gebeugt und was hat dich so erhoben?“ „Was ist es?! Gib Antwort! – ‚Still!'“

Die Musiktheorie, sei es die Harmonielehre, sei es die Formenlehre, sind meines Erachtens nur analytische „Kochrezepte“, können aber das Mysterium der Musik nicht zur Gänze erklären. Musik und ihre Wirkungen bleiben ein wundersames Geheimnis. Ingeborg Bachmann hat mir das durch einen ihrer Essays sprachlich verdeutlicht.

Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Für mich waren ihre symbolhaften sprachlichen Bilder prägend. Manche Sätze aus dem Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ haben mich im Deutschunterricht angeregt, sie weiterzudenken. Ich konnte mich der Magie ihres sprachlichen Ausdrucks nicht entziehen. „DU KANNST ES NICHT HALT!“ Auch die Sinnlosigkeit der Anhäufung von Gütern in unserem Leben wurde mir durch Bachmann stärker bewusst. Zumindest habe ich in diesem Hörspiel die Stimmen ohne Timbre (die daher in Blockbuchstaben und ohne Punkt und Beistrich geschrieben sind) als Gymnasiast so gedeutet: „GEHEN BEI GRÜNEM LICHT WEITERGEHEN – DENK DARAN SOLANGE ES ZEIT IST – DU KANNST ES NICHT MIT DIR NEHMEN“.

Außerdem berührte mich ihre Erkenntnis, dass es Grenzen der Sprache gibt, obwohl die Sprache möglicherweise unser bestes  Kommunikationsmittel ist. Hier gibt es für mich eine Parallele zu Wittgenstein. „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ ist ja der berühmte Satz aus dem „Tractatus logico-philosophicus“. Vielleicht fängt die Musik (oder eine andere Kunstrichtung) an, wenn wir im Wittgenstein’schen Sinn schweigen müssen. Ob die Bachmann das so verstanden hat?



Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Wie gesagt, ihre Essays über die Musik und ihr Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“.



Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Bachmann war eine Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frau. Seit der Zeit ihres Wirkens sind die Rechte der Frau in den Gesetzen und in der Praxis deutlich gestärkt worden. Mich würde interessieren, welchen Weg sie vorschlagen würde, um heute eine völlige Gleichstellung zu erwirken.



Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Derzeit spiele ich meine schwarze musikalische Komödie „Veto gegen Keto“ in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich.

Unter dem Motto „Kulinarische Diäten und musikalische Leckerbissen“ stelle ich die Fragen: Wie wird man alt? Mit Sport? Mit Verzicht? Mit einer Keto-Diät, die Kohlenhydrate verteufelt?

Es ist eine Kabarett-&Klaviershow über den ewigen Traum vom langen Leben. Ich schlüpfe in die Rollen unterschiedlicher Persönlichkeiten, die sich mit der Frage herumschlagen, ob maßvoller Genuss vielleicht die bessere Strategie ist als grenzenloser Verzicht.

Sowohl als Komödiant als auch als Jurist ist mir klar, dass ich jede Haftung für ein Leben bis 100 und darüber hinaus ausschließen muss, um das Thema unterhaltsam, satirisch und mehrdeutig verarbeiten zu können. In einer musikalischen Nummer präsentiere ich mich daher als Dummy, der Wahrheiten, die kaum jemand hören möchte, in die schonende Watte eines Harlekins packt („Dem Hofnarren wird niemand grollen, wo’s doch nur hat ein Spaß sein sollen. Ich kann sagen, was ich mag, ich hafte nicht, was ich auch sag‘.“).

Mein Ziel ist es also, das Publikum musikalisch, humoristisch und dramaturgisch zu überraschen. Wie sagen wir Künstler:innen, wenn uns jemand „Toi, toi, toi“ wünscht? Es wird schon schief gehen.


Termine:

Theater Center Forum
1090 Wien, Porzellangasse 50
Donnerstag, 12.2.2026, 20:00 Uhr
Donnerstag, 19.2.2026, 20:00 Uhr
Karten (28 Euro) unter +43 1 3104646 oder kassa@theatercenterforum.com


Haus der Kunst
2500 Baden, Kaiser Franz-Ring 7
Sonntag, 12.4.2026, 11:00 Uhr (Matinee)
Karten (25 Euro) unter +43 699 12345054 oder romanspianobar@gmx.at


Hotel Austria (Museum der Stadt Bad Ischl)
4820 Bad Ischl, Esplanade 10
Samstag, 1.8.2026, 15:00 Uhr (Nachmittagsvorstellung)
Karten (15 Euro, Museumsbesuch inkludiert) unter +43 6132 25476 oder
info@stadtmuseum.at

Herzlichen Dank für das Interview!

Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _
Romanschauplatz Malina Wien _
Walter Pobaschnig 1/26_
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.

Walter Pobaschnig, 27.1.2026

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„Bachmanns Lyrik ist ungemein kraftvoll und vielschichtig“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Boris Greff, Schriftsteller _ Merzig/Saar/D 16.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Boris Greff

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _   Boris Greff _ Schriftsteller

Lieber Boris, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Als Poet liegt mir natürlich ihre Lyrik sehr am Herzen, die ungemein kraftvoll und vielschichtig ist. Dabei hat sie sich später ganz von der Lyrik abgewandt, für sie war dies eine Phase, die zu einem gewissen Zeitpunkt abgeschlossen war, es kamen dann nur noch sehr verstreut ein paar Gedichte nach. Diese Entscheidung muss man natürlich respektieren, dennoch beschleicht mich schon ein leises Bedauern angesichts all der ungeschrieben Gedichte, die sie noch hätte verfassen können. Aber sie wollte sich weiterentwickeln, war kompromisslos, sie wollte nicht, wie sie in einem Fernsehinterview sinngemäß zu Protokoll gab, einfach im gleich Stil, den sie nunmehr virtuos beherrschte, immer weiterschreiben und alle 2-3 Jahre einen neuen Gedichtband veröffentlichen; sie suchte nach anderen Entwicklungsmöglichkeiten und Ausdrucksformen. Dennoch steht mir in ihrem Werk die Lyrik am nächsten.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre immense Energie, ihr Herzblut, ihre Kompromisslosigkeit, ihre Ernsthaftigkeit. Sie sagte einmal über sich selbst, „ich bin die vollkommene Vergeudung. Exstatisch und unfähig, einen vernünftigen Gebrauch von der Welt zu machen.“ Ihre Texte waren immer sehr ernst, sehr eindringlich, es ging oft um Krieg, Leid, existenzielle Bedrohungen, Tod, und das macht ihre Lyrik auch heute noch so lesenswert, im Moment scheinen ihre Zeilen geradezu bedrückend aktuell, wenn sie etwa schreibt: „Der Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das Unerhörte ist alltäglich geworden.“ Dieses Unerhörte, Ungehörte lässt aufhorchen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

„Die gestundete Zeit“ und die „Anrufung des großen Bären“ sind Gedichtbände, die ich jedem Literatur- und Lyrikfan nur ans Herz lesen kann. Einzelne Gedichte daraus hervorzuheben, würde mir schwerfallen. Wenn ich jedoch eines herausgreifen müsste, würde ich „Dunkles zu sagen“ nennen, das ist ein Gedicht, das mir persönlich sehr viel zu sagen hat und das mich sehr beeindruckt. Bereits die eröffnenden Verse „Wie Orpheus spiel ich/ auf den Saiten des Lebens den Tod“ erzeugen hier einen ganz eigenen Tonfall, und auch das verspielte „Und ich gehör dir nicht zu“ unterspült Erwartungen, kokettiert mit Verstehen und Unverständnis, bahnt mit wenigen Worten Pfade in die Unwegsamkeit. Dieses feine Gespür für Schattierungen, dass es nämlich eine Verbindung gibt zwischen „hören“ und „gehören“, dem „Gehör“ oder auch dem „Zuhören“ sowie der „Zugehörigkeit“, zeigt sich immer wieder in Ingeborg Bachmanns Gedichten. Daher lohnt sich auch die regelmäßige, vertiefende Wiederbegegnung mit ihren Texten für mich sehr.      

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ihr Licht strahlt heute genauso hell wie damals; ihre Kritik ist, leider, immer noch genauso notwendig und wichtig wie zu ihren Lebzeiten. Man muss nur die Nachrichten verfolgen und erhält einen lebhaften Eindruck davon, dass es immer noch in vielen Bereichen sehr schwierig für Frauen ist, Fuß zu fassen. Auch, wenn sich viel getan hat, gibt es immer noch etliche Bereiche, in denen sich ein ungehemmtes, destruktives, herabwürdigendes patriarchalisches Denken festgesetzt hat – sowohl in Deutschland als auch in der ganzen Welt.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Mitunter. Das Schreiben als solches wirft einen natürlich gnadenlos auf sich selbst zurück und ist tatsächlich ein einsamer, sehr intensiver Prozess. Wie Hemingway formulierte, „Es gibt nichts am Schreiben. Alles, was man tut, ist, sich an eine Schreibmaschine zu setzen und zu bluten.“  Ob es jedoch auch eine asoziale, sprich von der Gesellschaft abgekehrte, weltabgewandte Existenz ist, weiß ich nicht, ich habe da meine Zweifel. Ich kann jedoch wiederum verstehen, dass man das Schreiben, bei aller Freude, nicht nur als Segen, sondern auch als „Fluch“ empfinden kann, denn dieser Zwang, sich immer wieder in die Tiefen und Untiefen der Sprache zu begeben, kann gleichermaßen zur Erlösung und zur Verdammnis führen – manchmal sogar zeitgleich.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Nun ja, da kann ich als Dichter natürlich nur ehrlicherweise zugeben, dass es mich am meisten interessiert hätte, sie danach zu fragen, was sie von meinen Gedichten hält – falls sie überhaupt zugestimmt hätte, auch nur eine einzige Zeile davon zu lesen. Ansonsten hätte ich ihr gerne gesagt, wieviel ihre tiefe und ausdrucksmächtige Lyrik für mich bedeutet, und was für eine immense Inspiration ihre Verse für mich waren und sind. Ansonsten würde es aber natürlich sehr davon abhängen, wann und wo ich ihr begegnet wäre, in welcher Situation, welcher Gestimmtheit, welchem Kontext. Viel mehr würde mich in jedem Fall interessieren, was sie zu sagen hätte, bevor ich sie mit meinen Gedanken und Fragen konfrontieren würde.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe gerade meinen ersten Roman abgeschlossen, einen Kriminalroman, bei dem es um Kunstraub geht, und der auch eine Hommage an die bulgarische Heimat meiner Frau darstellt. Es ist auch ein Schuss Abenteuerroman mit dabei, man erfährt auch etwas über Kunst, Kultur und Historie des Landes. Dieses Buch wird noch in diesem Jahr im Signum Verlag von Christian Dörge erscheinen. Zudem wird es auch einen Band mit Erzählungen geben, den Heinrich Heikamp und Markus Schönrock im VSH Verlag Schönrock und Heikamp veröffentlichen werden, ebenfalls in diesem Jahr. Anders als Ingeborg Bachmann bleibe ich aber trotz dieser Projekte der Lyrik treu, es wird auch noch einen weiteren Gedichtband im Gill Verlag geben, ebenfalls 2026. Zudem mache ich natürlich weiter die Videos, bei denen ich Werke von lieben Kolleginnen und Kollegen vorstellen und vorlesen darf. Weitere Projekte sind in Planung, aber über diese ungelegten Eier möchte ich allerdings jetzt noch nicht gackern…

Herzlichen Dank für das Interview!

Ich danke dir sehr herzlich, lieber Walter, und verneige mich vor Deiner unermüdlichen Arbeit, die vielen, vielen Kulturschaffenden immer wieder neu Stimme und Gesicht gibt.

Boris Greff, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Boris Greff: privat.

Walter Pobaschnig   1_26

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Wir müssen wahre Sätze finden. Ingeborg Bachmann. Gespräche in Rom und anderswo. Kampa Verlag

2026 – der 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Zahlreiche Veranstaltungen und nicht zuletzt Interviews zu Leben & Werk, der in Klagenfurt geborenen und 1973 tragisch in Rom verstorbenen Schriftstellerin begleiten und prägen das literarische Jahr – Ingeborg Bachmann, wer? Wie sich Werk und Leben dieser so facettenreichen Persönlichkeit nähern? Was sind ihre Grundansichten zu Sprache, Literatur, Gesellschaft, Leben und Sinn?

Der vorliegende Interviewband versammelt nun wesentliche Gespräche und öffnet sehr spannende Zugänge zu Leben und Werk und zu Grundlagen ihres literarischen Prozesses wie jenes um sie. Zudem wird die öffentliche Person Bachmann und ihr Bewusstsein, Umgang damit deutlich.

Die neun Gespräche umfassen den Zeitraum von 1956 – bis kurz vor ihrem Tod 1973 und wurden von Journalisten:innen wie Autorenkollegen:innen geführt und die kompakte Zusammenfassung hier ist ein sehr spannender Wegbegleiter ins und durch das Bachmannjahr wie weit darüber hinaus.

„Ingeborg Bachmann unplugged – eine sehr spannende Ausgabe von Interviews 1956 – 1973.“

Wir müssen wahre Sätze finden. Ingeborg Bachmann. Gespräche in Rom und anderswo. Kampa Verlag

112 Seiten | Gebunden mit Schutzumschlag

€ (D) 22,– | sFr 30,90 | € (A) 22,70

ISBN 978-3-311-14055-9

Walter Pobschnig 2/26

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„Inmitten meines Ich-Selbst dein Viel-Du“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Performance _ Boris Greff/Tea Teko _ Wien 16.2.2026

Tea Teko, Model _
am Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien 1946-53 _
Walter Pobaschnig 1/2020, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text &Performance am Originalschauplatz

INGEBORG_ Akrostichon

Text _    Boris Greff, Schriftsteller

Performance _ Tea Teko, Model

Idee/Text/Regie _ Walter Pobaschnig

INGEBORG

Inmitten meines Ich-Selbst dein Viel-Du.

Nagende Mitternächte noch unbenetzt vom Tau.

Geheimnisvollen Gleichnissen traue ich nicht mehr.

Ewig dauert nur einen Handrücken voller Schweiß,

Balkongeländer brechen, begraben Romeo und Mond.

Ohne dich fürchte ich mich lebendig zu Tode.

Reue ist ruchlos, Ruhe geht in Rauch auf.

Geh jetzt endlich. Bleib aber trotzdem.

Boris Greff, 17.1.26

Tea Teko, Model _
am Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien 1946-53 _
Walter Pobaschnig 1/2020, folgende

Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen, Aufbrüchen in Leben, Liebe, Literatur, die mit dieser Stadt in Wegen, Plätzen, Cafès ganz eng verbunden sind. Es formen sich wesentliche Themen und Schwerpunkte Ihres Schreibens. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin.

Mit Wien bleibt die später in Rom lebende und verstorbene Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text &Performance am Originalschauplatz

INGEBORG_ Akrostichon

Text _    Boris Greff, Schriftsteller

Performance _ Tea Teko, Model

Idee/Text/Regie _ Walter Pobaschnig

Boris Greff, Schriftsteller
Tea Teko, Model _
am Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien 1946-53 _
Walter Pobaschnig 1/2020 , folgende

Fotos:

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Boris Greff: privat 

Fotos: Tea Teko, Model _ am Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien 1946-53 _
Walter Pobaschnig 1/2020

Walter Pobaschnig   2_26

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„als wären wir uns erst kürzlich in Rom begegnet“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Catrin George Ponciano, Schriftstellerin _ Portugal 15.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Catrin George Ponciano

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Catrin George Ponciano, Schriftstellerin, Portugalexpertin, Kulturaktivistin

Liebe Catrin, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Für mich ist es eine Rückkehr zu Ingeborg Bachmann. Ich arbeite selbst als Publizistin, lebe im Ausland und besitze hinsichtlich Europa eine runderneuerte Perspektive auf historische und gesellschaftspolitische Kontext. Ihr Werk lese ich, als wären wir uns erst kürzlich in Rom begegnet. Zwei Fremde, die die ewige Stadt fraglos in ihren Schoß aufgenommen, hätten wir auf einer lauschigen Piazza sitzend Wein getrunken und uns unterhalten. Darüber wie schwer es für Schriftstellerinnen auch heute noch ist, publiziert und anerkannt zu werden, über das Frausein und über die teilweise befremdliche Wahrnehmung von schreibenden Frauen.

Catrin George Ponciano, Schriftstellerin, Portugalexpertin, Kulturaktivistin

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Ingeborg Bachmanns Lektüren führen mich ausschließlich in Ingeborg Bachmanns Denkwelten und Gefühlskosmos, aus deren Konklusionen ihre Texte auferstehen. Dadurch fordert sie mein unbedingtes Einfühlungsvermögen ein, frei nach dem Motto, krieche unter meine Haut bis hinab in meinen Abgrund.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ingeborg Bachmanns zum Teil impulsiv verfasste Notizen fassen mich vom ersten Satz an und leiten mich durch ihren selbstreflektierenden Entwicklungsprozess, der sie zu etwas Starkem und gleichzeitig Fragilen formt. Es sind Sätze wie dieser; Ich glaube, daß die Enge des Tals und das Bewußtsein der Grenzen mir Fernweh eingetragen hat – der mir die Bandbreite ihrer Sehnsucht offenbart und mich verstehen lässt, was Ingeborg Bachmann später dann in Rom empfunden hat, wenn sie sagt, Rom habe sie Leben gelehrt. Rom nahm ihr symbolisch die im Tal empfundene, aufgebürdete von außen erzeugte Enge (Grenzen) und stillte ihr Fernweh nach sich loslösen davon, dass sie, so verstehe ich es, in der Anonymität der Stadt vollzogen hat. Als Frau statuiert sie zudem ein literarisches Exempel, das gesellschaftliche Defizite hinsichtlich Gleichberechtigung und für Frauen (un)mögliche Selbstbestimmung offenlegt.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten Sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich glaube, wir laufen als westliche Welt insgesamt Gefahr, dem von Ingeborg Bachmann symbolisierten Unheilbarem zu verfallen. Was in den 80er Jahren eher noch eindimensional eingegrenzt auf die den Männern zugeschriebene Rolle des Patriarchen gepasst hat, dehnt sich meines Erachtens nun mehrdimensional auf all diejenigen Menschen aus, die mit Blick für das Wesentliche durch Geldgier und Geltungsbedürfnis getrübt, sich dem Materiellen unterwerfend nicht bemerken, dass sie sich im Prinzip selbst unterwerfen. In einer alarmierend kollektiv um sich greifenden Kritiklosigkeit am Konsum, an digitaler Kontrolle, an ungesunden Nahrungsmitteln, schaffen ganze Gesellschaften ihren eigenen Willen ab und degradieren sich zu Mitmachern, die ernsthaft alles glauben, was ihnen von der omnipräsent auftretenden immer stärker künstlich generierten Machtstruktur vorgegaukelt wird. Die einst übliche über Menschen generell und über Frauen insbesondere hinwegschauende und handelnde männliche Machtstruktur wird allmählich von einem körperlosen alle moralischen und ethischen Grenzen verwischenden System abgelöst. Der Satz könnte demnach heute so lauten: „die Menschen sind unheilbar krank…sie sind es, wussten Sie das nicht? Alle…“ 

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Die Bejahung zur Selbstbestimmtheit vorausgehend, geboren aus dem Wunsch meine Seele weder den Erwartungen anderer noch dem Geldaltar zu übereignen, möchte ich mich keinem wie auch immer gearteten patriarchalen oder künstlich generierten System unterwerfen – müssen, und scheue deswegen jegliche Form von Abhängigkeit, was in der Liebe prekär sein kann und es mir erschwert, Freundschaften zu schließen, die (meistens) auf Erwartungen und Kompromisse aufbauen.

Das ist insofern absonderlich, weil ich mich tatsächlich physisch und geistig von der Masse absondere, mute ich mir durchaus zu, die allgemeine Komfortzone zu verlassen, in dem ich an Werten festhalte, die denken, fühlen und handeln voraussetzen, anstatt mich sogenannten modernen Möglichkeiten zu bedienen, um mich bedienen zu lassen.

Verhaltensregeln, die lediglich einer unaufrichtigen Aneinanderreihung von Etiketten folgen und nicht einem aufrichtigen zwischenmenschlichen Miteinander, widerstehe ich vehement. Dass mich mein Widerstreben in den Augen anderer oftmals ins sozial nicht kompatible Abseits befördert, nehme ich in Kauf, ertrage Konnotationen wie unangepasst, aufwieglerisch und asozial.

Mich davon nicht beirren zu lassen, ja, das ähnelt einem Martyrium, erzeugt jedoch im Umkehrschluss Bruchstellen, aus denen ich Erkenntnis schöpfe. Einfacher machen könnte ich es mir, glauben andere. Ich glaube das nicht. Literatur, die Menschen wahrhaftig berührt, entsteht nicht in einer Blase im Schutz von Komfort und selbsteingebildeter Geltung, nein, Literatur und Poesie nährt sich aus der Wahrhaftigkeit in uns. Fazit, ich stimme Ingeborg Bachmann voll und ganz zu.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Liebe Ingeborg, wir, die jeden Tag unbeirrt in unserer Wirklichkeit bleiben und selbstbestimmt in Verdammnis treten, hören nicht auf darüber zu schreiben und zu sprechen. Versprochen!

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich lade dazu ein, mich in Portugal auf literarischen Fährten bis in die Moderne zu begleiten.

Am Schreibtisch wächst ein Romanprojekt über weibliche Selbstbestimmung und ihre (un)möglichen Grenzen, wofür ich momentan auf Verlagssuche bin.

Ohne Projektziel notiere ich autobiografisch Anekdoten über persönliche Trigger – ob sich daraus eines Tages eine Publikation ergibt, bleibt abzuwarten.

Herzlichen Dank für das Interview!

Lieber Walter Pobaschnig, ich möchte Dir für die wunderbaren Fragen danken, die mich in meinem Sein als Schriftstellerin auf willkommene Weise herausgefordert haben.

Catrin George Ponciano, Schriftstellerin, Portugalexpertin, Kulturaktivistin

Catrin George Ponciano

Schriftstellerin – Speakerin – Dozentin – Literaturreisen Management

Aktuell: „Alles – bloß nicht vage!“ – AvivA Verlag; Literarisches Porträt über die portugiesische Dichterin Florbela Espanca

Wittwer-Thalia-Debütpreis »Stuttgarter Kriminächte 2021« mit >Leiser Tod in Lissabon< – emons

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Catrin George Ponciano: Gudrun Hindersin

Walter Pobaschnig   1_26

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