5 Fragen an Künstler:innen
Dana Anofrenkova, Schauspielerin _ Hamburg

Liebe Dana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Zum Glück besteht mein Alltag inzwischen nicht mehr nur aus Deutschkursen – obwohl ich sie eigentlich sehr gerne mag. Ich stehe oft viel zu früh auf, um vier, schlafe dann aber noch bis acht. Danach ist jeder Tag anders: Proben, Dreharbeiten, Tanz, Arbeit im Schönheitssalon oder Castings.
Manchmal freue ich mich, dass in meinem Leben so viel passiert. Und manchmal möchte ich einfach nur im Bett liegen, niemanden sehen und niemanden hören. In letzter Zeit genieße ich diese Ruhe besonders: Ich fahre mit dem Fahrrad durch den Park, lese, backe oder nähe einfach in aller Stille.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Frieden
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, für einen Neubeginn braucht es Leichtigkeit im Abschied und in der Veränderung – die Fähigkeit, loszulassen und das Neue anzunehmen. Die Kunst kann uns dabei einen Raum geben, in dem wir Veränderungen nicht erklären müssen, sondern sie einfach erleben und vielleicht anders verstehen können.

Was liest Du derzeit?
Elementarteilchen (Michel Houellebecq)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
In Charkiw ist es am Morgen sonnig und menschenleer. Gerade wurde Luftalarm ausgelöst. Der Frühling ist schmerzlich und zugleich ganz unmittelbar zu spüren.“
Serhij Zhadan, 15. März 2022
Vielen Dank!

Zur Person/über mich: Mein Name ist Dana Anofrenkova. Ich bin Schauspielerin aus der Ukraine und lebe seit vier Jahren in Deutschland.
Von 2020 bis 2024 habe ich an der Kharkiv State Academy of Culture im Bereich Performing Arts mit der Spezialisierung auf Drama- und Filmschauspiel studiert und dort meinen Bachelorabschluss gemacht.
In den letzten Jahren habe ich an verschiedenen Theaterprojekten in Deutschland mitgewirkt. 2024 und 2025 war ich Teil verschiedener Produktionen am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg, darunter Um acht ist es hier schon hell, Chronik des eigenen Atems, Wasterland und St. Georgologie To Go. Außerdem habe ich an Projekten des Lichthof Theaters, der Hamburg Kammerspiele und des KulturCentrums Blankenese mitgewirkt. 2024 war ich auch beim Internationalen Theaterfestival „Kultur On Tour“ in Bremen dabei.
Aktuelle Produktion _ Gastspiel in Wien:
Artjom retten!? Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Julia Solovieva
und Evgeni Mestetschkin
Gastspiel in Wien: 11. und 12. September 2026 im DAS Margareten

Artjom retten? Mich retten? Die Menschlichkeit retten?
Im September 2022, mitten in Moskau, rezitiert der russische Dichter Artjom Kamardin
Gedichte gegen den Krieg in der Ukraine. Unmittelbar danach wird er brutal festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt „Artjom retten!?“ die Geschichte Kamardins zum Ausgangspunkt für eine persönliche und politische
Auseinandersetzung: Was bedeutet Menschlichkeit in Zeiten des Krieges? Und wo liegen die Grenzen unseres Verständnisses für andere?
Auf der Bühne begegnen sich die Ukrainerin Dana und der Deutsche Paul. Sie sprechen über Krieg, Verantwortung, Angst, Loyalität und die Schwierigkeit, widersprüchliche Positionen auszuhalten. Bin ich bereit, meinen Freund zu verstehen, der nicht an die Front ziehen möchte? Und bin ich dann auch bereit, den russischen Dichter Artjom zu verstehen, der vor seiner Verhaftung für das Militär gearbeitet hat?

Das Stück fragt nicht nach einfachen Antworten. Es untersucht die Grauzonen zwischen Empathie und Abgrenzung, zwischen persönlicher Haltung und gesellschaftlicher Funktion: Wo bleibe ich Mensch – mit meinen Gefühlen, Widersprüchen und möglichen
Fehlern? Und wo werde ich zu einer Funktion?
Dabei wird auch das Publikum Teil der Auseinandersetzung. Fragen, Emotionen, Reflexionen und persönliche Erfahrungen dürfen in den Theaterabend einfließen.
Dokumentarisches Theater zwischen persönlicher Perspektive und politischer Realität.

Evgeni Mestetschkin und Julia Solovieva sind ein in Hamburg tätiges Autoren-,
Regie- und Theaterduo, das sich in seinen dokumentarischen und dramatischen Projekten
intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen reale Geschichten und Schicksale, die sie mit persönlichen Perspektiven und aktuellen politischen Fragestellungen verbinden.
„Artjom retten!?“ beleuchtet das Schicksal politischer Gefangener und die Frage nach
individueller Verantwortung in Zeiten politischer Repression und Krieg. Die Produktion wurde
2025 in Hamburg entwickelt und unter anderem an den Hamburger
Kammerspielen gezeigt. Nun kommt das dokumentarische Theaterprojekt nach Wien ins
„Artjom retten!?“ DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater.
Mit: Dana Anofrenkova und Paul Smolich
Regie & Autorenschaft: Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin
Ton: Sandra Berkefeld
Termine:
Freitag, 11. September 2026, 20:00 Uhr
Samstag, 12. September 2026, 19:30 Uhr
DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater
Margaretenstraße 166. 1050 Wien DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater | Theater | Margaretenstraße 166, Vienna, Austria
Presseinformation: Bianca Anne Braunesberger _ DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater
Fotos: Portrait Dana Anofrenkova _ privat.
Fotos_Produktion: Julia Solovieva
Walter Pobaschnig 3.9.2026

























































