„Das Grauenhafte des Alltags, darum geht es mir“ _ 40. Todestag +Helmut Qualtinger _ Georg Biron, Autor _ Wien 25.9.2026

Helmut Qualtinger _ Georg Biron
Helmut Qualtinger als „Herr Karl“, Kleines Theater im Konzerthaus, 1962

40. Todestag Helmut Qualtinger

Helmut Gustav Friedrich Qualtinger * 8. Oktober 1928 in Wien +29. September 1986 ebenda _ Kabarettist, Schauspieler, Schriftsteller.

Literatur outdoors

Im Interview _ Georg Biron _Schriftsteller, Reporter, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur und Fernsehproduzent _ Wien.

Lieber Georg, welche Gedanken bewegen Dich zum 40.Todestag von Helmut Qualtinger?

Ich habe es schon oft gesagt: Ich bin kein Experte, ich war nie ein Freund von Helmut Qualtinger, sondern immer ein Bewunderer. Wir waren immer per Sie, nie per Du. Zu seinem ersten Todestag plante der Verlag Kremayr & Scheriau ein Buch mit Fotos aus den Archiven von Franz Hubmann und Barbara Pflaum als Würdigung herauszubringen. Prof. Ulrich Schulenburg vom Sessler Verlag hat mich als Autor empfohlen, und als ich im Frühjahr 1987 den Auftrag erhielt, gemeinsam mit Qualtingers Freund Michael Kehlmann den Text zu verfassen, war ich mehr als glücklich.

Mir wurde es in den folgenden Jahren ein großes Bedürfnis, in der Öffentlichkeit auf Qualtingers viel zu wenig beachtete Bedeutung als politischer Schriftsteller hinzuweisen, und so habe ich immer wieder entsprechende Texte von ihm vorgetragen oder bei Lesungen – u. a. mit den Schauspielern Karl Merkatz, Karlheinz Hackl, Erwin Steinhauer, Robert Reinagl und Hanno Pöschl – mitgewirkt.

Unglaublich, dass er jetzt schon seit 40 Jahren tot ist.

Gab es persönliche Begegnungen?

Persönlich kennengelernt habe ich ihn Mitte der 1970er Jahre, als ich als junger Reporter die „Alpensaga“-Dreharbeiten in Oberösterreich besuchte. Später sind wir einander oft im Club Gutruf, im Kaffee Alt Wien, in der Wunderbar und im Restaurant Oswald & Kalb begegnet. Er erzählte mir wunderbare Geschichten, zum Beispiel über eine adelige russische Häuslfrau im Jugendstil-Klo am Wiener Graben – und ich wusste oft nicht, ob die Berichte seiner Fantasie entsprangen oder nicht.

Was macht für Dich den so vielseitigen Künstler Helmut Qualtinger aus? Welche Projekte möchtest Du hervorheben?

1961 sorgte er mit dem Fernseh-Monolog „Der Herr Karl“, den er mit Carl Merz verfasst hatte, für Begeisterungs- und Entrüstungsstürme und wurde zum Star.

In den folgenden Jahren veröffentlichte er mehr als ein Dutzend Bücher und spielte auf vielen Theaterbühnen in Österreich und Deutschland in Stücken von Ödön von Horváth, Frank Wedekind, Fjodor Dostojewski, Heinrich von Kleist, Ferdinand Raimund oder Johann Nestroy.

Legendär sind seine Solo-Lesungen: z. B. „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus und Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Qualtingers faszinierende Solo-Lesungen wurden zu einem Fixpunkt seiner einzigartigen Karriere.

Ist seine Paraderolle, der „Herr Karl“, auch heute noch der typische homo austriacus?

Das war er nie. „Jeder einzelne Satz ist irgendwann einmal von irgendwem in Wien gesprochen oder gedacht worden“ – davon war Helmut überzeugt. „Aber den Herrn Karl gibt es überall. In Italien könnte er Carlo heißen. Zuerst war er überzeugter Monarchist, danach sehr von Mussolinis berühmter Rede auf der Piazza Venezia beeindruckt. Heute ist er ein glühender Verteidiger der Republik. Und in Frankreich war Monsieru Charles wechselweise für Clemenceau, Poincaré, Léon Blum, Laval, Pétain – und de Gaulle. Die Wahrheit ist leider, dass sich kleine Leute nicht viel Zivilcourage leisten können…“

Merz empfand für diese Figur wegen des trostlosen, weggeworfenen Lebens so etwas wie Mitleid. Helmut war anderer Ansicht: „Alles, was er wollte, waren Sicherheit und ein verhältnismäßig komfortables Leben. Und eine Hetz. Er bekam, was er wollte. Nicht mehr, nicht weniger.“

Darauf Merz: „Glücklicherweise ist dieser Typ eine aussterbende Gattung…“

„Aber überhaupt nicht“, ereiferte sich Qualtinger. „Ich kann dir sofort einen 25-jährigen Herrn Karl vorspielen!“ Im nächsten Moment hielt er einen kurzen Stehgreifmonolog und verjüngte sich scheinbar um Jahre: ein Karli. Merz musste ihm leider recht geben. In manchen Punkten duldete Helmut Qualtinger keinen Widerspruch.

Wie hätte denn Helmut Qualtinger auf die gegenwärtigen politischen Entwicklungen in nah und fern künstlerisch reagiert?

Das Tagesgeschehen interessierte ihn schon am Ende seines Lebens nur wenig, ihn interessierte der Mensch. Der Bürger. Den Kleinbürger gab es damals nicht mehr. Es hatte sich mittlerweile eine andere Schicht entwickelt … Und das war der Konsumbürger. Diesen neuen Typ wollte er zeigen. „Politik ist für den gar nicht mehr interessant“, sagte er. „Wir sind mit Teams, mit Massenmenschen, mit einer Apparatewelt konfrontiert. Das Grauenhafte des Alltags, darum geht es mir.“

Wie hast Du den privaten Helmut Qualtinger erlebt?

Helmut Qualtinger sprach ungern über Privates. In solchen Fällen verbarg er sein Gesicht hinter den feingliedrigen Händen und hielt sich die Augen zu. Manche Kinder glauben, sich auf diese Weise verstecken zu können – als würde man von den anderen nicht gesehen werden, wenn man selbst sie nicht sieht. Im Grunde, so glaubte ich, sei er immer ein Kind geblieben. Ein altes, einsames, depressives, verletzliches und nach innen gekehrtes Kind. Das war vielleicht auch einer der Gründe, die ihn so sorglos mit seinem Körper umgehen ließen. Vielleicht wollte er unbewusst das Kind in sich befreien, indem er seinen massigen Körper zerstörte, der ihm im Weg stand.

Von Freunden immer wieder ermahnt, mit Alkohol doch nicht dermaßen exzessiven Raubbau an seinem Körper zu betreiben, entgegnete er: „Mein Körper ist mir wurscht!“ Das Private war ihm ein Tabu, bei dessen Verletzung er leise durch die schützen wollenden Hände sagte: „Hört doch damit auf. Das ist doch peinlich! Diese persönlichen Sachen … Wen soll denn das interessieren?“

Was kann, muss Kunst und Gesellschaft von Helmut Qualtinger in die Gegenwart mitnehmen?

Helmut sah ein, dass seine Absichten, die Menschen zum politischen Handeln zu bringen, gründlich gescheitert waren. Dennoch blieb er ein Mensch mit Haltung, mit gesellschaftspolitischen Überzeugungen. Qualtingers spirituelle Batterie war der Antifaschismus, der sein ganzes künstlerisches wie privates Leben bestimmte. Er biederte sich nirgends an, er war unbestechlich – all das machte ihn aus. So etwas ist selten geworden …

Vielen Dank!

Georg Biron _ Schriftsteller, Reporter, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur und Kulturproduzent.

Zur Person: Georg Biron

Der Wiener Schriftsteller, Reporter und Drehbuchautor – Jahrgang 1958 – hat u. a. für „Playboy“, „Die Zeit“, „Frankfurter Rundschau“, „Wiener“, „Krone“, „Kurier“ und ORF gearbeitet. Er hat unzählige Kulturprojekte realisiert (z. B.: „Qualtinger lebt!“, „Die Janis Joplin-Story“) und Preise (u. a. Theodor-Körner-Preis für Literatur) sowie diverse Literaturstipendien erhalten.

Weitere Informationen:  https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Biron 25.9.26

Homepage: Georg Biron Literatur 25.9.2026

Aktuelle Veranstaltung zum 40.Todestag von Helmut Qualtinger mit Georg Biron:

09.10.2026 | 19:00 Uhr Breitenseer Lichtspiele _ Wien

Breitenseer Straße 21, 1140 Wien

HELMUT QUALTINGER: Kurzer Prozess

Michael Kehlmann, BRD 1967, 101 Min. Breitenseer Lichtspiele

Der Abend wird mit einleitenden Worten von Georg Biron eröffnet.

19:15 Uhr Eröffnung Georg Biron

19:30 Uhr Filmstart

Fotos: Helmut Qualtinger _ ONB

Foto_Georg Biron/Portrait _ Nikolaus Similache; mit Buch _ privat.

Walter Pobaschnig, 25.9.2026

https://literaturoutdoors.com

„Unter uns ein Abgrund aus“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Iracema Engel, Schriftstellerin _ Wien 25.9.2026

Undine geht _
  Iracema Engel, Schriftstellerin _ Wien _  performing _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE _ Akrostichon

Text & Performance _  Iracema Engel, Schriftstellerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE

U nter uns ein Abgrund aus

Nichts. In

D unkle Tiefen fallen wir.

I mmer dunkler immer tiefer.

N iemand kommt mehr ans Licht. Es wird keine

E rweckung geben.

Iracema Engel, 19.8.2026

Undine geht _
  Iracema Engel, Schriftstellerin _ Wien _  performing _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE _ Akrostichon

Text & Performance _  Iracema Engel, Schriftstellerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

  Iracema Engel, Schriftstellerin

Zur Person: Autor:innen | mantel-verlag.at 25.8.26

Aktueller Roman: Roman Die Entblößung | mantel-verlag.at

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Fotos: Undine geht _ Iracema Engel, Schriftstellerin _ Wien._ performing _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26

Foto: Cover _ Verlag.

Walter Pobaschnig, 25.8.2026

https://literaturoutdoors.com

„Achtsamkeit ist geiler als Sex“ _ 5 Fragen _ Andreas Sommer, Schriftsteller _ Schweiz/Frankreich 25.9.2026

5 Fragen an Künstler:innen

Andreas Sommer, Schriftsteller _ Schweiz/Frankreich

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich schreibe vormittags am neuen Roman. Nachmittags und abends treffe ich Freunde und immer auch Menschen, die ich durch schwierige Lebensphasen begleite.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Demut, Geduld und stetige Pflege von Anstand – so weit ausstrahlend wie möglich.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Mein persönlicher Aufbruch hat längst begonnen. Was die Literatur beisteuern  kann: kraftvolle, mutmachende Narrative.

Was liest Du derzeit?

 Einen der größten Romanciers des deutschen Sprachraums: Jeremias Gotthelf. Er erzählt wie keiner sonst, dass die Welt ohne Sittlichkeit zu Grunde geht.

(P.S. Wie er bin ich Emmentaler.)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

»Achtsamkeit ist geiler als Sex«; das sagt meine Romanheldin Vera im neuen Roman Willküren. Der Roman beweist es.

Vielen Dank!

Andreas Sommer, Schriftsteller

Zur Person/über mich: Andreas Sommer baute nach seinen Studien in Psychologie und Betriebswirtschaft Mediendienste für Universitäten auf und gründete Privatschulen in der Schweiz und in England. Seit mehr als 15 Jahren schreibt er Theaterstücke, Film-Treatments und Romane. Der Autor lebt in der Schweiz und in Südfrankreich- dort in seiner »Fluchtburg«, wie er die einstige Ruine nennt, die er über viele Jahre hinweg wieder bewohnbar gemacht hat.

Der Roman »Die Willküren- Sieben Leben für Vera«, der teilweise dort spielt, ist sein sechster. Bisher erschienen: »Der Kuss des Messias«, »Drache am Himmel«, »HerzSchläge«, »Freunde« und »Fremdlinge im Paradies«.

Website: Andreas Sommer 23.9.26

Aktueller Roman: Andreas Sommer_Die Willküren, Sieben Leben für Vera. Roman. Langen Müller Verlag

Die fünfundzwanzigjährige Vera meldet sich auf eine seltsame Anzeige: Die Schriftstellerin Luise Abgottspon schreibt die Hauptrolle in meinem neuen Roman aus. Sie sucht nach einem Menschen, dem Schicksalsschläge jeden Lebensmut genommen haben. Es meldet sich eine, die nichts zu verlieren hat: Vera- Mittzwanzigerin, übergewichtig, suizidgefährdet. Vom Vater missbraucht, von der Mutter im Stich gelassen, von Männern getäuscht, arm, alleinerziehend. Vera ist weniger an der Hauptrolle in Abgottspons Roman interessiert als an der Erfindungskraft dieser Autorin. Mit der Fantasie einer Schriftstellerin müsste sie ihr doch einen Ausweg aus ihrer aussichtslosen Lebenssituation aufzeigen können! Einzige Bedingung: Billige Wendungen à la Hollywood seien nicht erlaubt- weder ein Lottogewinn noch die plötzliche Entdeckung eines überragenden Talentes. Luise Abgottspon schreckt vor dieser Verantwortung zurück. Was, wenn es ihr nicht gelingt, ausschließlich mit ihrer Fabulierkunst Vera eine realistische Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft zu machen? Mit Geschichten, die zudem stets da beginnen müssen, wo Vera feststeckt: In der Verzweiflung über ihr Leben. Und in der Wut auf die Menschen, die ihr das eingebrockt haben. Erst das Drama eines ihr fremden Mannes namens Georg bringt Luise dazu, sich auf das riskante Experiment mit Vera einzulassen.

„Die Willküren- Sieben Leben für Vera“ ist ein rasanter und sinnesfroher Roman über die Macht der Fantasie. Und er erkundet, ob Geschichten die Willkür des Schicksals brechen können.“ (Pressetext Verlag)

Andreas Sommer_Die Willküren, Sieben Leben für Vera. Roman. Langen Müller Verlag

ET: 17.08.2026 _ Gebundene Ausgabe, 280 Seiten

Format: 21,5 x 13,5 x 2 cm _ ISBN 978-3-7844-3781-1

EUR(D) 24,00 €, EUR (A) 24,70€

Fotos: Portrait_privat; Cover _ Verlag.

Walter Pobaschnig _ 23.9.2026

https://literaturoutdoors.com

„Ihre Gedichte haben eine Offenheit, die uns öffnen will, um unser Leben anzuschauen oder vielleicht besser zu verstehen.“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Esther Ben Mohamed, Schriftstellerin _ Lothringen 24.9.2026

Ingeborg Bachmann _ Esther Ben Mohamed

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann in Rom auf der Terrasse in ihrer Wohnung in der Bocca de Leone, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _  Esther Ben Mohamed, Musikerin und Autorin _ Lothringen

Liebe Esther, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?  

Meine erste Berührung mit dem Werk Ingeborg Bachmanns war für mich in der Schule das Gedicht „Reklame“. Ich finde nicht nur die Gegenüberstellung des Konsumrausches, der mit Musik ablenkt und keine Sorgen verspricht zum ehrlichen Anblick des Menschseins mit seinen Ängsten und seiner Endlichkeit faszinierend, sondern auch die Sprache, die sie dafür benutzt: Eine ganz einfache Sprache, die durch ihre Wiederholungen eine tiefe Wirkung erzeugt, manipuliert mit Befehlen und ihren Höhepunkt in der „Traumwäscherei“ findet: Die bitteren Realitäten sind nicht reinzuwaschen. Am Ende steht die Frage nach der „Totenstille“, nach der Essenz des Seins ohne Ablenkung von Musik, Schönheit, Oberflächlichkeit, dem Blick in die Tiefe …

Inspiriert durch die interessanten Beiträge hier beschäftige ich mich mit ihren Gedichten und finde dort einen unendlichen Schatz …

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus? 

In ihren Gedichten hat sie mich mit ihren teils drastischen, bildhaften und positiv schönen Stimmungen in ihren Bann gezogen. Ihre Sätze sind klar, ehrlich, voller Wichtigkeit und bringen mich zum Hinterfragen dessen, worüber sie schreibt. Thema wie „Frei sein“(  besonders in den Jugendgedichten), das Licht sehen (aber die Augen nicht verderben, wie in „An die Sonne“), die Frage nach Gott, dem Tod und das Leben in seiner Tiefe und auch das Erleben der Jahreszeiten mit ihren dazugehörigen Gefühlen, sind ihr besonders wichtig.  Sie schafft Momente zum Nachempfinden, Weiterdenken, Liebhaben und Mitfühlen (wie die Verwirrtheit in „Betrunkener Abend“). Ihre Gedichte haben eine Offenheit, die uns öffnen will, um unser Leben anzuschauen oder vielleicht besser zu verstehen. 

Zusammenfassend ist das Besondere an ihrem Schreiben für mich ihre Klarheit, wie sie ihre Anliegen, ihre Gefühle und Erlebtes auszudrücken vermag. Sie vermischt Erlebnisse mit Erinnerungen, versucht sich selbst das Leben zu erklären und komponiert Bilder aus ihrem Gedankenfluss, die grenzenlos sein können und die Welt feiern.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Natürlich gerne die „sämtlichen Gedichte“. Um ihr folgen zu können, muss ich mich ganz und gar auf sie einlassen. Manchmal ist es nicht einfach und dann würde ich ihr gerne als Gesprächspartnerin gegenüber sitzen um ihr Fragen zu stellen.

Das Gedicht „An die Sonne“ spricht mich besonders an:

…“Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen

Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,

Weil mein und dein Leben jeden Tag an ihrer hängt, der Sonne“…

Es ist nicht nur wie eine Hymne auf das Licht zu verstehen, sondern auch als eine Anrufung eines geliebten Menschen, es bleibt offen. Der wunderbare Satz in der Mitte „Nichts Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein“ ist eingebettet in ein Spiegelbild der Versform: 543212345

Ihre Passion zum Licht und zur Liebe zugleich wird am Schluss noch einmal in eine Klage verwandelt, was ihr Gedicht besonders „unberechenbar kunstvoll“ macht. Von diesen Gegensätzen leben zum Teil ihre Gedichte (wie auch in „Paris“) und von Worten, die man immer wiederfindet, wie Augen, Licht (Sonne) und Nacht

…

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt? 

Ich hätte sie gerne gefragt, ob sie sich für ihr Leben noch etwas anderes hätte vorstellen können als das Schreiben. 

Was sind Deine aktuellen Projektpläne? 

Ich habe sehr viele Gedichte gesammelt für einen neuen Gedichtband, weiß aber noch nicht genau, wie ich ihn gestalte, eventuell mit meinen Zeichnungen, und wo ich ihn veröffentlichen möchte.

Und ich habe damit begonnen, Geschichten zu schreiben, die ich unter dem Stichwort „Phänomene“ sammle.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten? 

Aus „Bewegung des Herzens“

„Nach grauen Tagen

Eine einzige Stunde frei sein!

Frei, fern!

Wie Nachtlieder in den Sphären.

Und hoch fliegen über den Tagen

möchte ich

Und das Vergessen suchen —

über das dunkle Wasser gehen

nach weißen Rosen,

meiner Seele Flügel geben

und, oh Gott, nichts wissen mehr

von der Bitterkeit langer Nächte,

in denen die Augen groß werden

vor namenloser Not.

Tränen liegen auf meinen Wangen

aus den Nächten des Irrsinns,

des Wahnes schöner Hoffnung, 

dem Wunsch, Ketten zu brechen 

und Licht zu trinken —

Eine einzige Stunde Licht schauen!

Eine einzige Stunde frei sein!“

Herzlichen Dank für das Interview!

Esther Ben Mohamed, Musikerin und Autorin

Zur Person: Esther Ben Mohamed lebt als Musikerin und Autorin in Lothringen. 
Ihr letzter Gedichtband: „Lichtträger  – Poesie für eine lichtvolle Welt“ ist vor zwei Jahren bei Edition Maya erschienen. 

Von 2023 bis 2024 war sie Stipendiatin am Inkas Institut für Creativ Writing unter der Leitung von Rüdiger Heins. Zur Zeit arbeitet sie an einem weiteren Gedichtband.
Ihr Text „Im Sand der Gezeiten“ schaffte es auf die Longlist des Lyrikpreises 2025 von Sternenblick. Letztes Jahr nahm sie an den Literaturtagen im Saarland  „erLESEN“ teil.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Esther Ben Mohamed _ privat

Walter Pobaschnig, 27.7.2026

https://literaturoutdoors.com

„Mutterseelenallein steigen Zweifel in meine “ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _  Esther Ben Mohamed/Christina Cervenka _ Lothringen/Wien 24.9.2026

Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/23

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Esther Ben Mohamed, Musikerin und Autorin _ Lothringen

Performance _ Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

MALINA

M utterseelenallein steigen Zweifel in meine 

A ugen suchend nach

L icht

I n der vagen Unendlichkeit der

N acht umspielen mich

A hnen

Esther Ben Mohamed, 27.7.26

Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/23

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Esther Ben Mohamed, Musikerin und Autorin _ Lothringen

Performance _ Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Esther Ben Mohamed, Musikerin und Autorin

Zur Person: Esther Ben Mohamed lebt als Musikerin und Autorin in Lothringen. 
Ihr letzter Gedichtband: „Lichtträger  – Poesie für eine lichtvolle Welt“ ist vor zwei Jahren bei Edition Maya erschienen. 

Von 2023 bis 2024 war sie Stipendiatin am Inkas Institut für Creativ Writing unter der Leitung von Rüdiger Heins. Zur Zeit arbeitet sie an einem weiteren Gedichtband.
Ihr Text „Im Sand der Gezeiten“ schaffte es auf die Longlist des Lyrikpreises 2025 von Sternenblick. Letztes Jahr nahm sie an den Literaturtagen im Saarland  „erLESEN“ teil.

 Christina Cervenka, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Esther Ben Mohamed _ privat

Fotos: Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 6/23

Walter Pobaschnig, 27.7.2026

https://literaturoutdoors.com

„Umjubelte Uraufführung“ _ „Sturm“ Marlene Streeruwitz und Anne Bennent _ Theater Nestroyhof Hamakom _ Wien 23.9.2026

Anne Bennent _ „Sturm“

Da ist das Leben im Untergrund. Frau Horvath. Ungesehen als WC Bedienstete in der Burggasse in Wien. Hier ist die Welt hinter der Welt. Die Innenwelt in Einsamkeit, Verzweiflung, Träumen, Sehnsüchten. Festgenagelt im Dunkel, Schatten – alle Tage.

Wie Promotheus. Der Verbannte. Der das Feuer stahl und dafür vom Göttervater mit Folter bestraft wird. Gleich hier neben den Kabinen. Und Frau Horvath versorgt den Leidenden. Hält ihn am Leben. Wie sich selbst…

Ein Leben in Schmerz und Asche. Da und dort. Mit der Hoffnung auf das Licht, irgendwann. Kommt es?…

Ein sensationeller Theaterabend, in dem Literatur und Bühne, die Ausnahmekünstlerinnen Marlene Streeruwitz und Anne Bennent, in treffsicherer Regie und großartig abgestimmtem Bühnenbild wie ganz eindringlicher Akkordeon-Musik aufeinandertreffen und in einem unvergleichlichen Feuerwerk an Ausnahmeschauspielkunst das Publikum begeistern.

Literatur wird hier einmalig sprühend, mitreißend, packend in Szene gesetzt. In ganz feiner Sprach- und Emotionsklaviatur in Mimik, Gestik, Bewegung wird Frau Horvath gleichsam zu einer mythologischen Dramafigur, die das Leben unter und über der Erde messerscharf durchschaut und benennt was zu benennen ist – innen und außen – Feuer und Asche, Leiden und Ausweglosigkeit.

„Ein Theaterabend der Sonderklasse, der fulminant den Bühnenherbst eröffnet und Maßstäbe setzt.“

Sturm. Marlene Streeruwitz

Uraufführung / Eigenproduktion _ Theater Nestroyhof Hamakom

Text: Marlene Streeruwitz / Schauspiel: Anne Bennent / Regie: Hannes Hametner / Bühne und Kostüm: Christoff Wiesinger / Dramaturgie: Patrick Rothkegel / Musik: Otto Lechner / Regieassistenz: Katalin Pászti

Premiere: 23. September 2026, 20.00 Uhr

Weitere Spieltermine: 30. September & 1., 2., 8., 9., 10., 14., 15., 16., 21., 22., 23., 24. Oktober 2026, 20.00 Uhr

Dauer: 85 Minuten

Nach der Vorstellung vom 1. Oktober 2026 findet ein Publikumsgespräch mit dem Produktionsteam statt.

Theater Nestroyhof Hamakom

Alle Fotos_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 23.9.2026

https://literaturoutdoors,.com

„Gewalt geht ihre ersten Schritte stets in einem Weg, der Menschen Recht, Menschlichkeit und Würde abspricht“ _ Give Peace A Chance _ Markus Keimel, Musiker _ Graz 23.9.2026

GIVE PEACE A CHANCE

Markus Keimel _ Musiker, Schriftsteller, Künstler, Journalist  _ Graz



G
ewalt wird nicht erst in der Faust geboren. Sie geht ihre ersten Schritte stets in einem Weg, der Menschen Recht, Menschlichkeit und Würde abspricht.

In uns liegt in einer tiefen Nacht zu Bette, was einen hoffnungsvollen Morgen ersehnt.

Vorangehen sollen die Hinkenden dürfen, damit jene sie mit Rückhalt stützen, die sicheren Schrittes sind.

Eines Tages kann jetzt sein oder nie.


Politik sollte ein guter Weg für alle sein

Ein Gedanke schwimmt weiter, wenn er sich Wissen gleichermaßen zum Auftrieb nimmt wie einen guten Willen und ein wohlwollendes Herz.

Aus der Geschichte lernt man nur, wenn man sie kennt – UND versteht.

Clownesque soll es nicht werden, wo Ernsthaftigkeit so sehr gebraucht wird.

Eine Hand, die sich in die andere legt: wie Wärme, die den Frierenden vor der Kälte rettet.


Auf dem Grabstein jeder deiner Kriege steht am Ende dein eigener Name.


Chancen finden sich immer, wenn man bereit ist, danach zu suchen.

Hüte dich vor deinem eigenen Feindbild. Es könnte ein Spiegel sein.

Alle wollen recht haben. Vielleicht hat niemand recht.

Neubeginn. Steckt in diesem Wort nicht ein schöner Frühling?

Charakter zeigt sich dort, wo der Applaus leise wird.

Ein einziger Anfang genügt, um allem ein Ende zu setzen.

Markus Keimel , 20.9.2026

Markus Keimel _ Musiker

Akrostichon for peace

Markus Keimel _ Musiker, Schriftsteller, Künstler, Journalist  _ Graz

Zur Person/über mich: Markus Keimel ist ein österreichischer Musiker, Künstler, Schriftsteller und Journalist. Er wurde 1987 in der Steiermark geboren, wo er im zarten Alter von zwölf seine ersten Songs zu schreiben begann und bereits mit vierzehn Jahren im Grazer Orpheum sein erstes Konzert spielte.

Seine Lieder bezeichnet Keimel als Friedensstifter und Seelenstreichler. „Wer meine Musik hört, soll darin abtauchen können und dieser Welt für einen wunderschönen und schwerelosen Augenblick entfliehen.“ Markus Keimel fokussiert sich dabei auf harmonische und einprägsame Melodien, smoothe Sounds und anspruchsvolle handgemachte Musik. Der Stil des Singer-Songwriters knüpft in Keimels Klangnetz zwar den roten Faden, durch die Beimengung von Einflüssen aus unterschiedlichen Genres wie Pop, Rock oder Jazz knotet sich daraus allerdings eine Art Slackline, auf der man angenehm hin und her balanciert, ohne jemals das Gleichgewicht zu verlieren. Markus Keimel bedient sich dabei an einem breiten Instrumentarium, das von Gitarren, Bass, Klavier, Schlagzeug bis hin zu Streichern und E-Gitarren reicht.

„Für mich ist jedes Lied ein eigenständiges Kind mit ebenso eigenständigen Bedürfnissen. Da ich sehr darauf bedacht bin, genau auf diese zu hören und einzugehen, klingt am Ende auch keines gleich. Diese Abwechslung in der Musik ist mir wichtig“, sagt Keimel. Die Texte sind inhaltlich allesamt aus dem Leben gegriffen. Sie handeln von besonderen Erlebnissen, Liebe, Kummer, Sorgen, Träumen, Freundschaft oder anderen Geschehnissen, die dem Sänger am Herzen liegen.

Als Musiker und Sänger veröffentlichte er bisher mehrere Tonträger unterschiedlicher Genres (Rock, Pop, elektronische Musik) und spielte mehrere Hundert Konzerte in Europa. Keimel komponiert, spielt und schreibt all seine Lieder und Texte selbst. Er ist Sänger, beherrscht das Gitarren- und Bassspiel und komponiert für Streichinstrumente sowie Klavier. Weiters schreibt und publiziert Keimel Aphorismen, Sprüche, Lebensweisheiten und Texte, die mittlerweile täglich von Politik, journalistischen und sozialen Medien sowie Wirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz zitiert werden.

Aktuelle Single: ´FLOWERZ´ inklusive Musikvideo über das österreichische Plattenlabel „Konkord Records“ veröffentlicht https://www.youtube.com/watch?v=k3JtmbnJPLk

Markus Keimel: „Mit dem Lied „Flowerz“ möchte ich ein Zeichen gegen Mobbing setzen. Der Song ist daher allen Menschen gewidmet, die Ausgrenzung oder Ungerechtigkeit erfahren haben, und soll Mut machen, den eigenen Wert niemals aus den Augen zu verlieren. Warum „Flowerz“? Weil Menschen wie Blumen sind: In einem Umfeld voller Respekt, Wertschätzung und Liebe können sie aufblühen und ihre ganze Schönheit entfalten. Werden sie hingegen ständig verletzt oder klein gemacht, beginnen sie zu verwelken. Mit „Flowerz“ möchte ich daran erinnern, dass jeder Mensch die Chance verdient, aufzublühen – und dass Mobbing niemals Akzeptanz erfahren darf.

Fotos _ Markus Keimel: privat

Foto _ Motiv: Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig _ 20.9.2026

https://literaturoutdoors.com

„Wir müssen verstehen lernen, dass gesellschaftlicher Frieden ein proaktiver Prozess ist, an dem sich alle beteiligen müssen“ _ 5 Fragen _ Markus Keimel, Musiker _ Graz 23.9.2026

5 Fragen an Künstler:innen

Markus Keimel _ Musiker, Schriftsteller, Künstler, Journalist  _ Graz

Lieber Markus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag beginnt mit einer Tasse Tee, denn ohne Tee geht bei mir gar nichts. Fenchel, Thymian-Spitzwegerich und Kamille sind meine größten Freunde, wenn es um ein gelungenes Morgenritual geht. Der Ablauf danach ändert sich je nach Jobs, Aufgaben und Projekten. Zweimal eine Stunde Bewegung gehört allerdings zum festen Bestandteil meines Tagesablaufs. Aktuell dreht sich natürlich viel um die Promotion und Öffentlichkeitsarbeit zu meiner neuen Single „Flowerz“. Das nimmt einen großen Raum ein. Zudem arbeite ich bereits intensiv an der Vorproduktion einer neuen Single. Ich habe nach einer längeren Pause auch die Schreibarbeiten für meinen neuen Roman wieder aufgenommen. Von langweiligen Tagesabläufen kann ich also zum Glück nicht berichten.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir wieder lernen uns als Ganzes zu betrachten und damit aufhören, uns in derart absurde Kleinstpartikel zu spalten, wie das zunehmend der Fall ist. Ich kann das inflationär und leider völlig unbedacht verwendete „N-Wort“ nicht mehr hören. Und auch dieses unnötige Auseinanderdividieren unterschiedlicher Generationen, etwa durch spaltende Begrifflichkeiten aus der Soziologie, die im bürgerlich verwendeten Kontext weniger Konflikte beschreiben, als dass sie sie schüren…das macht mich doch sehr traurig. Zwischen den Generationen liegt nämlich kein Abgrund – lediglich Zeit, der wir viel zu viel Bedeutung schenken. 

Wir müssen auch verstehen lernen, dass gesellschaftlicher Frieden ein proaktiver Prozess ist, an dem sich alle beteiligen müssen. Frieden ist ein fragiler Zustand, den man sorgsam behandeln muss. Man kann einander auch Freund nennen, wenn man ein unterschiedliches Weltbild hat. Akzeptanz statt Ignoranz, Diskussion statt Gegendemo, Hände reichen statt Fäuste ballen, Brücken statt Gräben, das wäre wünschenswert und aus meiner Sicht sehr wichtig. 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Bedingt durch die Entwicklung rund um KI empfinde ich zum ersten Mal in meinem Leben reale Angst, dass Kunst und Musik für zukünftige Generationen tatsächlich redundant und bedeutungslos werden könnten. Ich würde mir schon wünschen, dass wir als Gesellschaft besser und möglichst rasch verstehen lernen, dass Freiheit, Realität und Menschlichkeit, erstens analog, und zweitens, existenziell für eine fortschrittliche und freie Zivilisation sind.

Welche Rolle Kunst und Musik dabei spielen, lässt sich wohl variabel auslegen. Ich finde: Kunst darf politisch und kritisch sein, sie muss es aber nicht zwangsläufig! Kunst darf auch lediglich virtuos sein, sich der Ästhetik verschreiben und so eine weitaus höhere Aufgabe bekleiden, als bloß ein gesellschaftspolitischer Spiegel zu sein. Politische Kunst läuft häufig Gefahr, ein Spielball von Ideologien zu werden. Dafür sollte sie nicht herhalten müssen. Ein Künstler trägt im öffentlichen Raum ja auch eine bestimmte Verantwortung, der er sich bewusst sein sollte.

Was liest Du derzeit?

Ich komme leider kaum zum Lesen, da ich derart viel schreibe. Erst vor wenigen Wochen bin ich mit meinem ersten Kinderbuch fertig geworden. Aktuell bin ich in den Arbeiten für meinen neuen Roman verstrickt. Im nächsten Urlaub würde ich aber gerne die Originalfassung von Gulliver’s Reisen lesen, der besonders sprachlich ein Leckerbissen ist. Ich habe auch tatsächlich noch so manchen Klassiker der Weltliteratur nachzuholen: beispielsweise Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe. Alles schafft man eben irgendwie nicht. Aber das steht auf meiner Liste ganz oben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Da nehme ich gerne eine Metapher meiner neuen Single-Veröffentlichung zum Anlass. Menschen sind wie Blumen: In einem Umfeld voller Respekt, Wertschätzung und Liebe können sie aufblühen und ihre ganze Schönheit entfalten. Werden sie hingegen ständig verletzt oder klein gemacht, beginnen sie zu verwelken. Schaffen wir also gemeinsam ein Umfeld, das uns als Nährboden zum Blühen dient.

Vielen Dank!

Ich danke ebenso und wünsche alles Liebe!

Markus Keimel _ Musiker, Schriftsteller, Künstler, Journalist  

Zur Person/über mich: Markus Keimel ist ein österreichischer Musiker, Künstler, Schriftsteller und Journalist. Er wurde 1987 in der Steiermark geboren, wo er im zarten Alter von zwölf seine ersten Songs zu schreiben begann und bereits mit vierzehn Jahren im Grazer Orpheum sein erstes Konzert spielte.

Seine Lieder bezeichnet Keimel als Friedensstifter und Seelenstreichler. „Wer meine Musik hört, soll darin abtauchen können und dieser Welt für einen wunderschönen und schwerelosen Augenblick entfliehen.“ Markus Keimel fokussiert sich dabei auf harmonische und einprägsame Melodien, smoothe Sounds und anspruchsvolle handgemachte Musik. Der Stil des Singer-Songwriters knüpft in Keimels Klangnetz zwar den roten Faden, durch die Beimengung von Einflüssen aus unterschiedlichen Genres wie Pop, Rock oder Jazz knotet sich daraus allerdings eine Art Slackline, auf der man angenehm hin und her balanciert, ohne jemals das Gleichgewicht zu verlieren. Markus Keimel bedient sich dabei an einem breiten Instrumentarium, das von Gitarren, Bass, Klavier, Schlagzeug bis hin zu Streichern und E-Gitarren reicht.

„Für mich ist jedes Lied ein eigenständiges Kind mit ebenso eigenständigen Bedürfnissen. Da ich sehr darauf bedacht bin, genau auf diese zu hören und einzugehen, klingt am Ende auch keines gleich. Diese Abwechslung in der Musik ist mir wichtig“, sagt Keimel. Die Texte sind inhaltlich allesamt aus dem Leben gegriffen. Sie handeln von besonderen Erlebnissen, Liebe, Kummer, Sorgen, Träumen, Freundschaft oder anderen Geschehnissen, die dem Sänger am Herzen liegen.

Als Musiker und Sänger veröffentlichte er bisher mehrere Tonträger unterschiedlicher Genres (Rock, Pop, elektronische Musik) und spielte mehrere Hundert Konzerte in Europa. Keimel komponiert, spielt und schreibt all seine Lieder und Texte selbst. Er ist Sänger, beherrscht das Gitarren- und Bassspiel und komponiert für Streichinstrumente sowie Klavier. Weiters schreibt und publiziert Keimel Aphorismen, Sprüche, Lebensweisheiten und Texte, die mittlerweile täglich von Politik, journalistischen und sozialen Medien sowie Wirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz zitiert werden.

Aktuelle Single: ´FLOWERZ´ inklusive Musikvideo über das österreichische Plattenlabel „Konkord Records“ veröffentlicht https://www.youtube.com/watch?v=k3JtmbnJPLk

Markus Keimel: „Mit dem Lied „Flowerz“ möchte ich ein Zeichen gegen Mobbing setzen. Der Song ist daher allen Menschen gewidmet, die Ausgrenzung oder Ungerechtigkeit erfahren haben, und soll Mut machen, den eigenen Wert niemals aus den Augen zu verlieren. Warum „Flowerz“? Weil Menschen wie Blumen sind: In einem Umfeld voller Respekt, Wertschätzung und Liebe können sie aufblühen und ihre ganze Schönheit entfalten. Werden sie hingegen ständig verletzt oder klein gemacht, beginnen sie zu verwelken. Mit „Flowerz“ möchte ich daran erinnern, dass jeder Mensch die Chance verdient, aufzublühen – und dass Mobbing niemals Akzeptanz erfahren darf.

Foto: privat

Walter Pobaschnig _ 20.9.2026

https://literaturoutdoors.com

„möchtest du die feuerfrucht, das himbeerreich?“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text/Lesung & Performance _ Tamara Labas/Clara Maria Traar/Franz Josef Danner _ Frankfurt_Main/Graz/Wien _ 22.9.2026

Clara Maria Traar, Tänzerin, Choreographin _ Graz _ performing „Undine geht“ _
Donau/Wien _ 8/26 _
„Undine geht“ Erzählung, Ingeborg Bachmann 1961 _
Franz Josef Danner_Schauspieler_Wien _ performing „Malina“ am Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 7/21, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _ Wien

MALINA _ Akrostichon

Text & Lesung _ Tamara Labas, Schriftstellerin _ Frankfurt/Main

Performance _ Clara Maria Traar, Tänzerin, Choreographin _ Graz

Franz Josef Danner, Schauspieler_Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Hommage à Ingeborg Bachmann

Tamara Labas, Schriftstellerin _ Frankfurt/Main _ liest „Malina – Akrostichon“

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

MALINA

möchtest du die feuerfrucht, das himbeerreich?

am abend beim wein und bei verklärter absicht

liebesflüche, ein reigen am rasierklingenscharfen abgrund

in ihrer heiligen membran verbrannte eine

nachttrunkene, drückte sich in den haarriss des endlosen

achilles fällt mir ein und der hauch nackter asche

Tamara Labas, 7.9.2026

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Lesung _ Tamara Labas, Schriftstellerin _ Frankfurt/Main

Performance _ Clara Maria Traar, Tänzerin, Choreographin _ Graz

Franz Josef Danner, Schauspieler_Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Tamara Labas, Schriftstellerin

Zur Person/Website: Tamara Labas

Clara Maria Traar, Tänzerin, Choreographin
Franz Josef Danner, Schauspieler

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Tamara Labas _ Marko Cerovac.

Fotos: Clara Maria Traar, Tänzerin, Choreographin _ Graz _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _ „Undine geht“ Erzählung, Ingeborg Bachmann 1961 _ Walter Pobaschnig 8/26

Franz Josef Danner_Schauspieler_Wien _ performing „Malina“ am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 7/21

Motive: Himbeeren/Himmel _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 6.9.2026

https://literaturoutdoors.com

„Dass sie so vielen Menschen Mut gemacht hat“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Patrick Wilden, Schriftsteller _ Dresden 22.9.2026

Ingeborg Bachmann _ Patrick Wilden

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Patrick Wilden, Schriftsteller _ Dresden

Lieber Patrick, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Nicht viele, aber dafür bleibende. Rund um meinen dreißigsten Geburtstag stieß ich vor vielen Jahren auf ihre Erzählung „Das dreißigste Jahr“, die ich sehr bewegend fand. Außerdem las ich Terézia Moras Roman „Alle Tage“, der damals (2004) erschien und Bachmanns gleichnamiges Gedicht zum Motto nimmt. Und über einen Kurzessay von Libuše Moníková geriet ich an ihr Gedicht „Böhmen liegt am Meer“.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Eine unauffällige Prägnanz, der man sich erst allmählich bewusst wird, eine freundlich-unnachgiebige Lust an der Wahrheit, ja, der Wahrhaftigkeit. Und durch ihr Schicksal auch eine Tragik.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Angeregt durch den Film „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ (2026) auf alle Fälle ihre Dankesrede zum Erhalt des Hörspielpreises der Kriegsblinden (1959): „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie trifft den Nagel auf den Kopf – in dem Maße, wie die Autorin unverstanden blieb, sich unverstanden fühlte. Ihre Äußerungen in Interviews – zu diesem Thema, aber auch zum (miserablen) Zustand der Welt allgemein – wirken wie dahingesagt und verraten doch eine poetische Sicht und Einsicht. Es ist keine kurzatmige, sondern eine sehr tiefgehende Kritik. Und nie plakativ.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Glücklicher, hoffe ich, bedingungsloser – und zugleich mit einem gerechteren Begriff von Freiheit.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Daraus klingt mir eine viel zu starke Absicht. Sicher, wenn man schreibt – und wie Ingeborg Bachmann, noch dazu in einer für Frauen schier unmöglichen Zeit, Erfolg hat – entsteht etwas Bleibendes, nämlich das Werk, welches ein solches Martyrium erträglich, verkraftbar macht. Aber in der Zwickmühle des Schreibens, noch dazu wenn man, wie Bachmann, davon auskömmlich leben will oder muss, spürt man nichts davon. Es ist eine Überzeugung, vielleicht auch eine Berufung: Man muss das tun – und Punkt. Es ist harte Arbeit. Es ist zum Verzweifeln. Sie ist noch dazu durch ihre nachsichtige, aber auch tragische Unnachgiebigkeit für viele Frauen zum Vorbild geworden.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Mir fällt noch ein menschlicher Zug ein. Ich habe sie in den Ausschnitten aus Interviews, die ich gesehen habe, nie wirklich unfreundlich, patzig, ausrastend erlebt. Wie schafft so jemand das nur, der ,im öffentlichen Interesse‘ stehend sich permanent blöd anreden lassen muss…?

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Dass sie so vielen Menschen Mut gemacht hat.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich versuche mich gerade an Gedichten, die ich zu Bildern eines Dresdner Fotografen und zu Radierungen einer Leipziger Grafikerin schreibe. Den Winter über habe ich ein Langgedicht verfasst, das den Calembour als poetische Form nutzt. Ich hoffe nun auf eine Veröffentlichungsmöglichkeit.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Grenzt hier ein Wort an mich, so laß ich’s grenzen.
Liegt Böhmen noch am Meer, glaub ich den Meeren wieder.
Und glaub ich noch ans Meer, so hoffe ich auf Land.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Patrick Wilden, Schriftsteller

Zu Person/Werk_ Website: Patrick Wilden, Schriftsteller Patrick Wilden – Lyrik, Kolumnen, Kurzprosa | Infos. Termine.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Patrick Wilden _ Dirk Skiba

Walter Pobaschnig, 28.8.26

https://literaturoutdoors.com