„als weibliche Autorin gewagt, modern zu sein“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Rebecca Ramlow, Schriftstellerin _ Köln 16.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Rebecca Ramlow

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Rebecca Ramlow, Schriftstellerin _

Liebe Rebecca, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ich mag Bachmann, da sie es als weibliche Autorin es gewagt hat, modern zu sein, sich gegen patriarchale Strukturen zu stellen, und das, obwohl sie umgeben von Männern war – ja, ich empfinde sie als modern.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihr moderner Schreibstil, dass sie mit Konventionen brach, eine literarisch längst notwendige Aufgabe. Sich traute sich als Frau ungeschönte, ungeschminkte Worte zu sagen. Gewissermaßen ein Wendepunkt, dennoch wurde sie traurigerweise gar nicht genug beachtet – hatte on top mit Kritiken zu kämpfen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben? 

„Undine geht“, da es das ach so tolle Verhältnis zwischen Mann und Frau aufbricht und mit Klischees bricht. Mir gefällt daran, dass es so modern ist.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

„Die patriarchale Struktur der Welt hat sich leider noch immer nicht ganz abgeschafft – es hat sich zwar alles schon ein bisschen verändert – dies war ein furchtbar anstrengender &  hoch sensibler Prozess, jedoch hagelt es – dank rechtem Aufschwung, Diktatoren & wanna be Demokraten, die aber eigentlich beinahe wie Demagogen wirken —  dank manipulativen Männern, die trauriger Weise Macht innehaben, die neuerdings wieder wüten, toben, & wie Rumpelstilzchen herum strampeln, was das Zeug hält, wieder etwas auf Frauen & Co affig nieder schießen, die eigentlich gar nichts dafür können. Als säße man in einer Zeitmaschine – back to the roots. Zurück zur asozialen Egozentrik und völkischem Nationalstolz –  fast beklemmend. Selbst in Ländern, in welchen man das historisch eigentlich gar nicht darf. Zurück zu Hitler –  peng – im Jahr 2026. Natürlich gibt es auch andere, man muss differenzieren. Ich habe das Gefühl, dass die Krise dazu beigetragen hat. Jetzt darf wieder geschossen werden – man sucht wieder einen vermeintlichen Feind.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

„Ja – man muss sich immer mit sich selber auseinandersetzen – einsam & abgeschottet  – muss sich immer wieder mit der eigenen Schreiberei beschäftigen, ob man möchte oder nicht.. Kommt da für eine gewisse Zeit nicht heraus. Ich verstehe, dass manche Schrifttsteller Alkoholiker werden oder sich umbringen wollen.“

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wie sie es überhaupt ausgehalten hat, in einer männerdominanten Welt herumzutrampeln, auch noch zu schreiben, ohne dabei ganz draufzugehen? 🙂 Und: Was würde sie heute schreiben?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe einen gesellschaftskritischen Roman verfasst und muss jetzt gerade einen Film diesbezüglich – ohne Geld – stemmen. Mein Erstlingsroman – mit dem ironischen Titel „Die Leiden des mittelalten Herbies: (Be-)Gattungslos“- der mit einem Preis für die beste Neuerscheinung 2023 ausgezeichnet wurde, ist eine radikale, gesellschaftskritische Reise durch zwei Länder, eine Absage an die Hyperperfektion und eine Liebesgeschichte jenseits des zu oft getretenen Klischeepfades, beginnend in einer Psychiatrie, für welchen ich ein Stipendium durch die Kulturförderung NRW  erhielt, sowie eine Untersuchung der perversen Machtmechanismen zwischen sexuellem Missbrauch & Hyperkapitalismus, bieten sich doch beide hinterrücks an, den jeweiligen Personen vorspielend, sie würden Glück und Liebe per Klick erkaufen können, dabei jene jedoch im Umkehrschluss wiederum teils zu Dingen zwingend. Um das Wagnis, als weibliche Autorin, den Coitus interruptus zu vollziehen. Die weibliche Männlichkeit zu wagen, ohne dies erklären zu müssen. Um die Fragestellung: „Wohin mit Gefühlen in einer emotional beduselten Welt?“

Herzlichen Dank für das Interview!

Rebecca Ramlow, Schriftstellerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Rebecca Ramlow _ privat.

Walter Pobaschnig   4.2.2026

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„Macht macht Ohnmacht, macht Schatten, macht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Performance _ Martina Sinowatz/Pia Schiel _ Wien 16.3.2026

Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Martina Sinowatz, Schriftstellerin _ Wien

Performance _  Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende
Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende

MALINA



M
acht macht Ohnmacht, macht Schatten, macht

Abhängig, macht schwach, macht unsichtbar.

Liebe zum Schönen ist Machtkampf, ist Gehen

Ist Vergehen, ist

Nicht mehr, als ein Unbemerktes Schwinden in den

Abgrund, in den Spalt nach dem Servieren des letzten Kaffees

Martina Sinowatz, 15.3.2026

Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende
Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Martina Sinowatz, Schriftstellerin _ Wien

Performance _  Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Martina Sinowatz, Schriftstellerin _ Wien
Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Martina Sinowatz _ privat.

Fotos_ Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23.

Walter Pobaschnig, 15.3.2026

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„eine Spannung zwischen Sprache und Stille“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _  Ina Riegler, Malerin _ Kärnten 15.3.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100. Geburtstag Ingeborg Bachmann –

Im Interview _  Ina Riegler, Malerin _ Kärnten

Liebe Ina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Für mich legt Ingeborg Bachmann Wunden frei. Ihre Sprache formt poetische Räume und diese funktionieren für mich wie Bildfragmente die eine Stimmung öffnen. Auch eine Spannung zwischen Sprache und Stille, eine Welt aus Brüchen, aus Unsicherheit, aus dem Versuch, eine Wahrheit zu formulieren, die sich immer wieder entzieht.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Besonders für mich ist die existenzielle Kraft, die radikale Ehrlichkeit; die Psyche, der musikalische Rhythmus, Schönheit, Präzision und Verletzlichkeit. Sie geht kritisch mit Sprache und Machtstrukturen um. Das Offenlegen von struktureller Gewalt, die in Beziehungen, in gesellschaftlichen Rollen und in der Sprache selbst eingeschrieben sind.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Das Gedicht „An die Sonne“ liebe ich, besonders den Klang, wenn sie es selbst liest. Die Schönheit ihrer musikalischen Sprache, der Rhythmus ihrer Stimme. Der Roman Malina. Ein seelisches Protokoll, wie eine Installation; die Verdichtung in den Gedichten aus der gestundeten Zeit;

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden patriarchalen Welt heute?

Leider noch immer sehr aktuell. Noch immer gibt es Machtverhältnisse der Gewalt in allen Kulturen bzw. werden diese wieder in diversen Bewegungen wie „etwa der „Tradwifes“ reinszeniert. Psychische und strukturelle Gewalt wird auch vor allem in der Sprache sichtbar. Noch immer.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema – „die Männer sind unheilbar krank…“ (1971). Wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Bachmann zwingt uns, Liebe nicht romantisch zu verklären. Ihre Texte zeigen, wie sehr Liebe mit Macht, Angst und Projektion verbunden sein kann. Wenn sie schreibt, dass die Männer unheilbar krank sind, kritisiert sie damit ja vor allem die zerstörerischen Machtstrukturen innerhalb von Beziehungen. Nach Bachmann zu lieben bedeutet vielleicht, Beziehungen bewusster und gleichberechtigter zu gestalten, ohne Dominanz und Abhängigkeiten, sondern die Freiheit des Anderen anzuerkennen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren …“ – Ist Kunst immer auch eine Form des persönlichen Martyriums?

Für Bachmann ist Kunst eine sehr intensive und schmerzhafte Form der Existenz. Ob Kunst eine Form des persönlichen Martyriums ist, kommt immer auf den Menschen an, der Kunst macht und wie er sie zum Ausdruck bringt.  

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- und gesellschaftskritischen Positionen noch hervorheben?

Ihren bedeutenden Beitrag zu feministischen Diskussionen in der Literatur. Ihre Musikalität. Ihre Texte haben einen Rhythmus, der fast körperlich wirkt. Außerdem beeindruckt mich ihre Fähigkeit, Bilder zu erzeugen, die gleichzeitig konkret und traumartig sind. Diese poetische Bildkraft. Sie lädt dazu ein, weiterzudenken, zu übersetzen, visuelle Formen zu finden.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt oder gefragt?

Ob bei ihr am Anfang Bild oder Wort steht? Ob sie beim Schreiben Bilder sieht? Ob ihre Texte aus inneren Bildern entstehen oder ob die Bilder erst durch die Sprache entstehen?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Das nächste Projekt ist am 21, März im Kulturhof Villach. In den zwei ausgestellten Werken geht es um eine Reflexion über zehn Jahre sozialer Arbeit mit fremduntergebrachten Kindern. Kinder, die Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Suchterkrankungen im familiären Umfeld erlebt haben. Kinder, deren Biografien von Brüchen geprägt sind – und dennoch von einer leisen, oft übersehenen Stärke. Für die Ausstellung entwickelte die Band Man of Isle eine eigens konzipierte Klanglandschaft. Ausgangspunkt bildet bisweilen unveröffentlichtes Material, aus dem ein Loop hervorgeht, der sich im Verlauf zunehmend auflöst.

Danach folgt am 23. März eine Ausstellung mit dem Künstlerinnenkollektiv Barbara Ambrusch Rapp und Marjeta Angerer-Guggenberger um 18: 00 in der BV Galerie. In der interdisziplinären Ausstellung „zeiTräume“ navigieren wir zwischen historischen Epochen, formalen Zugängen und gesellschaftlichen Fragestellungen der Gegenwart und Zukunft. Hier habe ich mich mit altmeisterlich klassischen Maltechniken auseinandergesetzt und kunstgeschichtliche Elemente in gegenwärtige Allegorien übersetzt.

Ein weiteres Projekt ist dann am 16.04. beim Kulturforum Kärnten, kuratiert von Ludwig Riedmann, mit einer Lesung von Lojze Wieser und Barbara Maier. Ich habe die slowenische Bibliothek illustriert und werde mehrere Werke, neuere und ältere, dort ausstellen.

Darf ich abschließend um ein Bachmann-Zitat bitten?

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Ingeborg Bachmann, Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden 1959 für „Der gute Gott von Manhattan“.

Herzlichen Dank für das Interview!

 Ina Riegler, Malerin _ im Atelier

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Ina Riegler 1 privat, 2 NMH.

Walter Pobaschnig   9.3.2026

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„Malend erinnere ich Worte, mal INA“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Ina Riegler/Julia Hagenhofer _ Kärnten/Wien 15.3.2026

Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Ina Riegler, Malerin _ Kärnten

Performance _ Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende
Ina Riegler, Malerin
Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende

MALINA

M
alend erinnere ich Worte, mal INA

A us Licht und Schatten geformt

L eise brennen die Sätze

I n Farben, Macht und Ohnmacht

N ach Wittgenstein

A ls Spur in meinem Gehirn

Ina Riegler, 9.3.26

Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende
Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Ina Riegler, Malerin _ Kärnten

Performance _ Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Ina Riegler, Malerin
Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Ina Riegler 1 NMH; 2 privat.

Fotos: Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21.

Walter Pobaschnig   9.3.2026

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„einer gewaltdurchtränkten Welt die Stirn geboten“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Hubert Maria Moran, Schriftsteller _ Glanegg/Kärnten 14.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Hubert Maria Moran

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler

Lieber Hubert, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann war anfänglich in der Jugend, als ich meine Bettstatt im Klagenfurter Musil Haus, welches vormals dem Konsum gehörte unter der Woche hatte. Abends lernte ich im „Bierjokl“, ein Lokal in der 10. Oktobers Straße den gleichaltrigen „Gerd Jonke“ kennen. Am Tresen infizierte ich mich durch geistvolle Dialoge mit dem Ingeborg Bachmann-Virus. Humbert Fink sei Dank, er hatte das Wettlesen ins Leben gerufen.  Leider habe ich Gert, den ersten Bachmannpreisträger später aus den Augen verloren. Meine Jugendzeit war weniger behütet als die seine und vielen anderen in der damaligen Zeit.

Später verfolgte mich Ingeborg Bachmanns Stimme im Radio. Insbesondere waren es ihre Gedichte, die mich berührten. Sie besprachen die Ängste des Lebens, ähnlich wie bei Christine Lavant. Irgendwann gab es Toncassetten, auf denen mich ihre Stimme im Autoradio in den Bann zogen. Noch heute spiele ich häufig eine nachvertonte CD in meiner Audioanlage ab. Ich glaube zu meinen, es besteht eine Seelenverwandtschaft zwischen mir und der großartigen Dichterin. Was für sie, in den Texten das Feuer war, ist für mich das Blut und die vernehmbaren Schritte des nahenden Schnitters.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Das Besondere in ihrem Sprachduktus war die verankerte Melancholie und ihre Philosophie des individuellen Daseins. Die Furcht vor dem Feuertod war im Hinterher doch eine Prophezeiung.

  • „Gute Gedichte sind immer Produkte des kontrollieren Außersichseins, nicht von Innerlicher Schlafwandelei“

Thommas King

  • ERKLÄR MIR LIEBE“

Wasser weiß zu reden, die Welle nimmt die Welle an der Hand, Im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt, so arglos tritt die Schnecke aus dem Haus! Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann: Ein Stein weiß einen anderen zu erweichen! Erkläre mir, Liebe, was ich nicht erklären kann: sollt ich die kurze schauerliche Zeit nur mit Gedanken Umgang haben und allein nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun? Muss einer denken? Wird er nicht vermisst? Du sagst:  es zählt ein anderer Geist auf ihn … Erklär mir nichts. Ich sehe den Salamander durch jedes Feuer gehen. Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Ingeborg Bachmann

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Die gestundete Zeit, Anrufung des Großen Bären und alle ihre Gedichte.

  • „Er kam das Feuer immer wieder in ihren Texten eine Rüsselmaske sein Antlitz eine Patronentasche sein Gürtel einen Flammenwerfer seine Hand. Oder „von Schaukelstühlen heimlich gewordene Geschlechter stößt er sich ab“ – „außer sich geraten mit dem Feuerhelm verwundet er die Nacht.“

Wunderbare Essays und ihr vermischtes Schriftwerk zeigten ihre persönliche Note geistvoll auf. Die große Kärntner Autorin gab in ihren Tagebüchern vieles preis und ihre Beiträge las ich auch in internationalen Gazetten und Journalen. Texte wie „die blinden Passagiere“ waren epochal und für die vergangene Zeit eine stimmige Absprengung in der Lyrik zugunsten gehobener Literatur.  Der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete Ingeborg Bachman überheblich als gefallene Lyrikerin. Heute würde er sich für seine unbedachte Äußerung entschuldigen.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ingeborg Bachmann hat als Jugendliche auch den 2. Weltkrieg erlebt und ihre Texte bezüglich der Gesellschaftskritik waren nicht zerstörend. Einer patriarchalischen und gewaltdurchtränkten Welt hätte sie die Stirn geboten. Häme, Hetze und Hass in sozialen Medien sind leider gang und gebe, Ingeborg Bachmann wäre diesem Übel sicher textbewaffnet entgegengetreten!

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Literatur und Kunst werden auch immer das persönliche Martyrium thematisieren. Literatur darf auch nicht schweigen und wegschauen, sondern den Finger auf die wunde Stelle legen, wo es weh tut. Ingeborg Bachmann hat alles besprochen, alles, was sie bewegt, oder gedrückt hat sie thematisiert. Die Welt brauchte ihr niemand mehr erklären.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ob sie wieder den Beruf einer Schriftstellerin ausüben würde.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

ERNTEZEIT

Ich habe weiterhin viel zu tun, bevor mich der Schnitter in die ewigen Jagdgründe holt. Am Ende meines achten Jahrzehnts ist es nach sechs Publikationen wieder an der Zeit, mein Buch „SIEGEL DES SEINS“ (ca. 348 Seiten, Arial Pt 10) in die literarische Umlaufbahn zu bringen.

„Immerfort bist du Dichter, als ob du keiner wärest. Du schreibst satirisch, melancholisch und lebensfroh. Entflammt bist du vom Traum der Vergangenheit und blutjung atmet jedes Gedicht in der Zukunft. Das oft einfach Scheinende und Naturgebundene liebst du unumwunden, bald wird es wieder in ein Buch gebunden. Sichtbar gute Laune rollt, wie in einer Kalesche sanft und weich am Fahrweg deiner Seele. Selbst lebst du im passenden Gehöft, abseits hinter dem Hügel, im aufgeschlagenen Land. Du atmest die klare Bergluft. Auf deiner Wiese äst das Wild vor dem Sensenschnitt, denn dort wächst üppig der wilde Klee im langen Schatten hoher Eichen. Das Abendlicht verschluckt deine Blicke weichen zu den Wiesenblumen hin und du genießt täglich das Sonnenlicht beim Entgegensehen deiner letzten Nacht!“

Hubert Maria Moran

Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler _
Mitglied beim Kärntner Schriftstellerverband, Kärntner Bildungswerk, IG Autoren Wien und Literar-Mechana Wien

Herzlichen Dank für das Interview!

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Fotos _ Portrait: Hubert Maria Moran_ privat.

Walter Pobaschnig, 22.2.26

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„Mauern schweigen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Hubert Maria Moran/ Sylvia Caba _ Wien 14.3.2026

Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text _  Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler

Performance _ Sylvia Caba, Künstlerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24, folgende

MALINA

M
AUERN SCHWEIGEN

ABER NICHT IMMER

LEIDENSKERKER

INNERHALB

NOTLEIDEN

AUFGABE

Hubert Maria Moran, 23.2.26

Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text _  Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler

Performance _ Sylvia Caba, Künstlerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, 1962

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

 Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler
Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Hubert Maria Moran _ privat.

Fotos: Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24
.

Walter Pobaschnig   23.2.26

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„Meerhin der Blick“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Friedrich G.Paff/Linda Pichler _ Wien 13.3.2026

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Performance _ Linda Pichler, Schauspielerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24, folgende

MALINA

M
eerhin der Blick

Atme das Salz

Laß dich fallen

In die Wellen hinein

Nirgends ist Atem

Außer in dir

Friedrich G.Paff, 24.2.26

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Performance _ Linda Pichler, Schauspielerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Friedrich G.Paff, Schriftsteller
Linda Pichler, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Friedrich G.Paff _ privat.

Fotos: Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24
.

Walter Pobaschnig   24.2.26

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„Wind, Salz und Klang“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _  Friedrich G.Paff, Schriftsteller _ Marburg/D 13.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Friedrich G.Paff

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview_  Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Lieber  Friedrich, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Das Glück gehabt, sie nie in der Schule oder an der Uni lesen zu müssen.

Auf Einladung der Kärtner Slowenen war ich mal in Klagenfurt, den großen steinernen Lindwurmdrachen dort gesehen, in einem Gasthof gewesen und dort vernommen, wie ein Literaturpapst dort immer speiste und Hof hielt, ehe die Bachmann-Wettbewerbe begannen. Vom Präsidenten des Kärntner Landtages Josef Schantl habe ich noch einen großen Bierkrug als Erinnerung.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Wind, Salz und Klang. Und das Wort ein Funke, ein Vers, ein Atem.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ihre Gedichte.

Zum Beispiel : “Das Spiel ist aus“ oder  “Wahrlich“.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie hat gerochen, dass gesellschaftliche Zerstörungen tiefer liegen als Rollen, Klischees, Zuweisungen und Schablonen. Gebrandmarkt flieht das aufgescheuchte Wild in die Einsamkeit der Wälder oder in die Leere der Gassen oder in den abendlichen Trubel. Wie zerstörerisch ist allein dieses „heute“, was in den Feuilletons gerade angesagt Mode, heute ist, was “in“ ist. Aber in der Dichtung ist das heute immer auch schon ein ex.

Die Spannungsfelder der Geschlechterrollen weiß Elfriede Jellinek besser auszuleuchten. Aber interessant – Bachmann schreibt in ihrem Gedicht Exil, „ein Toter bin ich. Abgetan lange schon und mit nichts bedacht“. Sie schreibt nicht „eine Tote“.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Was wäre Liebe denn, wenn sie heilbar wäre. Liebe erklärt sich nie. Das Zittergras würde sofort verbrennen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ja.

Um mit ihren Worten es zu sagen, sonst leuchten wir das Dunkel mit den Fingerspitzen nicht aus. Rollen die Blutorangen nicht.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Über den Tag hinaus den Horizont zu sehen. Die Weite des Meeres und in sich den Auftrag, der selbstzerstörerisch und schöpferisch zugleich, den eigenen Vater zu erfassen und zu bewältigen. Der Auftrag in ihr, auch wo sie diesen nicht äußert, welches Du der Opfer hat überlebt, das uns von unseren eigenen Schatten erlöst.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Böhmen liegt nicht am Meer

und der Hades nicht nur in der Unterwelt

Orpheus durchstreift die Reiche

wo ungeschieden Leben und Tod

Sensen und Blühen des Grases

in der höchsten Lust der Tod

schon zuckt, in den Fossilien noch

rauscht das Meer, Franziskus

seine Gebeine jetzt sichtbar

füttert die Vögel, Gott wartet

auf Dante wenn er die Höllen

durchstreift, an der ligurischen

Küste in Lerici einem einsamen

Fischerdorf brennen die Kähne

verspannen die Netze sich

glänzen Muscheln weiß im Sand

lösen alle Netze sich auf

knoten nie mehr sich zu

geht die Sonne auf oder unter

über den sieben Hügeln von Rom

plätschern die Brunnen

stauben sich Plätze und Straßen

dass Du ist immer der andere

nie erreichbar, nur ersehnt

es zählt nur die Dichtung

das Wort, Atem ist nur

im Schweigen das sich

dem Geplärre entzieht

in den Nischen der Wände

ruht das Licht in Schatten sich aus

wenn die Nacht hereinkommt

vom Fluss her noch Lichter

was bleibt ein Funke, ein Vers

ein Atem, zieht alles sich glatt

zündet eine Zigarette sich an

schreibt eine Dichterin der Schritt

ins Leere ist der letzte Schritt

doch das Lied überm Staub danach

wird uns übersteigen

*  * *

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Meine Texte sichern. Fortfahren auf facebook meine autonome Gedichtproduktion. Leider keine Hilfe bei homepage, Wikipedia-Artikel usw.

Mich abfinden damit, dass meine geliebten Italienaufenthalte in Cartosio mir wohl nicht mehr gegönnt sind. Was sagt Ingeborg Bachmann über Italien:  Hier hab ich leben gelernt.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Im Gewitter der Rosen ist die Nacht von Dornen erhellt.

Ich seh den Salamander durch jedes Feuer gehen. Kein Schauer

jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person: http://www.friedrich-g-paff.de/

Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Friedrich G.Paff _ privat.

Walter Pobaschnig   24.2.26

https://literaturoutdoors.com

„Unter der Oberfläche beginnt die Wahrheit“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Rotraut Schöberl/Franziska Serokina Lindenthaler _ Wien 12.3.2026

Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wienperforming „Undine geht“ _ Donau/Wien 8/23 _
Walter Pobaschnig, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

UNDINE GEHT

Text _ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien

Performance _ Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE

Unter der Oberfläche beginnt die Wahrheit

Nicht gehört werden – der älteste Schmerz

Die Liebe fordert alles

Ich spreche, doch ihr hört nicht

Nur im Wasser bin ich ganz

Euch verlasse ich, um mich zu retten

GEHT

Gewalt ist leise

Erinnerung bleibt

Herz und Sprache brechen

Trotzdem weitergehen

Rotraut Schöberl10.1.2026

Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wienperforming „Undine geht“ _ Donau/Wien 8/23 _
Walter Pobaschnig

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

UNDINE GEHT

Text _ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien

Performance _ Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Rotraut Schöberl, Schriftstellerin, Buchhändlerin _ Wien
Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wienperforming „Undine geht“

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann, Rom, 1962.

Foto: Rotraut Schöberl _  im Hof der evangelischen A.B. Lutherkirche _ Wien/Währing _ Sommer 2022_ Walter Pobaschnig.

Fotos: Franziska Serokina Lindenthaler, Schauspielerin, Moderatorin_Wienperforming „Undine geht“ _ Donau/Wien 8/23 _

Walter Pobaschnig, 10.1.2026

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„Selbsterkenntnis, rasches Lernen, Verantwortungsbewusstsein“ Tatjana Gregoritsch, Schriftstellerin _ Velden/Wörthersee 12.3.2026

Liebe Tatjana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ein normaler Tag (wie es auch Virginia Woolf beschreibt): Noch immer halte ich an Bewährtem aus der 2jährigen Coronaisolation fest. Unspektakulär autistisch, wirkungsvoll in schönster Disziplin: Frühmorgens Lesehalbestunde Zeitungen, Bücher von Autorenkollegen, es stapelt sich an verschiedene Stellen im Haus, Sport, meinen Selbstversorgergarten und Haus besorgen, Büro-/Admin- und Schreibzeit, Küche, ich koche täglich, viel Buntes aus dem Garten, Ruhezeit, wenn nicht ein Termin, eine Lesung ansteht, kreative Schreibzeit 2. Schicht am Abend, oft des Längeren, bis Mitternacht.

Tatjana Gregoritsch, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wie zu allen Zeiten und in schwierigen besonders: Früher aufstehen,-), Bewegung, Reduktion, Freundlichkeit anderen gegenüber, Achtsamkeit, Konzentration, Zielbewusstsein, Dankbarkeit, mit Ressourcen gut haushalten, positiv gestimmt voll Energie und Kreativität die Dinge tun, für die man da ist. Zuversicht hellen Blicks – Gottvertrauen für jene, die glauben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Selbsterkenntnis, rasches Lernen, Verantwortungsbewusstsein und Gespür dafür, was real umsetzbar ist. Kriege, neue Unsicherheiten, die strapazierte Umwelt stellen Weichen radikal neu. Umso mehr kommt es auf wirkungsvolle Arbeit an.

Was liest Du derzeit?

Neben Rechercheliteratur für mein nächstes Buch über die Karawanken lese ich immer mehreres gleichzeitig: Kate Crawford („Atlas der KI“), Hans-Markus Gauss („Schuldhafte Ungewissheit“), Andrej Rahten („Der Tod des Thronfolgers“), viel Historisches, aber auch Krimis, lieber sog. harte Kost als Weichgespültes. Jeden Freitag Wanderkarten, denn zu allen Jahreszeiten bin ich in Bergen unterwegs.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Als Sacrecoeuse in Wien erzogen: „Nichts blockiert den Geist Gottes mehr als ein Leben in Trägheit“ (Madeleine Sophie Barat) bedeutet für mich, sich immer wieder, nach Krankheit, Rückschlägen, Unfällen, aufraffen, voll Tatkraft und Humor, allen Widrigkeiten zum Trotz (nach meinem Lehrer Otto Schenk/Uni Wien/Theaterwiss.) und selbst meine ich: Etwas geht immer, Schritt für Schritt ,-)

Tatjana Gregoritsch, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Tatjana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen: Tatjana Gregoritsch, Schriftstellerin

Zur Person/über mich: Tatjana Gregoritsch, aufgewachsen im Zentrum Wiens und in Kärnten. Studium Wien, Helsinki (Medien-, Film- und Theaterwissenschaften, Skandinavistik, Finno-Ugristik, Germanistik/ Fächerkombination, Wirtschaftsuniversität Wien/ postgraduate Lehrgang für Werbung und Verkauf (Mag. phil., akad. geprüfte Werbekauffrau). Kulturreferentin in Finnland (Diplomarbeit zum skandinavischen Film). Tätig in Verlagen, Werbung und in der IT. Eigene Agenturgründung „Empower“.. Längere berufliche Auslandsaufenthalte ua. in Finnland, Deutschland und England. Lebt seit 2006 in Kärnten und Wien, schreibt Prosa und Lyrik, betreibt Bergsport und fotografiert.

Veröffentlichte Sachbücher, Beiträge in Anthologien, regelmäßige Zeitungskolumne. 2020 Krimi Verschwunden im Meerauge, Hermagoras, Klagenfurt und Erzählband Fest am Land, Löcker, Wien. 2023 Lili Novy. Durch die Zeit/Skozi čas (zweisprachige Monographie über die in Slowenien berühmte Altösterreicherin, Autorin und Netzwerkerin ihrer Zeit).
2024 Brandalarm. Ein mörderisches Frauentrio. Krimi. Hermagoras, Klagenfurt, nach dem authentischen Kriminalfall „Hexentrio“ in Kärnten.
Demnächst erscheint bei Löcker, Wien: Samotans Leiche. Roman, Einem Mann holt um das Jahr 2000 seine Vergangenheit ein, Zeitgeschichte (russische Besatzung in Wien, Ostarbeiterinnen in Kärnten).
Mitglied PEN Club Austria, IG Autoren, Kärntner SchriftstellerInnenverband.

Homepage: Tatjana Gregoritsch – Bücher, Photos, Texte, Lyrik und Bilder – Schreiben

Aktueller Roman von Tatjana Gregoritsch:

Zum Roman: Tatjana Gregoritsch – Bücher, Photos, Texte, Lyrik und Bilder – Schreiben

Fotos: Portrait _ Tatjana Gregoritsch _  Ingrid Bolesch; Cover _ Verlag.

3.3.2026_Interview_Walter Pobaschnig

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