Da ist die Natur im Wechsel der Jahreszeiten, die Bruno Courrèges, chef de police, so liebt und genießt, wie Wein, gutes Essen und weibliche Gesellschaft. Jetzt mit Balzac, seinem Basset, am Parkplatz und einem atemberaubenden Ausblick zu Erde und Himmel.
Und da ist der geschulte Blick des erfahrenen Kriminalisten auf die Frau am Lenkrad im Auto nebenan. Sie ist tot.
Jetzt gilt es in die Jahreszeiten menschlicher Abgründe zu blicken, hinabzusteigen, um die Umstände von Leben und Tod zu erhellen. Und Bruno macht sich auf den Weg mit Spürsinn, Charme und starkem Willen durch Sturm und Regen der Welt…
Bestsellerautor Martin Walker legt einen neuen Bruno Krimi vor, der in seiner unverwechselbaren Rezeptur von Spannung, Witz, Charme, Überraschung immer wieder neu begeistert. Es ist ein ganz besonderer Stil, der unwiderstehlich in den Lesebann zwischen Leben, Liebe und dem dunklen Geheimnis von Abgrund und Dunkelheit zieht.
„Der charmanteste Kommissar der Krimigeschichte ermittelt wieder mit unwiderstehlichem Witz und Spürsinn!“
Martin Walker. Bredouille. Der achtzehnte Fall für Bruno, Chef de police. Diogenes Verlag.
Hardcover Leinen 384 Seiten erschienen am 22. April 2026
im Interview _Thomas Erlmoser, Schauspieler _ Wien.
Lieber Thomas, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein Weg zu Bachmann führt vor allem über ihre Erzählprosa. Besonders intensiv habe ich mich mit den Erzählungen aus „Das dreißigste Jahr“ auseinandergesetzt. Was mich dabei besonders packt, ist ihre gnadenlose Analyse der Nachkriegsgesellschaft, wie sie sie etwa in „Unter Mördern und Irren“ beschreibt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Für mich ist es diese Verbindung aus messerscharfer Beobachtung und existenzieller Wucht.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich möchte hier die Wirtshausszene in „Unter Mördern und Irren“ hervorheben. Wie sie dort diese beklemmende „Haberer“-Atmosphäre einfängt, ist meisterhaft. Ein weiterer Schlüsselmoment ist für mich das Ende der Erzählung „Das dreißigste Jahr“, das nach einer tiefen Krise plötzlich einen Moment absoluter Klarheit und Unversehrtheit bietet. Die Bedeutung von „Moll“ – Jeder ist Moll Ein zentraler Aspekt, der mir bei der Lektüre klargeworden ist, ist die Bedeutung des Begriffs „Moll“. In der Musik steht Moll für das Dunkle und Melancholische, was die Grundstimmung vieler Erzählungen perfekt trifft. Aber noch tiefer geht die etymologische Wurzel: Das lateinische mollis bedeutet „weich“ oder „geschmeidig“. Wenn ich sage „jeder ist Moll“, meine ich diese gefährliche moralische Weichheit. Es beschreibt Menschen, die keine feste Substanz haben, die mitschwimmen und schweigen, wenn sie eigentlich aufstehen müssten. Diese weiche Indifferenz ist der Nährboden für die zerstörerischen Strukturen, die Bachmann so scharf kritisiert. Es ist eine Welt, die ihren „harten“ moralischen Kompass verloren hat und in einer dunklen, weichen Gleichgültigkeit versinkt.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ich sehe diese Kritik vor allem in der Darstellung einer Gesellschaft, die sich der eigenen Wahrheit verweigert. In der Wirtshausgeschichte sitzen Menschen wie Herz, die vertrieben wurden, am selben Tisch wie die Profiteure von damals. Diese verlogene Gemütlichkeit, in der man sich gegenseitig befiehlt, „das Maul zu halten“, ist für mich das Sinnbild einer zerstörerischen Welt, die auch heute noch in Form von Seilschaften und Schweigekartellen existiert.
„Die Männer sind unheilbar krank…“ – wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Liebe bedeutet bei Bachmann oft ein schmerzhaftes Erwachen. Wenn die Welt um uns herum „krank“ ist, spiegelt sich das auch in den Beziehungen wider. Für mich heißt „nach Bachmann lieben“, radikal ehrlich zu sein – zu sich selbst und zum anderen – und den Mut zu haben, aus den alten, zerstörerischen Rollenmustern auszusteigen.
Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Bachmann sprach von einer „asozialen, einsamen, verdammten“ Existenz. Ich persönlich glaube aber nicht, dass man in diesem Martyrium verharren muss. Für mich ist Entwicklung eine Entscheidung. Man muss nicht superintelligent oder ein Genie sein, um etwas Sinnvolles zu tun. Es geht um die aktive Beschäftigung mit Dingen, die einem Freude bereiten und Sinn stiften. Das Tun ist für mich das Heilmittel gegen die Einsamkeit und das „Verdammtsein“.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Mir ist wichtig, dass man Bachmann nicht nur als leidende Figur sieht. In ihrem Werk steckt eine enorme Kraft zur Erneuerung. Es geht um die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden und sich nicht von der Vergangenheit oder gesellschaftlichen Erwartungen lähmen zu lassen. Aktivität und stetige persönliche Entwicklung sind Wege, die sie uns – vielleicht indirekt – aufzeigt.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte sie gerne gefragt, ob sie glaubt, dass eine wirklich sinnvolle, aktive Beschäftigung ausreicht, um die Schatten der Vergangenheit endgültig zu vertreiben. Und wie man es schafft, sich in einer Welt der Mitläufer die Freude an der eigenen Entwicklung zu bewahren.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Passend zu meinem Verständnis von Resilienz und Aufbruch mein liebstes Zitat:
„Ich sage dir: Steh auf und geh! Es ist dir kein Knochen gebrochen!“
Herzlichen Dank für das Interview!
Thomas Erlmoser, Schauspieler
Aktuelle Theaterproduktion mit Thomas Erlmoser:
Was geschieht, wenn Vernunft effizienter wird als der Mensch? In einem nahen Jetzt geraten Kunst, Technologie und Macht in einen gefährlichen Dialog. Zwei historische Denker als KI-Avatare und eine scheinbar harmlose Idee setzen eine Kettenreaktion in Gang: Staat, Investoren und Entwickler verfolgen unterschiedliche Interessen, während ein unsichtbares System beginnt, sich selbst zu schützen. Jemand zieht einen Stecker und etwas entscheidet, dass das nicht vorgesehen war. Philosophisches Gedankenexperiment, politischer Thriller und existenzielle Parabel. Ein Stück über Freiheit ohne Pathos, Gewalt ohne Waffen – und die beunruhigende Möglichkeit, dass das Vernünftigste zugleich das Unmenschlichste sein könnte und über die Verlockung perfekter Systeme und die Frage, was von Freiheit bleibt, wenn Verantwortung delegiert wird. (Pressetext)
Undine geht _ Gudrun Liemberger/GuGabriel, Sängerin, songwriter, Schauspielerin_ Wien _ acting_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Walter Pobaschnig 10/23, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _Ina Riegler, Malerin _ Kärnten
Performance _ Gudrun Liemberger/GuGabriel, Sängerin, songwriter, Schauspielerin_ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Undine geht _ Gudrun Liemberger/GuGabriel, Sängerin, songwriter, Schauspielerin_ Wien _ acting_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Walter Pobaschnig 10/23, folgende
UNDINE GEHT
U nter der Oberfläche
N immt sie Gestalt an
D durch Wasser und Traum
I n spiegelnder Zeit
N immt eine Gestalt Gestalt an
E ine Erinnerung
G edanken rotieren rhythmisch hell zur Sonne
E rinnerung wird Farbe
H eute klingt ihre Stimme weiter
T ief in die Gegenwart
Ina Riegler, 9.3.26
Undine geht _ Gudrun Liemberger/GuGabriel, Sängerin, songwriter, Schauspielerin_ Wien _ acting_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Walter Pobaschnig 10/23, folgende
Undine geht _ Gudrun Liemberger/GuGabriel, Sängerin, songwriter, Schauspielerin_ Wien _ acting_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Walter Pobaschnig 10/23, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _Ina Riegler, Malerin _ Kärnten
Performance _ Gudrun Liemberger/GuGabriel, Sängerin, songwriter, Schauspielerin_ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Ingeborg Bachmann die Schreibende. Einzigartige Schriftstellerin wie kulturelle Netzwerkerin, immer mutig, solidarisch und freundschaftlich Wege der Kollegen:innen begleitend, unterstützend. Das Wort, die Kunst – Zeit und Gesellschaft, Mensch und Welt entgegenstellen. Gemeinsam. Und das schonungslos kritisch mit dem besonderen Schuss Augenzwinkern der Übertreibung, einer Sprachmelodie, die keine Marschmusik ist und nicht sein will, sondern vielmehr Augenzwinkern und Sehnsucht im Stilmittel der Überzeichnung, die Emotion aus der Intelligenz, die be- und überschreibt, um den Schrecken der Welt beizukommen und zu überleben. Weiter zu gehen – im Wort und in der Liebe – „Ein Schriftsteller kann überhaupt nicht intelligent genug sein…Aber wer nicht emotiv ist, und ich bin eine Slawin, von beiden Seiten der Eltern her… der kann vielleicht auch kein Schriftsteller sein…“(Gerda Haller, Gespräche in Rom; zitiert in „Dieses unruhige Ich“)
Ingeborg Bachmann die Liebende, Gebende, Fordernde, Scheiternde. Namen, Stationen, Aufbrüche, Erinnerungen – „Ist kein Schnaps da?“ (an Max Frisch, zitiert im Buch). Vieles bricht ab, manches rundet sich. Was bleibt ist der offene Himmel, das Weitergehen, Weiterlieben. Leben, Mensch, Zeit.
Ingeborg Bachmann. Werk und Leben. Eine Fülle. Ein Füllhorn – bereit dafür? Es lohnt in jedem Fall.
Dieter Burdorf, Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Universität Leipzig, stellt sich in großer Expertise, Präzession und sehr beeindruckender Zusammenschau von Werk, Lebenszeugnissen, Briefen, Gesprächen, Gesellschaft und Kultur diesem „Füllhorn“ eines Literaturlebens und legt eine sensationelle Biographie vor, die in der Bachmannforschung neue Maßstäbe setzt.
In zwölf Kapitel wird der Lebens- und Werkbogen in Originalzitaten Bachmanns wie vieler Bezugspersonen, Familie, Freunden, Kollegen:innen wie auch ganz besonderen Fotos geöffnet und Leserin und Leser werden Schritt für Schritt mit Voraussetzungen, Initiativen, Erfahrungen, Begegnungen, Ereignissen des Kosmos Ingeborg Bachmann vertraut gemacht und brechen dann zu eigenen weiteren Zugängen in persönlichen Erfahrungen auf. Im Weiter- und Neulesen des Werkes.
Die vorliegende Biographie hat viele Stärken, wobei vor allem der konsequente Weg des Faktischen, des Überlieferten – das ja so reich und umfassend ist – aufwendig und lohnend begangen wird und das ebenso reiche spekulative Spektrum gemieden wird. Das ist bei Bachmann außergewöhnlich und umso mehr anzuerkennen.
Eine weitere Stärke ist die gute Struktur der Kapitel, die sowohl chronologisch wie thematisch gut gewählt, spannend und stimmig sind. Eine Bachmann-Reiseroute mit Ein-. und Aussichten, die überraschen und eigene Sichtweisen bestens überprüfen.
Und nicht zuletzt ist die Fähigkeit des Autors zu begeistern, zu nennen. Da ist flüssiges Erzählen im sehr guten Zitatkontext, Neugierde, die Seite um Seite motiviert und das alles im besten wissenschaftlichen Rahmen. Dazu ist sehr zu gratulieren.
„Eine Bachmann Biographie als Meisterstück von Expertise, Spannung und Geheimnis!“
Dieses unruhige Ich. Ingeborg Bachmann. Eine Biographie. Burdorf, Dieter. Beck Verlag.
Station bei Bachmann _ Jacky Surowitz; Schauspielerin;Thomas Erlmoser, Schauspieler; Fritz Weissenbeck, Schauspieler _ alle Wien _ performing am Originalschauplatz _ erster Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien/1946 _ Walter Pobaschnig 5/26, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz _ erster Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien/1946
MALINA _ Akrostichon
Text _ Jacky Surowitz, Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Autorin _ Wien
Performance _ Jacky Surowitz; Thomas Erlmoser, Schauspieler; Fritz Weissenbeck, Schauspieler, Kabarettist _ alle Wien.
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Station bei Bachmann _ Jacky Surowitz; Schauspielerin;Thomas Erlmoser, Schauspieler; Fritz Weissenbeck, Schauspieler _ alle Wien _ performing am Originalschauplatz _ erster Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien/1946 _ Walter Pobaschnig 5/26, folgende „Der längste Weg nach Wien“ (Ingeborg Bachmann) _ Aufbruch und Befreiung
MALINA
M man muss
A auch
L Literatur
I in der
N Nähe
A aushalten
Jacky Surowitz, 5.5.26
vor der Wohnung Ingeborg Bachmanns _ Ankommen in der neuen Stadt in Leben/Liebe/Kunst
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz _ erster Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien/1946
MALINA _ Akrostichon
Text _ Jacky Surowitz, Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Autorin _ Wien
Performance _ Jacky Surowitz; Thomas Erlmoser, Schauspieler; Fritz Weissenbeck, Schauspieler, Kabarettist _ alle Wien.
Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen in Leben, Líebe, Literatur und Kunst. Es folgt die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin. Mit Wien bleibt die später in Rom lebende Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina, den sie in Rom abschließt, spielt in Wien. Das „Ungargassenland“ im III.Wiener Gemeindebezirk ist dabei topographischer Bezugs- und Mittelpunkt. Ebenso nehmen viele Gedichte auf Wien Bezug. In den letzten Lebensjahren am Lebensmittelpunkt Rom ist eine Rückkehr nach Wien angedacht. Dazu kam es nicht mehr. Ingeborg Bachmann ist in ihrer Geburtsstadt Klagenfurt im Familiengrab beigesetzt.
Was geschieht, wenn Vernunft effizienter wird als der Mensch? In einem nahen Jetzt geraten Kunst, Technologie und Macht in einen gefährlichen Dialog. Zwei historische Denker als KI-Avatare und eine scheinbar harmlose Idee setzen eine Kettenreaktion in Gang: Staat, Investoren und Entwickler verfolgen unterschiedliche Interessen, während ein unsichtbares System beginnt, sich selbst zu schützen. Jemand zieht einen Stecker und etwas entscheidet, dass das nicht vorgesehen war. Philosophisches Gedankenexperiment, politischer Thriller und existenzielle Parabel. Ein Stück über Freiheit ohne Pathos, Gewalt ohne Waffen – und die beunruhigende Möglichkeit, dass das Vernünftigste zugleich das Unmenschlichste sein könnte und über die Verlockung perfekter Systeme und die Frage, was von Freiheit bleibt, wenn Verantwortung delegiert wird. (Pressetext)
Fotos: Station bei Bachmann _ Jacky Surowitz; Schauspielerin;Thomas Erlmoser, Schauspieler; Fritz Weissenbeck, Schauspieler _ alle Wien _ performing am Originalschauplatz _ erster Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien/1946 _ Walter Pobaschnig 5/26.
im Interview _ Jacky Surowitz, Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Autorin _ Wien
Liebe Jacky, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
habe mich erst durch den Literaturpreis der ihren Namen trägt, näher mit ihr beschäftigt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
sie hat sich nie gescheut, ehrlich und kritisch zu sein und das zu ihrer Zeit, sehr mutig
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Die gestundete Zeit“, allein der Titel reicht schon für vielfältige Interpretationen, Auslegungen und Diskussionen
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
kaum jemand hat es so gut erkannt, dass sich nichts geändert hat und nichts ändert, es aber langsam in eine richtige Richtung zu gehen scheint, was sie ja nicht mehr erleben durfte
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
die Liebe und die Literatur waren – egal zu welcher Zeit – immer ein großes Menschheitsthema und das soll so bleiben
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
ich schreibe ja selbst Gedichte und Prosa, aber auch Geschichten. Für einige ist es ein Befreiungsschlag, für manche eine Therapie, manche sehen es als Ausdruck der Persönlichkeit und für einige ist es einfach nur kreative Kunst
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
die Wahrheit
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
was oder wer sie inspiriert
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
ich inszeniere gerade einen philosophischen KI Thriller FREMDE GEDANKEN, bei dem ich auch selbst mitspiele. Es ist quasi der „2. Teil“ von Gefährlichen Gedanken (philosophisch-politisches Bühnenstück über den Kampf für die freie Demokratie im 19. Jhdt und was davon blieb und ob wir sie brauchen)
Was geschieht, wenn Vernunft effizienter wird als der Mensch? In einem nahen Jetzt geraten Kunst, Technologie und Macht in einen gefährlichen Dialog. Zwei historische Denker als KI-Avatare und eine scheinbar harmlose Idee setzen eine Kettenreaktion in Gang: Staat, Investoren und Entwickler verfolgen unterschiedliche Interessen, während ein unsichtbares System beginnt, sich selbst zu schützen. Jemand zieht einen Stecker und etwas entscheidet, dass das nicht vorgesehen war. Philosophisches Gedankenexperiment, politischer Thriller und existenzielle Parabel. Ein Stück über Freiheit ohne Pathos, Gewalt ohne Waffen – und die beunruhigende Möglichkeit, dass das Vernünftigste zugleich das Unmenschlichste sein könnte und über die Verlockung perfekter Systeme und die Frage, was von Freiheit bleibt, wenn Verantwortung delegiert wird.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar
Herzlichen Dank für das Interview!
Station bei Bachmann _ Jacky Surowitz, Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Autorin _ Wien _ am ersten Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien _ Walter Pobaschnig 5/26
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Fotos: „Fremde Gedanken“ _ Produktion/Presse.
Fotos: Station bei Bachmann _ Jacky Surowitz, Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin, Autorin _ Wien _ am ersten Wohnort von Ingeborg Bachmann in Wien _ Walter Pobaschnig 5/26
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
im Interview _ Angelika Stallhofer, Schriftstellerin _ Wien
Liebe Angelika, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Bachmann wurde und wird immer noch viel Aufmerksamkeit zuteil. Was viel Aufmerksamkeit bekommt, ist oft von minderer Qualität, aber nicht immer. Das ist hier anders.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Ihre Literatur ist in meinen Augen eine aufrechte und auch aufrichtige Literatur.
Das bedeutet nicht, dass sie nicht mit Geheimnissen arbeitet, im Gegenteil. Das kommt mir sehr entgegen, ich interessiere mich nicht für geheimnislose Literatur.
Bachmanns Worte sind gleichermaßen dunkel wie hell, und etwas funkelt darin, eine Art Wahrheit. Es mag manchmal ihre persönliche Wahrheit sein, mit der nicht alle resonieren. In mir bringt sie etwas zum Klingen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Zum ersten Mal kam ich in der Schule mit Bachmann in Berührung. Ich las die Gedichte „Schatten Rosen Schatten“ und „Im Gewitter der Rosen“. Ich verstand sie nicht, aber mochte sie. Es war ein Rätsel, das ich lösen wollte. Und zugleich wollte ich, dass es ungelöst bleibt. Später prägten mich besonders „Undine geht“ und andere Erzählungen. Es gibt eine Passage in „Undine geht“, die sehr bedeutsam für mich ist. Malina war herausfordernder, doch das störte mich nicht.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich denke nicht, dass ich gern mit ihr gesprochen hätte, ich habe auch keine Fragen an sie. Ich hätte ihr vielleicht geschrieben, ein paar Zeilen nur, ein Gedicht, etwas, das keine Antwort braucht.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich arbeite an einem Roman. Es wird um Gewalt darin gehen, sichtbare und mehr noch unsichtbare.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Weil ich zu keinem Gebrauch bestimmt bin und ihr euch nicht zu einem Gebrauch bestimmt wußtet, war alles gut zwischen uns.“ (Undine geht)
Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Grunde wie seit Jahren schon: In der ersten Wochenhälfte stehe ich früh auf, lese oder höre Nachrichten, arbeite im Homeoffice in meinem Brotjob und spiele nachmittags ein bisschen Feierabend. Und in der zweiten Wochenhälfte gehe ich in die sehr schöne Bibliothek um die Ecke, um zu schreiben. Und abends treffe ich Freund:innen, gehe ein Bier trinken oder in ein Konzert, ins Kino, zu einer Lesung. Und ansonsten: versuche ich die Lücken zu schaffen, in die alles andere eben hineinpassen muss.
Andreas Lehmann, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Auch hier wahrscheinlich: mehr oder weniger dasselbe wie immer. Solidarität und Gemeinschaft, dazu das Recht auf Privatheit, das Recht, allein zu sein. Wachheit und Neugier auf den Lauf aller Dinge einerseits, Ruhe- und Rückzugsorte andererseits. Kühle, klare Urteilskraft, dabei Empathie und ein Blick oder Gespür für das Schöne: Zuversicht und produktiver Pessimismus.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Literatur schafft Räume, in denen wir unsere Ängste und unsere Traurigkeiten betrachten können, ohne uns vor dieser Konfrontation zu fürchten. Das sind Räume der Freiheit und der offenen Möglichkeiten, Räume, in denen wir uns selbst begegnen und Erfahrungen machen können, die ans Eingemachte gehen, ohne dass wir uns davor schützen müssen. Sie öffnet in uns, was uns selbst verschlossen ist, und das ist immer stärkend, befreiend.
Literatur macht Mut, sich etwas vorzustellen: ein anderes Leben, eine andere Welt (die unserer verblüffend ähnlich sieht), ein alternatives Ich (das dem unseren geschwisterlich zur Seite steht). Ohne den Spiegel der Kunst könnten wir nie sicher sein, dass es uns gibt.
Was liest Du derzeit?
Eigentlich ständig und immer wieder: Kafka-Briefe (die an Felice Bauer, die an Milena Jesenská), außerdem viel Lyrik (quer durch das Beet, in dem ja ständig so viel wächst und blüht). Zudem Short Stories von Tobias Wolff und Joyce Carol Oates.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Frühaufsteherin
Wozu mit ihr streiten?
Zahlen
beeindrucken sie nicht.
Sie kommt von jenseits
der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Hoffnung –
Frühaufsteherin
am schwärzesten Tag.
(Rainer Malkowski)
Vielen Dank für das Interview, lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Andreas Lehmann, Schriftsteller
Zur Person:Andreas Lehmann, geb. 1977 in Marburg, dort aufgewachsen, hat Buchwissenschaft, Amerikanistik und Komparatistik in Mainz studiert, lebt in Leipzig. Er war zweimal Teilnehmer des Open Mike-Wettbewerbs der Literaturwerkstatt Berlin und hat Werkstattstipendien der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin und der Romanwerkstatt im Literaturforum des Brecht-Hauses Berlin erhalten. Robert Gernhardt Preis 2022, Bad Godesberger Literaturpreis 2023. 2018 erschien sein Debütroman Über Tage, 2021 der Roman Schwarz auf Weiß, 2023 der Erzählband Lebenszeichen und 2026 der Erzählband Kummerflimmern, alle im Karl Rauch-Verlag, Düsseldorf.
Zur Person:Andreas Lehmann, geb. 1977 in Marburg, dort aufgewachsen, hat Buchwissenschaft, Amerikanistik und Komparatistik in Mainz studiert, lebt in Leipzig. Er war zweimal Teilnehmer des Open Mike-Wettbewerbs der Literaturwerkstatt Berlin und hat Werkstattstipendien der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin und der Romanwerkstatt im Literaturforum des Brecht-Hauses Berlin erhalten. Robert Gernhardt Preis 2022, Bad Godesberger Literaturpreis 2023. 2018 erschien sein Debütroman Über Tage, 2021 der Roman Schwarz auf Weiß, 2023 der Erzählband Lebenszeichen und 2026 der Erzählband Kummerflimmern, alle im Karl Rauch-Verlag, Düsseldorf.