Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Karl Johann Müller, Schriftsteller
Zur Person:Karl Johann Müller, geb. 1960 in Bludenz, lebt in Vorarlberg, schreibt Kurzgeschichten und Lyrik seit 2013, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, Hauptpreisträger Hildesheim 2017 und Lyrik Preis International 2024, 2. Preis Lyrik beim Landschreiber Wettbewerb 2025, Einzelveröffentlichung: „Da war doch noch. Prosa trifft Lyrik – Edition ArtScience 2024
Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ auf der Terrasse der gemeindsamen Wohnung mit Max Frisch
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
im Interview _ Raffaela Kappel, Schriftstellerin, Wissenschaftlerin _ Wien
Liebe Raffaela, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ingeborg Bachmann ist für mich eine Autorin, deren Schreiben um die Verletzlichkeit des Menschen kreist und die in ihrer Literatur die Frage stellt, wie wir leben können angesichts einer versehrten Welt. Eine Antwort darauf sucht und findet sie in der Sprache. Insofern finde ich Trost in ihren Texten.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Für Ingeborg Bachmann ist die Sprache Werkzeug zur Spiegelung von Machtbeziehungen. Dabei ist ihr die Sprache selbst verdächtig, da in der Sprache die Spuren eben jener Dominanzverhältnisse, gegen welche sich ihr Schreiben auflehnt, enthalten sind. in diesem Spannungsfeld zwischen Misstrauen und Rebellion bewegt sich Bachmanns Literatur.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Zuletzt habe ich nach langer Zeit wieder den Roman Malina gelesen, der davon erzählt, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse und Gewalterfahrungen in intimen Beziehungen einander bedingen und ineinander eingeschrieben sind. Der Krieg ist im Text omnipräsent als universelle Bedrohung, die sich im Individuum, in den zwischenmenschlichen Beziehungen und im Gesellschaftlichen manifestiert.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Das Motiv der Versehrtheit ist zentral in Bachmanns Schreiben. In dieser literarischen Hinwendung zu Zerstörung und Leiden sehe ich die humanistische Bedeutung ihres Schreibens: Ihren Texten wohnt eine tiefe Sympathie für das Unterlegene und Besiegte inne, es wird eine literarische Haltung erkennbar, welche Heldentum und Sieg als Ursache des Übels begreift. Das ist bei aller poetischen Verfremdung auch eine klare soziale Haltung.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Nach Bachmann sind die gesellschaftlichen Zustände und die damit verbundenen Machtverhältnisse unseren Liebesbeziehungen eingeschrieben; insofern werden in ihren Texten privates Glück und Verhängnis auch in der gesellschaftlich bedingten Konstruktion ihres Gemacht-Seins präsentiert. Das Private ist somit in seiner politischen Dimension bedeutsam. Mechanismen von Unterdrückung und Unterwerfung, von Hingabe und Ablehnung werden in ihrer Doppeldeutigkeit und ihrer ambivalenten Dynamik gezeigt.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Für mich sind Kunst im Allgemeinen und autobiografisch motiviertes Schreiben im Besonderen stets eine Form der Auseinandersetzung mit Schmerz und mit Erfahrungen des Ausgesetzt-Seins. Diese Tätigkeit erfordert einerseits Distanz zum Gegenstand des Schreibens und anderseits die Fähigkeit zu Erinnerung, welche stets eine Konstruktion von Identität bedeutet. Schreiben ist für mich in vielerlei Hinsicht in letzter Konsequenz ein Akt der Selbstaufgabe und darin liegt Trost. Es gibt ein Zitat von Konrad Paul Liessmann, welches lautet: „Wenn nichts mehr geht, geht denken.“ Ich habe dieses Zitat für abgewandelt in den Satz: Wenn nichts mehr geht, geht schreiben.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Wie ich bereits anklingen habe lassen, schätze ich an ihren Texten die Zuneigung zu den Schwachen und den Schwächen. Da wird auf eine Weise Empathie artikuliert, die ohne jede Form der Moralisierung auskommt; ein Zugang, den ich gerade in der heutigen Zeit für bemerkenswert und bedeutsam halte.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich denke, dass ihre Literatur für sich spricht und zu mir spricht und ich hätte wahrscheinlich eine Scheu davor, die Autorin selbst dazu zu befragen.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich arbeite aktuell an meinem Forschungsprojekt zum Thema der Grenzen und Möglichkeiten des Einsatzes von bildender Kunst in der Alphabetisierung von erwachsenen Migranten. Die Arbeit ist ein Versuch, Prozesse welche vor bzw. jenseits des Schreibens liegen sichtbar zu machen und wendet sich gegen die Infantilisierung von erwachsenen Menschen, welche am Beginn des Schriftspracherwerbs stehen. Hier sehe ich eine Verbindung zur Literatur von Ingeborg Bachmann, da ihren Texten eine immanente Skepsis gegen die Sprache innewohnt. Diesem Unbehagen gegenüber der Sprache wie auch dem Bild als gesellschaftliches legitimiertes Ausdrucksmittel spüre ich in meiner Forschungsarbeit nach.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Ich denke, dass es spät ist.
Es ist unheilbar. Und es ist spät.
Aber ich überlebe und ich denke“ (aus Malina, Suhrkamp 2. Auflage 2026, S.45)
2026. Der heißeste Sommer. Das Klima unseres Planeten wir mehr und mehr zum persönlichen wie politischen Thema mit ungewissen Ausgang.
Wesentlich sind dabei profunde Information, Diskussion und Handlungswege.
Der renommierte Historiker Wolfgang Behringer legt nun einen historischen Abriss zur Dokumentation und Erforschung der Kulturgeschichte des Klimas vor und gibt da eine fundierte wie gut lesbare Einführung mit vielen weiterführenden Hinweisen und Fragestellungen.
Die Stärke dieses Sachbuches ist es, dass historische Fakten, Quellen ins Licht gesetzt werden und von diesem wissenschaftlichen Befund aus Fragestellungen zur Gegenwart im Epilog gesetzt werden.
„Das Klima in seiner wechselvollen Kulturgeschichte umfassend dokumentiert und dargestellt.“
Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung. Behringer, Wolfgang. C.H.Beck Verlag.
Elisabeth Blutsch, Schauspielerin, Sängerin_ Wien _ acting „Malina“ _ Romanschauplatz „Malina“ Wien _ Roman, Ingeborg Bachmann (1971) _ Walter Pobaschnig 4/21, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Sigune Schnabel, Schriftstellerin_Düsseldorf
Performance _ Elisabeth Blutsch, Schauspielerin, Sängerin _Wien.
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
UNDINE GEHT
Und wenn das Wasser kommt, muss ich fort.
Nicht einmal
Die Nacht nimmt mich so fest
In ihre Arme. Alle Sätze sind
Nur Hall; sie ändern sich im Kopf.
Einmal versuchte ich, mich umzuschreiben als Frau,
Ging an Land und nahm mich selbst beim Wort.
Erleichtert lachte mein Gesicht, die
Haut erwachte, wurde weich in der Geschichte, beinah ein
Trost.
Sigune Schnabl, 15.6.26
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Sigune Schnabel, Schriftstellerin_Düsseldorf
Performance _ Elisabeth Blutsch, Schauspielerin, Sängerin _Wien.
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Albrecht von Wallenstein (Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein) * 24. September 1583 Hermanitz an der Elbe, Königgrätzer Kreis +25. Februar 1634 in Eger, Elbogener Kreis _ Feldherr, Politiker.
Wallenstein – ein Name, der für dunkelste Zeiten europäischer Geschichte im Ringen um Macht und Einfluss wie für Glanz und Untergang, Höhe und Drama eines Lebens steht, das auch zur Vorlage von Literatur und Kunst wird.
Eine ganz außergewöhnliche wie komplexe Lebens- Politgeschichte, deren Wege und Verzweigungen, Verwicklungen nun in einer beeindruckenden gut 800 Seiten starken Biographie zum Leben erweckt wird und in Wort/Bild/Karten sehr anschaulich Zeit und Weg darstellt.
Ein Autor, der viele Stärken in sich vereinigt und welcher der historischen Expertise und Perspektive auch kritisch Politik wie Überlieferungsmechansimen hinzustellt und so ein gleichsam zeitloses wachsames Panorama entwirft, das zu Reflexion und Mut im selbständigen Denken und Urteilen einlädt
„Ein beeindruckendes Lebensbild einer der wesentlichen Persönlichkeiten europäischer Geschichte im Ringen um Macht und Richtung.“
Wallenstein. Gewalt, Geld, Glaube. Eine Biographie. Roeck, Bernd. Beck Verlag.
Gebunden, 844 S., mit 90 Abbildungen und 10 Karten
Lieber Harald Jele, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Durch die noch relativ jungen Kinder, die meine Frau und ich haben, ziemlich durcheinander. Das meint, dass jeder Tag anders ist, dass die Überraschungen die Routinen überwiegen, dass nichts so ist, wie es einmal war, dass trotzdem all das, was uns wichtig ist, nicht untergeht …
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Augen und Ohren offen halten. Die Überalterung unserer Gesellschaft, die zunehmende Komplexität und Geschwindigkeit unseres Lebens, sowie die Radikalisierung an den Rändern des politischen Spektrums bedürfen einiger Aufmerksamkeit. Zudem darf es nicht sein, dass fünf Superreiche weltweit bestimmen, was wichtig für uns alle ist.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und Kunst holen uns zurück in all jenes, das wichtig sein kann: Zeit haben, sich in Gelassenheit üben, Achtung gegenüber anderen zeigen, den Mitmenschen gegenüber tolerant sein.
Was liest Du derzeit?
Paulus Hochgatterer: Mio und die Unsterblichkeit
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Contra stultitiam dei etiam pugnant frustra — Gegen die Dummheit kämpfen selbst Götter vergebens.
Vielen Dank!
Harald Jele,Schriftsteller
Zur Person/über mich: Harald Jele, geb. 1965 in Lienz (Osttirol), arbeitet als Bibliothekar an der Universität Klagenfurt. Vor zehn Jahren begann er, neben Fachpublikationen auch literarische Texte zu veröffentlichen. Mit „Die Stille in mir“ legt er nun seinen vierten Erzählband vor.
Aktuelle Buchveröffentlichung:
Die Stille in mir. Fünf Erzählungen. Harald Jele. Lehmanns Media Verlag
„Ruhe ist etwas, das man hat – Stille aber ist etwas, das man ist. Sie ist der Resonanzraum, in dem das Echo der eigenen Existenz hörbar wird. Ein Ort der Klarheit und der Ambivalenz, an dem das Außen verstummt und das Innen zu sprechen beginnt. Denn die lautesten Geschichten sind oft jene, die erst im Schweigen ihren Anfang finden.
Mit dem Erzählband „Die Stille in mir“ entwickelt der Autor fünf Zugänge zum Thema Stille, die unterschiedlicher kaum sein können. Anhand der Geschichten von fünf Personen spürt er jenen gewaltigen Umbrüchen nach, die sich fernab des Weltgetöses in der Tiefe der Seele vollziehen und uns zeigen, was bleibt, wenn alles andere verstummt.“ (Pressetext _ Verlag)
Die Stille in mir. Fünf Erzählungen. Harald Jele. Lehmanns Media Verlag
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung in Rom, Bocca de Leone, um 1970
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
im Interview _ Stefan Heyer, Schriftsteller _ Augsburg
Lieber Stefan, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Nachdem ich mich durch die Trümmerliteratur von Böll, Lenz und Co. gelesen hatte, bin ich 1982 als jugendlicher Leser auf Bachmann gestoßen. Der Band „Simultan“, Erzählungen, in der Ausgabe bei dtv. Weitere Erzählungen und die wunderbaren Gedichte folgten. Kurz vor dem Abitur gab es dann die Werkausgabe. Für das Abitur war das nicht nötig, aber es hat dann die Studienwahl mit beeinflusst.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihr Schreiben und Leben war das Suchen. Das Suchen nach der wahren Sprache, den wahren Sätzen und dem wahren Leben. Nach dem Massaker des Zweiten Weltkrieges, nach dem Holocaust eine Sprache, einen Weg im Leben zu finden, eine Hoffnung und Utopie, dies ist die Grundlage ihrer Literatur.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Wichtiger als zum Beispiel der Briefwechsel mit Max Frisch sind mir die Frankfurter Poetikvorlesungen. Bachmann war die erste Dozentin der damals neuen Reihe. Über die „Probleme zeitgenössischer Dichtung“ sprach sie in fünf Vorträgen. Sie beschäftigte sich darin mit Lyrik (Eich, Enzensberger), mit dem schreibenden Ich und dem Umgang mit der Utopie. Bachmann, die Autorin, die immer auch Philosophin war, sich immer an Heidegger und Wittgenstein abarbeitete, ebenso sich aber Heidegger auch immer wieder annäherte. Literatur als Plage als auch Literatur als Utopie.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Im Roman „Malina“ geht Bachmann im zweiten Kapitel auf den Nationalsozialismus und die Shoa ein. Die Welt erscheint als eine einzige, riesige Gaskammer, ein unendlicher Albtraum, der hauptsächlich durch Männer herbeigeführt wird. Die Ich-Erzählerin erschreibt sich den eigenen Tod. Die toxische Männerwelt richtet sie zu Grunde. Für Hoffnung ist da wenig Platz. Diese Ausweglosigkeit ist verstörend.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Die Liebe ist ein schwieriges Feld, doch was wären wir ohne die Liebe? Ohne Liebe ist das Leben nicht vorstellbar. Das Glück und das Unglück der Liebe ist dem Menschen beigegeben.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Schreiben hat viel mit Verlassen des Gewohnten, des sichern Bodens zu tun. Immer wieder muss man sich die Sprache abwringen, das Schreiben erkämpfen. Dies muss aber nicht im Leid geschehen. Schreiben ist auch Utopie, Schreiben ist auch Hoffnung. Es muss kein einsamer Kampf sein. Wir können auch gemeinsam kämpfen. Man darf sich einen Schriftsteller als glücklichen Menschen vorstellen.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Natürlich liegt Böhmen am Meer. Wie könnte es anders sein? Nur so finden wir das Lachen wieder, nur so die Liebe. Wir alle müssen Böhmer sein. An das Meer glauben. Nicht weniger. Nicht mehr.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Macht das Leben in Rom glücklich?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Neben einer Sammlung von kleinen Prosastücken über das Glück arbeite ich vor allem an einen größeren Prosatext, der in München spielt. Eine Art polyphones Nachtstück.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar.“
Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden (1959)
Herzlichen Dank für das Interview!
Stefan Heyer, Schriftsteller
Zur Person: Stefan Heyer wuchs am linken Niederrhein auf. Nach dem Abitur und dem Zivildienst studierte er Germanistik und Philosophie in München. 1994 erwarb er den akademischen Grad des Magister Artium an der Ludwig-Maximilians-Universität München. An der Universität Essen wurde er 2000 bei Manfred Schneider mit einer Arbeit über das Kunstkonzept von Gilles Deleuze und Felix Guattari promoviert. Zweitbetreuer war Joseph Vogl. Die Dissertation „Gilles Deleuze und Felix Guattaris Kunstkonzept. Ein Wegweiser durch Tausend Plateaus“ erschien 2001 im Passagen Verlag, Wien.
Zusammen mit der Buchhandlung Amalienstraße 71 veranstaltete und kuratierte er in München verschiedene Vortragsreihen, u.a. zu den Themen Postmoderne, Gedächtnis, Körper, Liebe.
Heyer verfasst Kurzprosa und Lyrik. Zahlreiche Texte sind in Literaturzeitschriften und Literaturportalen erschien, z.B. in „Mosaik“, „Poesiealbum neu“, „Fixpoetry“, „Podium“, „Signaturen-Magazin“, „neolith“, „Die Rampe“, „Ausreißer – Grazer Wandzeitung“, „Sylste“, „entwürfe“, „Prolog – Zeichnungen und Texte“ u. a. Das Gedicht „Lob der Faulheit“ wurde 2017 von Joachim Hofmann verfilmt.
2019 erschien sein Lyrikdebut „Resonanzen/Korrespondenzen“ beim Passagen Verlag, Wien. Beim Epubli Verlag erschien 2021 die Gedichtssammlung „Schwarzer Kaffee auf der müden Zunge“. 2023 erschien „Form und Struktur“ im Passagen Verlag. Der Lyrikband „Das Alphabet von Deleuze & Guattari“ erschien 2025 ebenfalls im Passagen Verlag erscheinen.
Im Frühjahr 2027 erscheint ein Prosaband zum Thema Glück im Passagen Verlag.
Stefan Heyer lebt mit seiner Familie in Augsburg. (Stefan Heyer, 2.8.26)
Leonard Norman Cohen *21. September 1934 Westmount/Québec/Canada + 7. November 2016 Los Angeles/Kalifornien/USA _Singer-Songwriter, Schriftsteller, Dichter und Maler.
Eine unvergleichliche Karriere, welche Generationen von Musik-, Kunstbegeisterten seit den 1960er Jahren bis in die Gegenwart begeistert und inspiriert. Eine unverwechselbare Poesie, Stimme, Melodie, die an innerste Seelenschichten gelangt und gleichsam in den unverwechselbaren Cohen Sound magnetisch hineinzieht.
Ein sehr erfolgreicher singer-sonwriter, der viele spannende künstlerische Facetten wie auch persönliche Lebensgrundsätze und Engagements vereinigt.
Wer war nun Leonard Cohen? Was waren Stationen in Leben und Kunst? Was sind Charakteristika seiner Musik?
Kaum jemand könnte berufener sein eine Biographie dieses Ausnahmemusikers, -künstlers zu schreiben als Christophe Lebold, langjähriger Freund Cohens und Professor für amerikanische Literatur und Rockkultur an der Universität Straßburg. Ein ganz besonderer Cohen-Experte, der auf gut 600 Seiten (mit ausführlichen Anhang) den Cohen Kosmos in Wort&Bild wie auf einer Leinwand faszinierend zusammenhängend und strahlend entstehen lässt. Da ist für jede und jeden, Fans wie Interessierte, etwas dabei.
„Eine unvergleichliche Reise in die Cohen Welt zwischen Leben und Kunst!“
Im Schatten der Engel. Leonard Cohen – eine Biografie, Christophe Lebold. Reclam Verlag.
Die große Biografie über den Poeten, Songwriter und Sänger
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Stefan Heyer, Schriftsteller
Nahoko Fort, Schauspielerin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Stefan Heyer _ privat
Fotos: Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien _ performing _ Walter Pobaschnig 7/26.
Die Schokobusserl von Tante Andula. Wenn Rezepte Geschichten erzählen. Marie-Theres Arnbom. Amalthea Verlag.
Die Geschichte dieses Buches beginnt mit einem Verlagsbesuch und der Übergabe von drei historischen Familienkochbüchern. Ein Erbe, das jetzt einen guten Platz der Erinnerung, Aufarbeitung in seiner so weitrechenden Geschichte von Teller, Gesellschaft, Kultur, Politik, Verfolgung, Leben und Tod finden sollte. Drei kleine Bücher zu Küche und Tisch, in denen so viel steckt…
Jetzt braucht es noch jemanden, die diesen Küchenschatz heben und in seiner weitreichenden, verzweigten Gesellschafts-, Kulturgeschichte ins Licht setzen kann.
Und das ist die so versierte Wiener Autorin Marie-Theres Arnbom, die sich mitten hinein in Küche und Leben stellt und in einmalig kompetenter Weise recherchiert, verbindet, erläutert und so ein unvergleichliches Familienepos entstehen lässt, das in seinen hergestellten Verbindungslinien begeisternd wie in Ereignis und Dramatik erschütternd staunen lässt.
Das „große Backen“ ist hier also eines von Zeitgeschichte, Familie (in vielen beeindruckenden historischen Fotos/Dokumenten) und Küchengeheimnissen, die dunkelste Zeiten überdauerten und die hier in einfacher Anleitung wunderbar selbst auf den Tisch gezaubert werden können.
„Ein süßes wie dramatisches Geschichtsbuch der Sonderklasse!“
Die Schokobusserl von Tante Andula. Wenn Rezepte Geschichten erzählen. Marie-Theres Arnbom. Amalthea Verlag.
Gebunden, 240 Seiten
ISBN-13: 978-3-99050-306-5
1. Auflage, mit zahlreichen Abbildungen durchgehend vierfarbig,