50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Anna Stern, Schriftstellerin _ Zürich
Bachmannpreisnominierte 2018
Gewinnerin des 3sat Preises
Liebe Anna, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum erfolgreich teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen und was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
die stimmenvielfalt. die buntheit. die konzentration an literaturliebe. die funktion als treffpunkt von lesenden und schreibenden menschen, die sich sonst nie getroffen hätten. die schonungslose unscheu vor kontroversen.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
meine lesung – ich lese gern: solange ich lese, verschwindet die welt rundherum.
die jurydiskussion – laut und abgedriftet auf eine art, die mich wünschen liess, meinen text denjenigen gegenüber, die glauben, lesen zu müssen, um zu begreifen, verteidigen zu dürfen.
die preisverleihung – hell, reizreich, schweisstreibend.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und den weiteren Weg ausgewirkt?
auf meinen stil – gar nicht, ich muss frei schreiben, mich in jedem text neu erfinden dürfen; ich will nie mit einem publikum im kopf schreiben müssen, einer jury.
auf meine literarische öffentlichkeit – ich schätze ruhe und anonymität bewusster, ich bin bereit, der öffentlichkeit meine texte auszuhändigen, nicht mein ich.
auf meinen weiteren weg – es passiert ja ganz schön viel auf so einem weg. ich sehe die teilnahme im rückblick nicht als aufstieg, rast mit picknick oder weggabelung; sie bleibt für mich mehr hitzeflimmernd in erinnerung, als fatamorgana-artiges intro zu jenem unglaublich heissen sommer zwanzigachtzehn.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
beibehalten, was ihn ausmacht: vielfalt, kontroversen, radikalität; offen gegenüber literarischen experimenten und abenteuern, bereit, ihnen sichtbarkeit zu verleihen; den mut, unbequem zu bleiben.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: ANNA STERN, *1990. studium der umweltnaturwissenschaften und doktorat an der eth zürich. s. publiziert romane, erzählungen und texte zur kunst. demnächst erscheint der erzählband ABER MORGEN EIN NEUER TAG. bei lectorbooks. s. lebt und arbeitet zurzeit zwischen zürich und finnland.
AUSZEICHNUNGEN (AUSWAHL)
2023 prisma+ litteraturpris, malmö (SE).
2022 conrad-ferdinand-meyer-preis.
2020 schweizer buchpreis.
2019 auszeichnung literatur, stadt zürich.
2018 förderpreis der st gallischen kulturstiftung.
2018 3-sat preis, 42. tage der deutschsprachigen literatur, klagenfurt (AT).
Website der Autorin: Anna Stern

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Anna Stern _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 2.7.2026






















































































