Maria Appenzeller, Schriftstellerin _ Mühlviertel/OÖ
Maria Appenzeller, Schriftstellerin
Liebe Maria Appenzeller, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wie immer. Ich versuche die Balance zu finden, zwischen Arbeit, Freizeit und Verpflichtungen. Und wenn ich das wieder mal nicht hinkriege, sollte zumindest etwas Zeit für mich dabei sein.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuversicht. Und eine Politik, die trägt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wissen wir das? Ich nehme viele Ängste wahr, bei mir wie bei anderen. Aber erst im Rückblick werden wir Gewissheit haben. Ich glaube Ambiguitätstoleranz ist wichtig. Es ist nicht einfach, Unsicherheiten auszuhalten. Wir dürfen – ja wir müssen – uns Zuversicht erlauben. Sie fördert Resilienz und verleiht uns Kraft. Meine Großmutter ist mir hierbei ein Vorbild. Sie hat bei allen Herausforderungen ihres Lebens auch das Schöne gesehen und sich daran genährt.
Kunst darf das Denken anregen, Ambiguität erzeugen und uns auf diesem Weg herausfordern. Kunst darf Resilienz fördern.
Was liest Du derzeit?
Unter anderem Malina.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Kunst ist wie Brot. Manche essen lieber Kuchen.
Viele Jahre habe ich vom Kuchen gelebt, habe viel probiert, viel gelernt. Jetzt, wo mein Roman erscheinen durfte, fühle ich mich wie erweckt als Künstlerin, und – mein Gott! – wie sehr ich das Brot brauche!
Vielen Dank!
Maria Appenzeller, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Maria Appenzeller ist eine österreichische Jugendroman-Autorin und schreibt über Mädchen, die gegen den Mainstream erwachsen werden. Mit Humor und Tiefe behandelt sie Fragen wie: Darf ich sein wie ich bin, auch wenn der Preis dafür ist, dass ich vielleicht nicht so beliebt bin? Wo ist mein Platz im Leben? Bin ich eine Außenseiterin oder ist es okay, anders zu sein?
Maria lebt mit Familie und Hund in einem kleinen Haus auf dem Land, umgeben von einem blühenden Garten. Dort züchtet sie Gemüse, kocht Marmelade ein und backt Brot. Sie ist eine begeisterte Reiterin.
Zur Person/über mich: Maria Appenzeller ist eine österreichische Jugendroman-Autorin und schreibt über Mädchen, die gegen den Mainstream erwachsen werden. Mit Humor und Tiefe behandelt sie Fragen wie: Darf ich sein wie ich bin, auch wenn der Preis dafür ist, dass ich vielleicht nicht so beliebt bin? Wo ist mein Platz im Leben? Bin ich eine Außenseiterin oder ist es okay, anders zu sein?
Maria lebt mit Familie und Hund in einem kleinen Haus auf dem Land, umgeben von einem blühenden Garten. Dort züchtet sie Gemüse, kocht Marmelade ein und backt Brot. Sie ist eine begeisterte Reiterin.
„Dies ist kein traditionelles Geschichtsbuch. Es ist vielmehr eine Reise, deren Route ich entworfen habe und die uns durch die Jahrhunderte und quer durch Europa führt…“
So der Ausgangspunkt der Bestsellerautorin und Kulturhistorikerin Janina Ramirez, die u.a. in Oxford/GB lehrt.
Auf gut 500 Seiten folgt ein „Reisebericht“ zu Leben/Werk bedeutender europäischer Frauenpersönlichkeiten – etwa Johanna von Orléans, Lady Godiva oder Isabella von Kastilien, und weitere – der den aktuellsten Stand historischer Forschung mit kulturhistorischer und gesellschaftspolitischer Perspektive verbindet und diese nach Muster und Mechanismen der Interpretation, Manipulation und Aneignung von Frauenpersönlichkeiten in aktuellen politischen Kampagnen und Narrativen befragt.
Wie wurden und werden bedeutende wirkmächtige historische Frauenbilder im politischen Kontext und nationaler Farbe geformt und „übermalt“ und wie sieht nun die Ursprungsüberlieferung und der historische weiblich-emanzipatorische, feministische Ausgangspunkt und Kern aus?
Eine spannende Reise in exzellenter Expertise beginnt, begleitend von vielen historischen Abbildungen und einem ausführlichen Anhang mit Sach-, Personenregister.
„Ein historisch-kritisches Sachbuch zur Zeit, das politische Macht und Manipulation im Zusammenhang historischer Frauenpersönlichkeiten perspektivenreich öffnet und umfassend thematisiert.“
Heldinnen, Herrscherinnen, Heilige. Die wahren Geschichten der Frauen hinter Europas Nationalmythen. Janina Ramirez. Siedler Verlag.
Hardcover, mit Schutzumschlag, 544 Seiten, 15,0×21,5cm
Barbara Klein, Schauspielerin, Regisseurin, Theaterintendantin, Autorin _ Wien
Grandiose Frauen, zu oft gehindert
In Entwicklung, Reifung, Entfaltung
Verfickte Männerpolitik weltweit, die
Einsichtslos gockelt, abcasht, mordet
Proleten, ungebildet, senil, machtgeil,
Eigentore schießende, empathielose
Arschgeigen, Katastrophen wie
Climate Change ignorierend, leugnend
Ein paar Milliarden ganz nebenbei einstreifend
Atomare Vernichtung im Videospiel übend
Courage, ihr Frauen da draußen!
Holt euch, was längst euch gehört
Alles ist besser, als wie es ist
Nichts so cringe wie das Patriarchat
Chaos aus 5000 Jahren –
Eigentlich Zeit für ein Ende.
Barbara Klein, 2.10.2026
Barbara Klein, Schauspielerin, Regisseurin, Theaterintendantin, Autorin
Zur Person/über mich: Barbara Klein _ 1954 in Wien geboren, studierte Schauspiel am Max Reinhardt Seminar und war u. a. Ensemblemitglied am Wiener Volkstheater sowie Mitbegründerin feministischer Theater- und Kabarettprojekte. Sie führte Regie, u. a. für die Wiener Festwochen. 2000 gründete sie das Kosmos Theater in Wien, das sie bis 2018 als Intendantin leitete. Für ihre kulturpolitische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Wien und dem Wiener Frauenpreis. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sie sich seit Langem mit Erinnerungskultur, Geschlechterfragen und gesellschaftlicher Verantwortung.
Aktuelles Buch:
Barbara Klein
SOWEIT ALLES IN ORDNUNG
Meine rätselhafte jüdische Familie
In einer bürgerlichen Familie der Nachkriegszeit aufgewachsen, macht sich Barbara Klein auf die Suche nach deren verdrängter und verschwiegener jüdischer Herkunft und erzählt von Flucht und Exil, von Vernichtung und vom Überleben des Großvaters als letztem jüdischem »Krankenbehandler« im Nazi-Wien.
Dazu Elfriede Jelinek, Nobelpreisträgerin für Literatur:
»Eine Familiengeschichte, ein Rubens’scher Engelsturz, die einen landen auf den Füßen, die andren in den Krematorien der Nazis. Es stürzen die Opfer. Die Täter dürfen aufrecht bleiben und gehen in die Welt, als wäre nichts gewesen. Eine unglaublich präzise recherchierte Geschichte von so vielen Leben, und jedes Leben hat seine eigene. Und jede dieser Geschichten steht für unsere Geschichte, und sie müssen auch alle für sie einstehen. Rechenschaft wird nicht verlangt, das wäre schon zuviel des Guten. Was man nicht fassen kann, das muss man lesen.«
PICUS Verlag
gebunden, 208 Seiten
Format 13,5 x 21,0
ISBN 978-3-7117-2175-4
Ersch.Datum September 2026
€ 25,00
BUCHPRÄSENTATION
13.10.2026 (19.30 Uhr)
THEATER NESTROYHOF HAMAKOM
A-1020 Wien; Nestroyplatz 1; Tel: T +43 1 8908836, contact@hamakom.at
Barbara Klein, Schauspielerin, Regisseurin, Theaterintendantin, Autorin _ Wien
Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bewerbe derzeit mein Buch „Alles so weit in Ordnung – Meine rätselhafte jüdische Familie“, das soeben im Picus Verlag erschienen ist. Mein Ziel ist es, im gesamten deutschsprachigen Raum Lesungen und Publikumsgespräche zu veranstalten und auf diese Weise möglichst viele Menschen mit meiner Geschichte zu erreichen.
Drei Jahre lang habe ich anhand des Familiennachlasses die Geschichte meiner jüdischen Familie recherchiert. Dabei bin ich ihren Fluchten und Überlebensstrategien während der NS-Zeit nachgegangen und habe diese Geschichte mit meinen eigenen Erfahrungen als Nachgeborene verflochten.
Entstanden ist daraus ein sehr persönliches Buch über Erinnerung, Verdrängung, Flucht und Überleben – und darüber, wie die traumatischen Erfahrungen von Krieg und Faschismus über Generationen hinweg nachwirken können.
Mit dem Buch möchte ich einen Raum für Begegnung und Austausch schaffen und dazu beitragen, diese oft unsichtbaren Spuren der Vergangenheit sichtbar zu machen. Besonders wichtig ist mir dabei der Blick auf die nachfolgenden Generationen: darauf, wie unverarbeitete Erfahrungen von Gewalt, Verlust, Flucht und Angst weitergegeben werden und unser Leben bis in die Gegenwart prägen können.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Alle Kräfte sollten wir darauf verwenden, weltweit Vernunft einkehren zu lassen. Wir haben null Zeit zu verlieren in diesem gegenwärtigen Überfallen und Okkupieren von Ländern, der Verschwendung riesiger Summen für Rüstung, damit, Frauen in schwarze Stoffgefängnisse einzusperren und ihnen Bildung zu verwehren, Religionskriege wiederaufleben zu lassen oder alte weiße Männer über das Wohl und Wehe dieser Welt entscheiden zu lassen.
Wäre das weltweite Vermögen gerechter verteilt, müsste kein Mensch hungern oder verdursten. Wir könnten vielleicht die Klimakrise besser bewältigen, bezahlte und unbezahlte Arbeit gerechter verteilen und uns wieder stärker Bildung, Kultur und Lebensqualität zuwenden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Wir sind alle aus einer Frau herausgeschlüpft. Niemand konnte sich aussuchen, aus welcher und in welchem Land. In diesem Punkt sind wir alle gleich. Diese Erkenntnis muss die Prämisse sein, die uns wegführt von dem Irrweg des Kapitalismus mit seinem Mantra „Survival of the fittest“ – und zurück zu „Cooperation over competition“, zur (Wieder-)Entdeckung der Solidarität.
Kunst kann sichtbar machen, was ist, aber auch, was sein könnte. Sie öffnet Denkräume, oft über die sinnliche Wahrnehmung, und bezieht den Körper, die Gefühle und das Unterbewusste mit ein. Insofern ist Kunst umfassend – und magisch.
Was liest Du derzeit?
„Schwindelfrei“ von Käthe Kratz. Sie war in den 1970er-Jahren die erste Regiestudentin an der Wiener Filmakademie. Der Frauenfeindlichkeit dort konnte sie nur über den Umweg des Studiums des Filmschnitts und ihren späteren Wechsel zu Kamera und Regie begegnen.
Ihre Lebensgeschichte ähnelt meiner insofern, als sie aus einer NS-belasteten Familie kommt und ich aus einer jüdischen. Die Erfahrungen sind natürlich sehr unterschiedlich, doch das Schweigen innerhalb der Familien und die Folgen, die daraus entstehen, sind durchaus vergleichbar.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Es war mir wichtig, meine Erfahrungen in Bezug zu setzen zur kollektiven Wahrnehmung, auch zum kollektiven Verdrängen und Vergessen. Das gibt dieser Geschichte ihre Relevanz. (Käthe Kratz in der Tiroler Tageszeitung, 11.9.2026)
Vielen Dank!
Barbara Klein, Schauspielerin, Regisseurin, Theaterintendantin, Autorin
Zur Person/über mich: Barbara Klein _ 1954 in Wien geboren, studierte Schauspiel am Max Reinhardt Seminar und war u. a. Ensemblemitglied am Wiener Volkstheater sowie Mitbegründerin feministischer Theater- und Kabarettprojekte. Sie führte Regie, u. a. für die Wiener Festwochen. 2000 gründete sie das Kosmos Theater in Wien, das sie bis 2018 als Intendantin leitete. Für ihre kulturpolitische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Wien und dem Wiener Frauenpreis. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sie sich seit Langem mit Erinnerungskultur, Geschlechterfragen und gesellschaftlicher Verantwortung.
Aktuelles Buch:
Barbara Klein
SOWEIT ALLES IN ORDNUNG
Meine rätselhafte jüdische Familie
In einer bürgerlichen Familie der Nachkriegszeit aufgewachsen, macht sich Barbara Klein auf die Suche nach deren verdrängter und verschwiegener jüdischer Herkunft und erzählt von Flucht und Exil, von Vernichtung und vom Überleben des Großvaters als letztem jüdischem »Krankenbehandler« im Nazi-Wien.
Dazu Elfriede Jelinek, Nobelpreisträgerin für Literatur:
»Eine Familiengeschichte, ein Rubens’scher Engelsturz, die einen landen auf den Füßen, die andren in den Krematorien der Nazis. Es stürzen die Opfer. Die Täter dürfen aufrecht bleiben und gehen in die Welt, als wäre nichts gewesen. Eine unglaublich präzise recherchierte Geschichte von so vielen Leben, und jedes Leben hat seine eigene. Und jede dieser Geschichten steht für unsere Geschichte, und sie müssen auch alle für sie einstehen. Rechenschaft wird nicht verlangt, das wäre schon zuviel des Guten. Was man nicht fassen kann, das muss man lesen.«
PICUS Verlag
gebunden, 208 Seiten
Format 13,5 x 21,0
ISBN 978-3-7117-2175-4
Ersch.Datum September 2026
€ 25,00
BUCHPRÄSENTATION
13.10.2026 (19.30 Uhr)
THEATER NESTROYHOF HAMAKOM
A-1020 Wien; Nestroyplatz 1; Tel: T +43 1 8908836, contact@hamakom.at
Ich arbeite seit 35 Jahren als freie Journalistin überwiegend für den NDR. Außerdem habe ich eine Reihe von Feature für den WDR, Deutschlandfunk und RBB produziert. Ich besitze sowohl die deutsche als auch die iranische Staatsbürgerschaft. Im April 2012 habe ich beim Staatlichen Sender IRIB in Teheran gearbeitet – später von Deutschland aus. Es folgten mehrere längere Aufenthalte, teilweise zusammen mit meiner Tochter Mina. 2014 lebten wir gemeinsam ein halbes Jahr in Teheran. 2015 fuhr ich mit meinem Mann und Mina sogar mit dem Auto von Braunschweig nach Teheran und wieder zurück. Danach entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Schreiben. Inzwischen habe ich vier Bücher herausgebracht: „Mögen deine Augen leuchten – Meine Reise durch den Iran“ (Braumüller-Verlag, 2016), „Freiheit unterm Schleier – Frauen im Iran“ (Braumüller-Verlag, 2017), „Gebrauchsanweisung für den Iran“ (Piper-Verlag, 2018), „Schatten über Täbris“ (Braumüller-Verlag, 1. Oktober 2026)
Aktueller Roman:
1979 – Schah Reza Pahlavi verlässt das Land; die Islamische Revolution mit Ayatollah Khomeini an der Spitze übernimmt die Macht. Im darauffolgenden Jahr bricht der Iran-Irak-Krieg aus.
Amir, in oppositionellen Netzwerken aktiv, flieht mit seiner Frau Marzieh und ihren beiden Kindern aus Täbris ans Kaspische Meer, wo die Familie Zuflucht findet. Doch die vermeintliche Sicherheit trügt: Während Marzieh versucht, den Alltag zusammenzuhalten, verändert sich Amir. Er wird stiller, zieht sich immer mehr zurück und verschweigt, dass er von seiner politischen Vergangenheit nicht loskommt. Heimlich bleibt er im Untergrund verwickelt – und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie in Gefahr. Gleichzeitig erlebt ihr Sohn Ramin den Verlust seiner Kindheit und findet zugleich Halt in der Begegnung mit Pferden. Als Amir auf Listen des Geheimdienstes auftaucht, muss die Familie das Land verlassen. Eine Odyssee beginnt über Istanbul, London bis nach Hamburg.
Ein Roman über Flucht, Geheimnisse und die verheerenden Folgen des Schweigens. (Pressetext Verlag)
„Schatten über Täbris“ – Bita Schafi-Neya, Braumüller Verlag
Liebe Bita Schafi-Neya, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mal beschäftigt mich ein Interview, mal eine Szene, die mir beim Schreiben nicht aus dem Kopf geht. Ich bewege mich in meinem Alltag zwischen Journalismus und Literatur. Die ersten Begegnungen rund um meinen neuen Roman „Schatten über Täbris“ kommen gerade dazu. Nach der langen Zeit allein mit dem Manuskript freue ich mich darauf, zu hören, was andere darin entdecken.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Manchmal verändert sich ein Gespräch, sobald man ernsthaft nachfragt: Wie bist du zu dieser Überzeugung gekommen? Was hast du erlebt? Ich wünsche mir, dass wir uns dafür wieder mehr Zeit nehmen. Dass wir zuhören, bevor wir urteilen, und zugleich den Mut haben, für die Würde anderer einzustehen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?
Ein Neubeginn kann sich aufregend anfühlen, aber auch verunsichern. Wir müssen manches loslassen, ohne schon zu wissen, was danach kommt. Wissenschaft hilft uns, Zusammenhänge zu verstehen und Orientierung zu finden. Kunst kann uns erleben lassen, was Veränderung für einen einzelnen Menschen bedeutet. Wenn ich beim Lesen einer fremden Figur nahekomme, verändert das manchmal auch meinen Blick auf die Welt.
Was liest Du derzeit?
Gerade lese ich „Alles wird Asche“ von Nele Neuhaus. Nach einem Tag, an dem ich selbst viel mit Worten gearbeitet habe, genieße ich es, in eine andere Geschichte einzutauchen. Dann bin ich einfach Leserin und möchte wissen, wie es weitergeht.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich möchte einen eigenen Gedanken mitgeben: „Wir müssen nicht wissen, wohin der ganze Weg führt, um den nächsten Schritt zu wagen.“
Beim Schreiben kenne ich solche Momente: Ich komme erst weiter, wenn ich mich traue, etwas auszuprobieren. Vielleicht gilt das auch für die Neuanfänge im Leben.
Vielen Dank!
Bita Schafi-Neya, Schriftstellerin, Journalistin
Zur Person/über mich: Bita Schafi-Neya
Ich arbeite seit 35 Jahren als freie Journalistin überwiegend für den NDR. Außerdem habe ich eine Reihe von Feature für den WDR, Deutschlandfunk und RBB produziert. Ich besitze sowohl die deutsche als auch die iranische Staatsbürgerschaft. Im April 2012 habe ich beim Staatlichen Sender IRIB in Teheran gearbeitet – später von Deutschland aus. Es folgten mehrere längere Aufenthalte, teilweise zusammen mit meiner Tochter Mina. 2014 lebten wir gemeinsam ein halbes Jahr in Teheran. 2015 fuhr ich mit meinem Mann und Mina sogar mit dem Auto von Braunschweig nach Teheran und wieder zurück. Danach entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Schreiben. Inzwischen habe ich vier Bücher herausgebracht: „Mögen deine Augen leuchten – Meine Reise durch den Iran“ (Braumüller-Verlag, 2016), „Freiheit unterm Schleier – Frauen im Iran“ (Braumüller-Verlag, 2017), „Gebrauchsanweisung für den Iran“ (Piper-Verlag, 2018), „Schatten über Täbris“ (Braumüller-Verlag, 1. Oktober 2026)
Aktueller Roman:
1979 – Schah Reza Pahlavi verlässt das Land; die Islamische Revolution mit Ayatollah Khomeini an der Spitze übernimmt die Macht. Im darauffolgenden Jahr bricht der Iran-Irak-Krieg aus.
Amir, in oppositionellen Netzwerken aktiv, flieht mit seiner Frau Marzieh und ihren beiden Kindern aus Täbris ans Kaspische Meer, wo die Familie Zuflucht findet. Doch die vermeintliche Sicherheit trügt: Während Marzieh versucht, den Alltag zusammenzuhalten, verändert sich Amir. Er wird stiller, zieht sich immer mehr zurück und verschweigt, dass er von seiner politischen Vergangenheit nicht loskommt. Heimlich bleibt er im Untergrund verwickelt – und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie in Gefahr. Gleichzeitig erlebt ihr Sohn Ramin den Verlust seiner Kindheit und findet zugleich Halt in der Begegnung mit Pferden. Als Amir auf Listen des Geheimdienstes auftaucht, muss die Familie das Land verlassen. Eine Odyssee beginnt über Istanbul, London bis nach Hamburg.
Ein Roman über Flucht, Geheimnisse und die verheerenden Folgen des Schweigens. (Pressetext Verlag)
„Schatten über Täbris“ – Bita Schafi-Neya, Braumüller Verlag
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Isobel Markus, Schriftstellerin _ Berlin
Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin_ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto_Isobel Markus _ (c) Nathalie Claude.
Fotos:Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin – performing Malina _ am Originalschauplatz_ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 11/21
im Interview _Markus Grundtner, Schriftsteller _ Wien
Lieber Markus, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Meine ersten Zugänge fand ich während meiner Gymnasiumszeit, ganz klassisch zu ihren Gedichten. Ich suchte mir damals Lesestoffe mehr nach der Oberfläche, so hatte ich etwa ein Faible für Bachmanns Gedichte mit astronomischen und kosmologischen Motiven, etwa „Anrufung des großen Bären“, „An die Sonne“ oder „Sterne im März“. Gerade Bachmanns Lyrik offenbarte mir früh, dass Sprache nicht nur das Sichtbare beschreibt, sondern innere, politische und existentielle Räume öffnet. Ihr Werk war für mich eine Schule des Sichtbarmachens des Unsichtbaren.
Mit 15 oder 16 wurde ich auf den Ingeborg-Bachmann-Preis und die Tage der deutschsprachigen Literatur aufmerksam. Lange Zeit verband ich mit dem Namen Bachmann den Preis und die dazugehörige Veranstaltung. Durch die Jurybesprechungen, die immer wieder Parallelen zu Leben und Werk der Namensgeberin zogen, entdeckte ich auch ihre Prosa und ihre Biografie.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Bachmann schrieb mit einer Zartheit, die schneidet, und mit einer Härte, die tröstet. Ihre Sätze lesen sich, als wäre jedes Wort nach allen Ebenen hin geprüft worden, nach Wahrheit, Schmerz und Notwendigkeit.
Mich berührt besonders ihre Fähigkeit, innere Zustände als politische Zustände sichtbar zu machen. Sie zeigt, wie Sprache kaputt geht, wenn Menschen einander verletzen, und gleichzeitig wie Befreiung erst möglich wird, wenn man die zerstörerischen Muster erkennt, die in Geschichte, Gemeinsamkeit und Gesellschaft wirken. Diese Verbindung von poetischer Präzision und politischer Analyse macht ihr Werk bis heute unverwechselbar.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Zuerst einmal die Erzählungen der Sammlung „Das dreißigste Jahr“. Sie fußen auf dem Gedanken, dass es eine neue Welt braucht, es aber keine neue Welt ohne neue Sprache gibt. Gleichzeitig denkt Bachmann hier weiter, wozu es führen kann, wenn die Macht der Sprache missbraucht wird (oder sich verselbständigt). Diese Texte sind philosophische Versuchsanordnungen und intime Selbstbefragungen. Gleichzeitig abstrahieren sie Lebenserfahrungen, mit denen jeder Mensch zu ringen hat.
Außerdem möchte ich ihr letztes Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ hervorheben. Die Rahmenhandlung bildet ein Gerichtsprozess, in dem der titelgebende Gott sich rechtfertigt, absolute Liebe vernichtet zu haben, weil eine solche eine geordnete kapitalistische Gesellschaft in sich zusammenfallen lassen könnte. Der Text changiert zwischen Pathos, schrägen Momenten und schmerzhaften Passagen, die die patriarchale Struktur dieses absoluten Liebesverhältnisses entlarven.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Wie schon zu „Der gute Gott von Manhattan“ eben gesagt, ist diese Kritik erschreckend gegenwärtig. Bachmann beschreibt keine historischen Verhältnisse, sondern Strukturen: Macht, Sprachlosigkeit, Verdrängung und Gewalt im Privaten wie im Politischen. Vieles davon ist heute sichtbarer geworden, aber noch lange nicht überwunden. Ihre Kritik bleibt gültig, weil sie nicht moralisiert, sondern zeigt, wie Menschen einander beschädigen, und insbesondere, wie Sprache dabei als Waffe geführt wird.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in einer Vorlesung. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Mein Leben wäre bestimmt leichter, gäbe es nicht den Drang zu schreiben. Es ist ein Zustand erhöhter Wahrnehmung, der oft anstrengend ist, aber genauso oft befreiend. Bachmann beschreibt die Einsamkeit des Schreibens, aber auch seine Notwendigkeit: Ich muss etwas sagen, obwohl ich genausogut schweigen könnte, ja, es leichter wäre zu schweigen. Niemand zwingt einen dazu, außer man selbst. Und vielleicht ist das auch das Martyrium daran, denn vor einem selbst gibt es kein Entkommen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte sie gefragt, wie sie die Balance gehalten hat zwischen Verletzlichkeit und intellektueller Schärfe. Und vielleicht auch, wie sie die Kraft gefunden hat, trotz der Angriffe und Missverständnisse ihrer Zeit weiterzuschreiben.
Gesagt hätte ich ihr, dass ihre Texte Menschen noch immer verändern.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe 2026 ein Kapitel für einen Gemeinschaftsroman geschrieben (mit anderen deutschsprachigen AutorInnen), der 2027 in Deutschland erscheinen soll. Im Herbst schreibe ich einen Beitrag für eine niederösterreichische Anthologie über das Industrieviertel, denn dort bin ich aufgewachsen. Außerdem stelle ich aktuell meinen dritten Roman fertig und notiere schon erste Gedanken zum vierten Buch.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Christian Dörge_ Schriftsteller, Dramatiker, Musiker, Bildender Künstler, Theater-Schauspieler und -Regisseur